Erfolgsautorin zu Gast

Erstellt: 29. Oktober 2008, 00:00 Uhr
Erfolgsautorin zu Gast Maria Barbal (M.) hat auch in Deutschland viele Leser gewonnen. Foto: Filitz

Die Schriftstellerin Maria Barbal stellt bei Buch-Elser ihren neuen Roman vor

Mühlacker – Erst vor acht Wochen ist der zweite Roman „Inneres Land“ der katalanischen Autorin Maria Barbal in deutscher Sprache erschienen. Und schon hatten Literaturfreunde in Mühlacker Gelegenheit, die vielfach ausgezeichnete Schriftstellerin im Rahmen einer Lesung bei Buch-Elser aus nächster Nähe kennenzulernen.

VON EVA FILITZ

Mit großer Freude begrüßte Angelika Wetzel Maria Barbal, ihre Übersetzerin Heike Nottebaum und eine große Zuhörerschaft in der Mühlacker Buchhandlung Elser zu einer ganz besonderen Lesung. Den Kontakt hatte Tobias Fauth, ehemals Praktikant bei Elser und heute Student der Literaturwissenschaften, über seinen Professor geknüpft, der mit Nottebaum verheiratet ist und die persönliche Bekanntschaft mit Barbal pflegt. Fauth stellte auch Leben und Wirken der Autorin vor. Barbals erstes Buch „Wie ein Stein im Geröll“ sieht der angehende Literaturwissenschaftler gewissermaßen als Vorläufer des neuen Werkes. Von drei folgenschweren Verlusten wird in dem nur schmalen Band berichtet, und das zweite dieser Ereignisse spiele im „Inneren Land“ eine bedeutende Rolle.

 Das Hauptthema des neuen Buches ist eine schwierige Mutter-Tochter-Beziehung. Noch nie sei diese, auch in anderen Konstellationen mitunter problematische Beziehung zwischen den Generationen mit so viel Tiefgang betrachtet worden, loben die Kritiker die Autorin in höchsten Tönen.

Im permanenten Dialog mit dem „Du“

Daneben gibt Barbal den unheilvollen Geschehnissen des spanischen Bürgerkrieges von 1936 bis 1939 breiten Raum, und die Zuhörer erfahren überrascht, wie tief heute noch die spanische und – hier unterscheidet die Autorin bewusst – auch die katalanische Bevölkerung in dieser Periode der spanischer Geschichte wurzelt und wie sehr die spanische Gesellschaft in der Aufarbeitung ihrer Vergangenheit bis heute gespalten ist.

 Während der Franco-Diktatur durfte Katalan nicht gesprochen werden, die alte katalanische Kultur stand gewissermaßen mit auf der Abschussliste. Vor diesem geschichtlichen Hintergrund wird dem Leser die Handlung des zweiten Barbal-Romans schlüssig klar. Die vermeintliche Beziehungslosigkeit zwischen Mutter und Tochter wird letztendlich auf ein versöhnliches Gleis geschoben und gewinnt an Durchsichtigkeit.
 Maria Barbal verarbeitet nur teilweise eigene Erfahrungen und persönliches Erleben in ihrem Buch. Ihr Werk möchte sie nicht auf eine Autobiographie eingrenzen. Beim Schreiben, zunächst in der Ich-Form, stellte sie fest, dass ihr „Gegenüber“ in direkter Konfrontation gefordert war und wechselte vom Ich zum „Du“.

Übersetzerin übernimmt den Part des Lesens

Die Autorin fand zu einem Stil, der für den Leser zunächst gewöhnungsbedürftig sein mag, tritt er damit doch in einen permanenten Dialog ein, dem er sich 400 Seiten lang stellen muss. In keiner Phase will die Autorin den moralischen Zeigefinger heben, hofft aber doch beim Leser Anstöße zum Überdenken eigener Familienbefindlichkeiten zu geben.

 Bei einer Autorenlesung erwartet der Zuhörer eigentlich, dass der Autor tatsächlich liest. Da außer einigen spanischen Zuhörern die meisten nicht katalanisch sprachen, Barbal nicht deutsch, übertrug sie den Part des Lesens ihrer Übersetzerin Heike Nottebaum, die ihrer Aufgabe einfühlsam gerecht wurde.

 Die beiden bilden ein vertrauensvoll eingespieltes Team und beantworteten am Ende sehr geduldig die vielen Fragen der Zuhörer, sei es zu Maria Barbal selbst oder auch zur politischen Lage in Spanien bis hin zu den Gewaltausschreitungen im Baskenland. Außerordentlich lebhaft war schon in der Pause diskutiert worden. Bei Sekt, Orangensaft und Laugenbrezeln ergaben sich interessante Gespräche.

 Mit hochrangigen Autorenlesungen und überraschenden „Events“ wie zum Beispiel der mittelalterlichen „Schmeckung“ im April dieses Jahres in den neuen Räumlichkeiten ist Buch-Elser auf dem besten Weg, sich nach und nach in Mühlacker als kleiner, aber feiner „Literatur- und Kulturtempel“ zu etablieren. Angelika Wetzel weckte mit ihren Ankündigungen weiterer abwechslungsreicher Abende jedenfalls schon jetzt das Interesse der Zuhörerschaft.

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