„Es wird einem nie langweilig“

Erstellt: 31. Dezember 2011, 00:30 Uhr
„Es wird einem nie langweilig“ Die langjährige Vhs-Leiterin Johanna Bächle vor Werbeplakaten für Theaterveranstaltungen im Jahr 2012.

Mühlacker. Der Tätigkeitsbereich der Volkshochschule (Vhs) Mühlacker umfasst zwei Bereiche: Kurse und Kultur. Seminare bietet die Vhs in den Fachbereichen Gesundheitsbildung – er läuft am erfolgreichsten –, Allgemeinbildung, Sprache, Familienbildung, Arbeit und Beruf sowie Kultur und Gestalten an. In einer sich immer schneller entwickelnden Arbeitswelt werde es immer wichtiger, sich fortzubilden „und sich lebensbegleitend auf dem Laufenden zu halten“. Entsprechend stark nachgefragt sind die Kurse. „Wir verbuchen leicht steigende Belegungszahlen.“ Pro Jahr werden knapp 4000 Belegungen registriert.

Der in der Außenwirkung bedeutendere Bereich der Vhs-Arbeit betrifft die kulturellen Veranstaltungen. Im Jahr der Wirtschaftskrise, 2009, sei das Budget aufgrund der finanziell klammen Lage der Stadt „etwas reduziert“ worden. Die Folge: Als Johanna Bächle, die Empirische Kulturwissenschaft und Neuere Geschichte studierte, im Januar 1997 nach Mühlacker kam, konnten jährlich 14 große Theateraufführungen angeboten werden; heute sind es neun. Aber allzu knickrig zeigten sich Stadtverwaltung und Gemeinderat nicht: „Für das Kulturprogramm auf der Löffelstelz haben wir zusätzliches Geld bekommen“, freut sie sich.

Doch mit Geld allein kann sich ein Anbieter von Kulturevents nicht gegen die starke Konkurrenz behaupten. Um das Absinken der Abonnentenzahlen zu stoppen, beschloss Bächle vor Jahren, auf ein „Theater mit bekannten Gaststars“ zu setzen. Etwa die Hälfte der Stücke, die im Mühlehof zu sehen sind, fallen in das Genre Komödie, die andere Hälfte sind Krimis und ernstere Stoffe. Die Rechnung ist aufgegangen. „Wir haben rund 470 Theaterabonnenten; das ist viel“, stellt die Macherin zufrieden fest.

Dass die Veranstaltungen so beliebt und gut besucht sind, liegt eben gerade daran, dass nicht unbekannte Schauspieler auftreten, sondern TV-bekannte Größen wie der seit Jahrzehnten populäre Herbert Herrmann oder berühmte Kolleginnen und Kollegen wie Katja Riemann, Renan Demirkan, Michaela May, Günther Maria Halmer, Ingo Naujoks und Heinrich Schafmeister.

Auf die nächsten prominenten Akteure kann sich das Publikum schon jetzt freuen: 2012 kommen Anja Kruse und Leonard Lansink nach Mühlacker. Tja, die Stars, manch einem von ihnen eilt der Ruf voraus, gelinde gesagt, schwierig zu sein. Und in der Tat treffe dies auf den einen oder die andere zu, bestätigt Johanna Bächle. Namen möchte sie höflicherweise nicht nennen. Zumal „bis auf zwei, drei Ausnahmen alle nett und liebenswert“ seien, wie sie beteuert. In ihrer Anfangszeit habe sie schon etwas Bammel vor den großen Namen gehabt, doch habe sich das gelegt. „Die meisten sind herzlich.“

Das hohe Niveau der kulturellen Veranstaltungen werde erhalten bleiben, ist sich Bächle sicher. Schließlich sei dies der erklärte Wille des Gemeinderates. Auch ein Abriss des Mühlehofs und sein Ersatz durch eine neue Stadt- und Kulturhalle würde daran nichts ändern. Für Konzerte mit klassischer Musik eigne sich der eher zu weitläufige große Saal des Mühlehofs ohnehin nicht optimal. Und die Fernsehberühmtheiten kämen auch in eine Halle, glaubt die seitherige Vhs-Verantwortliche. In der Übergangszeit zwischen dem wahrscheinlichen Abbruch des Mühlehofs und der Fertigstellung der in diesem Fall zu bauenden neuen Halle soll der Uhlandbau als Bühne für Theaterdarbietungen dienen.

Der Rückblick Johanna Bächles, die nächste Woche als Chefin ins Amt für Bildung und Kultur wechselt, fällt positiv aus. Sie habe die Arbeit als Vhs-Leiterin „sehr gerne“ gemacht, sagt sie. „Es wird einem nie langweilig.“ Jedoch sei gerade das Ausrichten von Kultur eine ständige „Herausforderung“, da man nie wissen könne, wie viele Besucher das Programm annehmen. Und auch die Zusammenstellung immer wieder neuer Kurse mit interessanten Themen und Referenten verursache einen erheblichen Aufwand.

„Ich wollte nie Stillstand, denn Stillstand bedeutet einen Rückschritt“, so Bächle. Deshalb habe sie sich wiederholt Neues wie das kürzlich stattgefundene Suppenfest oder das Kulturprogramm auf der Löffelstelz einfallen lassen.

Die Vhs, macht sie klar, solle auf jeden Fall selbstständig bleiben und nicht mit der Volkshochschule Pforzheim-Enzkreis, mit der es bereits Kooperationen gebe, fusioniert werden. Wie der Gemeinderat kürzlich beschloss, wird die Vhs in Zukunft dem Amt für Bildung und Kultur als weiterer Fachbereich zugeordnet.

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