Enzstraße steht bei Belastung ganz oben

Erstellt: 31. August 2011, 00:00 Uhr
Enzstraße steht bei Belastung ganz oben Schauplatz Landesstraße „L 1134“: Nach einer neuen Schätzung sind auf dem Asphalt zwischen B 10 und Herrenwaagbrücke in Mühlacker im Schnitt täglich 16 850 Fahrzeuge unterwegs. Foto: Disselhoff

Radar statt manuelle Strichliste: Im Kreis liegen erstmals genaue Daten zum Fahrzeugaufkommen vor – Weniger Brummis als erwartet

Die Zeiten, in denen Schüler an den Straßen saßen, um mit Strichlisten den Verkehr zu zählen, sind im Enzkreis vorbei. Im vergangenen Jahr wurden die Fahrzeuge erstmals automatisch erfasst. Im Landratsamt in Pforzheim wurden die Ergebnisse für die Kreis- und Landesstraßen jetzt vorgestellt.

Von Maik Disselhoff

Enzkreis. Obwohl sich die Experten von den Ergebnissen der automatischen Verkehrszählung, neudeutsch „Verkehrsmonitoring“, nicht überrascht zeigten, dürften einige Daten bei manch einem Beobachter Verwunderung auslösen. So hat der durchschnittliche tägliche Verkehr auf den Landesstraßen im Enzkreis im Vergleich zur manuellen Zählung von 2005 um rund fünf Prozent auf 4925 Fahrzeuge leicht abgenommen. Und der Schwerverkehr (Brummis über 3,5 Tonnen) hat sich auf den Landesstraßen von 257 Fahrzeugen deutlich auf 184 pro Tag verringert.

Auch auf den Kreisstraßen waren im Vergleich zu 2005 im Tagesschnitt viel weniger schwere Lkws unterwegs (127 zu 172). Allerdings ist die Verkehrsbelastung im Vergleich zum Landesschnitt auf den Kreisstraßen vergleichsweise hoch. 4009 Fahrzeuge wurden 2010 gezählt. Damit liegt die Zahl rund 73 Prozent über dem Landesschnitt (2309 Fahrzeuge). Neu sei nicht der Verkehr auf den Straßen, sondern die Messmethode, mit der die Belastung erfasst werde, sagte Vize-Landrat Wolfgang Herz gestern. Baden-Württemberg sei beim neuen Verkehrsmonitoring bundesweit Vorreiter. Die automatischen Zählgeräte sind im Enzkreis unter anderem in 89 Leitpfosten versteckt. An den Ortsdurchfahrten demnächst weitere Zählkästen angebracht werden. Für die Verkehrsbelastung auf Ortsdurchfahrten fehlt also noch eine exakte maschinelle Messung. Die Werte, die hier für 2010 existieren, wurden in einem komplizierten mathematischen Verfahren ermittelt.

Wegen Diebstahl und Vandalismus seien die Zählgeräte an der freien Strecke in den Leitpfosten versteckt worden, erklärte Heinrich Elwert, Leiter der Straßenmeisterei. Der fünf bis sechs Kilo schwere Akku des Geräts befindet sich im Boden, damit er bei Unfällen keine Gefahr darstellt. In der sichtbaren Hülle des Pfostens befinden sich ein Radar und ein Mikrofon, die den Verkehr ermitteln. „Anhand der Fahrzeuggeräusche, die das Mikrofon aufnimmt, kann man sogar einen Bus von einem Lkw unterscheiden“, erklärte Elwert die ausgefeilte Technik. Wegen der vielen Leitungen, die neben den Straßen unter der Erde verlaufen, war es für das Team der Straßenmeisterei trotz Spezialbohrer nicht einfach, die Leitpfostenzählgeräte im Erdreich zu versenken. „Wir haben uns beispielsweise ein Kabelsuchgerät für stromführende Leitungen anschaffen müssen.“ Auch wenn die Zählgeräte vom Land bezahlt wurden, investierte der Landkreis immerhin noch einen stattlichen Betrag von 50 000 Euro für die Installation der modernen Technik, von der sich die Verkehrsexperten genauere Zahlen als Grundlage für Straßenplanung, Verkehrsmanagement oder Lärmschutzmaßnahmen erhoffen. Für die Verantwortlichen im Landratsamt ist ein Ergebnis der Zählung von 2010 offensichtlich: Die manuelle Zählung hatte Schwächen. Der Erste Landesbeamte Herz dazu: „Die auf diese Art gezählten Werte von 2005 liegen deutlich höher, besonders nachts sind jedoch weniger Fahrzeuge unterwegs als geschätzt.“ Im Gegensatz zur automatischen Messung, bei der auf den Landesstraßen zweimal je eine Woche und auf den Kreisstraßen eine Woche jeweils rund um die Uhr gemessen wurde, sind die Daten für die Nacht früher zum Teil nur geschätzt worden. Künftig sollen die Zählungen auch nicht mehr nur im Fünfjahresturnus erfolgen, sondern jährlich. Allerdings werden die Daten dann im Gegensatz zur Premiere 2010 nur an 20 Prozent der insgesamt 102 Zählstellen wechselweise aktualisiert.

Während der Rückgang des Schwerverkehrs im Kreis laut Herz noch einer tiefergehenden Analyse bedarf, bestätigen die einzelnen Messpunkte die Erwartungen zu den am meisten belasteten Straßen in der Region. Bei den Landesstraßen liegt die Enzstraße in Mühlacker auf Platz eins. Hier wälzen sich täglich 16 850 Fahrzeuge über den Asphalt. Auf Rang zwei folgt die Ortsdurchfahrt in Niefern (14 503 Fahrzeuge). Unter den „Top Ten“, wie es der Verkehrsamtsleiter Oliver Müller ausdrückte, befindet sich auch die Maulbronner Ortsdurchfahrt mit 9825 Fahrzeugen.

Bei den zehn am stärksten befahrenen Kreisstraßen rangiert die Ortsdurchfahrt Birkenfeld ganz oben (14 825 Fahrzeuge). Auf Platz zwei folgt ein anderer Abschnitt derselben Route zwischen B 10 und Ersingen. Die am drittstärksten befahrene Kreisstraße ist die Illinger Ortsdurchfahrt mit im Schnitt täglich 12 854 Fahrzeugen. Auch die Kreisstraßen zwischen Dürrmenz und Lomersheim (4754) sowie die Knittlinger Ortsdurchfahrt (5804) sind in der „Hitliste“ enthalten.

Laut Festsetzung der Experten dominiert der Schwerverkehr eine Straße in einem kritischen Ausmaß dann, wenn der Anteil der Brummis am Verkehrsaufkommen zehn Prozent beträgt. „Dieser Wert ist an keiner Stelle der Landes- oder Kreisstraßen erreicht“, sagte Herz. Trotzdem betonte der Vize-Landrat, dass die Fakten nichts über die gefühlte Belastung aussagten. „Es gibt zu Recht die Diskussionen über Lärm“, auch wenn dieser durch die objektiven Messergebnisse nicht immer belegt werden könne.

 Die Daten sind unter www.svz-bw.de abrufbar. Erst auf Verkehrszählung klicken und dann auf die Rubrik Verkehrsmonitoring

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