Enzkreis will Wortmonster verbannen

Erstellt: 12. März 2009, 00:00 Uhr

Behörden durchforsten Amtsdeutsch mit dem Ziel, vom Bürger besser verstanden zu werden

Enzkreis/Pforzheim – Wenn im Behördendeutsch von Straßenbegleitgrün die Rede ist, dann meint das Amt sicher keine Verkehrspolizisten, sondern Bäume und Büsche am Straßenrand. Seit nunmehr neun Monaten ist der Enzkreis dabei, das typische Verwaltungsdeutsch in verständlichere Formulierungen umzuwandeln.

VON NORBERT KOLLROS

Dass dies kein einfacher Prozess ist, zeigt die Tatsache, dass eine hierfür eingesetzte rund zehnköpfige Arbeitsgruppe aus den unterschiedlichsten Amtsbereichen sich sogar juristischen Beistand in der Person von Rechtsamtsleiter Rolf Oreans an die Seite geholt hat. Und sich auch externer Unterstützung bedient – nämlich des Germanistischen Instituts an der Ruhr-Universität Bochum, das sich in einem Netzwerk mit derzeit 21 Kommunalverwaltungen in sieben Bundesländern einer modernen Amtssprache annimmt. Der Enzkreis sei dabei der erste Landkreis in Baden-Württemberg und bundesweit der zweite, der dazu auch eine interne Arbeitsgruppe besitze.

Oft steckt die juristische Tücke im Detail

Wie Landrat Karl Röckinger in einer Zwischenbilanz sagte, sei er ein großer Unterstützer dieses „wichtigen Projekts“, dem der Landkreis das Motto „Wir wollen, dass Sie uns verstehen“ gegeben hat. Sicher, räumte er ein, gebe es Mitarbeiter, die sich nur ungern von liebgewonnenen Traditionen verabschieden wollten, und dazu gehöre auch veraltetes Behördendeutsch, aber gerade diese müssten die Sinnhaftigkeit dieses Tuns überdenken.

 Gleichsam müsse die redaktionelle Überarbeitung der Amtssprache juristisch wasserdicht sein, bemerkte der Rechtsamtsleiter. So seien oft kleinste Details ausschlaggebend, ob ein amtlicher Bescheid anfechtbar sei. Der Begriff „Rechtsbehelfsbelehrung“ könne etwa problemlos durch ein freundlicher wirkendes „Ihre Rechte“ ersetzt werden, nicht aber das ebenso sperrige „Rechtsmittelbelehrung“. Der Grund lautet: Die „Behelfsbelehrung“ sei im entsprechenden Gesetzesparagraphen so nicht expressis verbis definiert, wohl aber die andere.

 Ungeachtet dessen stolpern die Enzkreis-Amtssprachforscher noch über viele Wortmonster, die verständlicher zu Papier gebracht werden können, nicht nur die „naturnahe Niederschlagswasserbewirtschaftung“, sondern auch das „abschlägige Bescheiden“ eines Antrags oder der Hinweis „zur Kenntnis nach Abgang“.
 Hilfreich für den Bürger sei sicher auch schon, wenn ein Bescheid vom Amt schlichtweg durch seine verbesserte Gliederung lesbarer sei. Dass er gleich auf den ersten Blick erkenne, worum es geht oder was man von ihm will.

 In der praktischen Umsetzung des Projekts „Amtsdeutsch a.D.“ gibt es freilich auch noch Hürden, wie Jürgen Hörstmann von der ebenfalls involvierten Enzkreis-Pressestelle gestern gegenüber Medienvertretern einräumte: Bußgeldbescheide, die vom zentralen Rechenzentrum erstellt werden, würden sicher noch geraume Zeit in der bisher bekannten Form zu den Adressaten gelangen, da müssten sich erst alle weiteren Nutzer des Rechenzentrums auf die Verwendung eines bürgernäheren Amtsdeutsch verständigen, meint Jürgen Hörstmann.

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