Er hatte noch nie einen echten Bums

Erstellt: 29. November 2006, 00:00 Uhr
Er hatte noch nie einen echten Bums Gut geschützt kann nichts passieren: Klaus Limberger (r.) steigt nur noch im Training in den Ring. Foto: mtav

Die Box-Experten Klaus Biebel und Klaus Limberger über das peinliche Comeback von Axel Schulz:

Nach sechs Runden war Schluss: Das Comeback von Axel Schulz war alles andere als ein Volltreffer für den bekanntesten Träger von Schildmützen. Sein Gegner Brian Minto war derart überlegen, dass die Schulz-Ecke das Handtuch warf. Enttäuschung pur auch bei Klaus Limberger vom Boxclub Mühlacker. Klaus Biebel vom Ötisheimer Boxring dagegen hatte Schulz nicht auf der Rechnung.

VON MIRKO BÄHR

„Er hat zu hoch gepokert“, blickt Klaus Limberger kopfschüttelnd auf den Kampfabend zurück. Gemütlich hatte er es sich gemacht, bei Freunden in Karlsruhe. Alle hatten sie sich auf das Comeback des Schwergewichtlers gefreut. Die Vorbereitung ließ auch hoffen. Doch es dauerte nicht lange, dann gab der schwergebeutelte Boxer auf. Die Augen zugeschwollen. „Dabei war das Training im Vorfeld so gut, wie noch nie zuvor“, erklärt der Vorsitzende des Boxclubs Mühlacker.

 „Was will man nach so einer langen Pause schon erwarten?“ Klaus Biebel stufte die Chancen von Schulz schon vor dem Kampf als eher gering ein. „Er hatte noch nie einen echten Bums“, erklärt der 42-Jährige. „Übermotiviert“ sei Axel Schulz gewesen. Biebel kennt das aus eigener Erfahrung. Es gebe Tage, da gelinge trotz richtiger Vorbereitung einfach nichts. „Er hat sich wohl zu viel erhofft, die Nerven haben dabei nicht mitgespielt. Er war platt, wie ein nasser Sack, und hat die „Arme nicht hochgekriegt.“ Bereits nach zwei Runden war für den Ötisheimer dieses „böse Ende“ vorprogrammiert.
 Alle guten Vorsätze und taktischen Vorgaben waren mit dem Gong wie weggeboxt. „Es war miserabel“, findet Limberger klare Worte. Die Deckung offen, die Bewegungen zu langsam. „Er hätte kämpfen, mehr Kombinationen schlagen und aus der Distanz agieren müssen.“ Nichts von alledem zeigte der 1,91-Meter-Hüne aus Frankfurt/Oder. Im Gegenteil: „Er lief immer voll rein, beugte sich sogar vor.“ Brian Minto nahm dankend an und vermöbelte Schulz, der übrigens bei all seinen wichtigen Kämpfen als Verlierer den Ring verließ. Aus der „Nacht der Antworten“, wie der TV-Sender diesen Event aufpushte, wurde eher eine Nacht der Peinlichkeiten.

 Warum hat es nicht geklappt? Limberger macht klar, dass ein Kämpfer auch „psychisch 100 Prozent fit“ sein müsse. Der Ort, die Zeit und der Tag müssten passen. Das war bei Schulz nicht der Fall. „Ich möchte nicht sagen, dass er Angst hatte, aber er wollte irgendwie nicht. Der Druck war zu groß.“ Das Drumherum war jedenfalls perfekt. Klaus Limberger, früher selbst 13 Jahre lang aktiver Boxer, bekam sogar „Gänsehaut“. Jetzt ist er nur noch enttäuscht: „So darf man nicht boxen.“

 „Es gehört eben mehr dazu“, sagt Klaus Biebel, der sich insgeheim doch etwas mehr vom Auftritt des Schwergewichtlers erhofft hatte. Überrascht ist er aber nicht, schließlich findet er Axel Schulz schlichtweg zu alt. Im Amateurboxsport müsse man sich mit 35 Jahren eine Erlaubnis des Arztes ausstellen lassen. „Man merkt das Alter“, weiß Biebel. „Für einen solchen Kampf muss man körperlich topfit sein. Das ist Hochleistungssport.“ Als falsch habe sich auch die Wahl des Gegners herausgestellt. „Fallobst“ wäre wohl angebrachter gewesen, so Biebel.

 Auch Limberger hätte sich einen anderen Gegner ausgesucht. „Wenn man sieben Jahre lang nicht geboxt hat, dann muss man sich einen Aufbaugegner holen. Schulz wollte zu viel, er hat zu hoch gepokert“, wiederholt Klaus Limberger, und unterstreicht, dass der Weg zu einem WM-Titel doch auch bei einem Erfolg viel zu weit gewesen wäre. Für Schulz ist Schluss. Das ließ er gleich nach dem Kampf verlauten. „Er hat Geschichte geschrieben, jetzt hat man gemeckert, dass es nicht mehr reicht“, meint Limberger.

 Sein Boxkamerad aus Ötisheim geht nur noch zum Spaß in den Ring. Biebel weiß warum: „Man muss an die Gesundheit denken.“ Doch leider gehe es einmal mehr um das liebe Geld. „Er hat seine Gage bekommen.“ Über eine Million Euro gab’s als Schmerzensgeld. Schwer gezeichnet verließ Schulz die Halle, 12000 Zuschauer in Ostwestfalen waren natürlich nicht sonderlich begeistert.

 Mehr als die Niederlage beschäftigen Limberger derweil die Reaktionen. Wieder einmal musste ein deutscher Boxer vor laufender Kamera mächtig einstecken. „Viele verbinden dies jetzt wieder mit dem Boxsport, den wir an der Basis betreiben. Das ist aber Unsinn. Der Amateurboxsport ist anders.“ Es gebe einen Kopfschutz, zudem würden viele weitere Maßnahmen für die Gesundheit der Athleten sorgen.

 Nach Axel Schulz wird demnächst auch noch Altstar Henry Maske in den Boxring zurückkehren. Gegen einen alten Bekannten – Virgil Hill. „Wenn er denn meint“, zuckt Klaus Biebel mit den Schultern. Auch Klaus Limberger schwant Schlimmes: „ Maske wird es genauso ergehen.“

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