Es liegt an Babbel oder auch nicht

Erstellt: 29. Oktober 2009, 00:00 Uhr
Es liegt an Babbel  oder auch nicht „Ich trage meinen VfB-Schal mit Stolz“, sagt Kerim Buruncayir – auch wenn dem Präsidenten des Lienzinger Fanclubs „Commando Schmiebach“ das Lachen dieser Tage schwerfällt. Archifoto: Eigner

Fans in der Region Mühlacker grübeln ob der Talfahrt des VfB Stuttgart – Die Meinungen über die Gründe gehen auseinander

Trainer Babbel? Manager Heldt? Oder die Spieler? Wer ist schuld an der Misere des VfB Stuttgart? Die Fans in der Region Mühlacker raufen sich nicht nur die Haare, sie machen sich auch Gedanken über ihren Lieblingsverein – und kommen dabei zu ganz unterschiedlichen Schlussfolgerungen.

Von Steffen-Michael Eigner

Mühlacker. Die Fehlerkette „fängt bei Horst Heldt an und endet bei Markus Babbel“, sagt Kerim Buruncayir, der Vorsitzende des Lienzinger VfB-Fanclubs „Commando Schmiebach“. Dem Manager des VfB wirft Buruncayir eine verfehlte Transfer-Politik vor. „Schon vor zwei Jahren nach der Meisterschaft hat er nur Mitläufer wie den Bastürk gekauft“, kritisiert Buruncayir und betont, dass die meisten Mitglieder seines Fanclubs mit ihm da einer Meinung seien. Auch im Fanblock im Stadion seien viele mit ihm einig.
 „Man hätte vielleicht ein paar Euro mehr investieren sollen, um beispielsweise einen Rafael van der Vaart zu holen, der dem Spiel Impulse gibt und auch mal einen Freistoß reinmacht.“ Nach seinem Geschmack sei Heldt zudem viel zu spät aktiv geworden, nachdem der Weggang von Mario Gomez feststand. Und an den zusätzlichen fünf Millionen, die der Wunschstürmer Jan-Klaas Huntelaar für einen Wechsel von Madrid nach Stuttgart gefordert habe, hätte es auch nicht scheitern dürfen: „Diese Kosten hätte man sich mit Real Madrid teilen können“, findet Buruncayir, der auch am Trainer Kritik übt.

 „Dem fällt ja langsam auch nichts mehr ein“, spielt er auf die Fülle verschiedener Aufstellungen und taktischer Formationen an, die der VfB-Trainer zuletzt versuchte. Babbel sei nicht mehr zu halten, findet Kerim Buruncayir und wünscht sich stattdessen „einen Schweinehund“. Der VfB brauche nun einen Trainer, „der den Spielern in der Halbzeit nicht erklärt, was sie tun sollen, sondern sie einfach mal zusammenstaucht. Manchmal braucht man einen Tritt in den Hintern statt Ratschläge.“

 Für einen solchen Schweinehund hält er den heiß gehandelten Schweizer Marcel Koller jedenfalls nicht: Mit Bochum nicht abgestiegen zu sein, sei als Erfolgsnachweis zu wenig. Dem Lienzinger schwebt einer wie Ex-Real-Madrid-Trainer Bernd Schuster vor: „Der hat Erfahrung und weiß mit Stars umzugehen.“ Die Talfahrt des VfB sei außerdem nicht an der Ladehemmung im Sturm festzumachen, findet Buruncayir. „Die Abwehr ist das Problem. Hannover, Fürth – jeder Gegner kommt nur einmal vors Tor und gewinnt 1:0. Und gegen Schalke war es ähnlich. Die hatten zwei Chancen und machen zwei Tore. Zurzeit ist jeder gegnerische Schuss ein Treffer.“

Torsten Beisser empfiehlt Werder Bremen als Vorbild

 Ganz anderer Ansicht ist hingegen Torsten Beisser, der Markus Babbel und Horst Heldt gleichermaßen in Schutz nimmt. „Soll denn der Babbel auf den Rasen rennen, und den Ball aus drei Metern über die Linie schießen? Nein, für mich liegt es weder am Trainer noch am Manager“, sagt der Vorsitzende des VfB-Fanclubs Großglabbich und würde beide gerne weiter auf der VfB-Bank sitzen sehen. „Im Sommer hat doch jeder gerufen: Hleb, super. Porgebnjak, super. Heldt, Glückwunsch, alles richtig gemacht“, erinnert Beisser, der für sich in Anspruch nehmen kann, einer der treuesten Fans des VfB Stuttgart zu sein. „Ich bin kein Tabellen-Fan, ich hab den Brustring im Herz“, sagt der Großglattbacher Fanclub-Präsident, der den VfB zum Champions-League-Spiel gegen Unirea Urziceni nach Rumänien begleitet hat und auch vorgestern beim Pokal-Aus in Fürth auf der Stadiontribüne stand.

 „Da hat sich die Mannschaft 90 Minuten lang zerrissen, und ebenso am Samstag gegen Hannover“, lobt Beisser den Einsatz der VfB-Spieler, denen das Pech jedoch dieser Tage an den Stiefeln klebt. Wenn Schüsse nur an den Innenpfosten klatschen, Schiedsrichter dem VfB reguläre Tore aberkennen, irreguläre Gegentore dagegen zählen, dann sei das weder den Spielern noch dem Trainer anzulasten.

 „Ich halte viel von Babbel. Die Mannschaft lebt. Unter Veh war sie zum Schluss tot“, betont Beisser und empfiehlt, Werder Bremen zum Vorbild zu nehmen. „Die hatten letztes Jahr auch eine schwache Saison, haben Trainer Thomas Schaaf behalten und sind jetzt wieder Spitze.“

Yilmaz Cebeci erlebt die Stimmung auf dem VfB-Clubgelände hautnah

 Hautnah bekommt Yilmaz Cebeci die Stimmung beim VfB mit. Der Maulbronner ist einer von derzeit 81 Schiedsrichtern des Stuttgarter Clubs. „In ganz Deutschland hat nur Bayern München mehr Referees“, betont Yilmaz Cebeci, der in der vergangenen Saison 136 Spiele gepfiffen hat – mehr als jeder andere Fußballschiedsrichter in Deutschland. Doch diese beiden Topwerte heben die Laune am Cannstatter Wasen nicht. „Wir sind alle niedergeschlagen. Die Stimmung ist am Untergrund“, berichtet der Maulbronner vom wöchentlichen Training der VfB-Schiedsrichter. Auch Cebeci schreibt die Talfahrt der Bundesliga-Elf nicht Markus Babbel zu, aber: „Vielleicht wäre ein Trainerwechsel jetzt tatsächlich das Beste“, sagt Cebeci mit einem Seufzer. Man merkt ihm an, dass ihm das Leid täte. „Wir haben seit Tagen damit gerechnet, dass Babbel gehen muss. Lange wird Horst Heldt wohl auch dem öffentlichen Druck nicht mehr standhalten können.“ Ob es langfristig etwas ändern würde? Cebeci zweifelt: „Der VfB war schon immer eine Achterbahn, nie konstant, ein Auf und Ab.“

Weiterlesen
OB: Sanierung wäre kaum zu bezahlen

OB: Sanierung wäre kaum zu bezahlen

Mühlacker Stadtverwaltung geht auf in der Bevölkerung heiß diskutierte Fragen zum Mühlehof einAm Donnerstag, 30. Juni, findet eine Bürgerversammlung zum Mühlehof statt, doch schon seit Wochen erregt das brisante Thema… »