Enzkreis hilft Erdbebenopfern in Italien

Erstellt: 30. Mai 2012, 23:30 Uhr
Enzkreis hilft Erdbebenopfern in Italien Enzkreis hilft Erdbebenopfern in Italien

Enzkreis/Mühlacker. Am Dienstag ging um 19 Uhr bei Landrat Karl Röckinger ein ebenso außergewöhnlicher wie dringender Anruf ein. Er kam aus Reggio Emilia. Am Apparat war seine dortige Amtskollegin Sonia Masini, die Röckinger um Hilfe bei der Unterbringung von 300 Erdbebenopfern in der Gegend der Gemeinden Reggiolo und Novellara bat. Ein starkes Erdbeben, informiert das Landratsamt, habe den nördlichen Bereich Reggio Emilias mit genau diesen beiden Kommunen erschüttert und „große Gebäudeschäden“ angerichtet. Verletzte habe es nicht gegeben. Zum Glück sei „nur ein kleiner Teil“ von Reggio Emilia betroffen, sagte Landrat-Stellvertreter Wolfgang Herz gestern unserer Zeitung. Dessen ungeachtet habe der Enzkreis, der in Italien Ansprechpartner vor Ort habe, schnell reagiert „und den Hilferuf prompt bedient“.

„Noch in der Nacht haben wir uns zusammen mit dem DRK-Ortsverein Pforzheim mit unseren italienischen Partnern abgestimmt“, teilte Kreisbrandmeister Christian Spielvogel gestern mit. „Die Menschen in der Reggio Emilia sind sehr verunsichert. Viele wollen erst dann wieder in ihre Häuser zurückkehren, wenn die Nachbeben vorbei sind. Bis dahin sollen sie sicher in Notunterkünften untergebracht werden. Das Material aus dem Enzkreis soll dabei als Reserve dienen.“

Mit diesem Material machte sich am Mittwochmorgen ein kleiner Hilfskonvoi nach einer kurzen Besprechung auf dem DRK-Gelände in Pforzheim unter Leitung von Kreisbrandmeister Spielvogel von Pforzheim aus auf den Weg nach Süden. Der Konvoi bestand aus drei Transportfahrzeugen der Feuerwehren Mühlacker, Illingen und Tiefenbronn mit jeweils zwei Mann Besatzung. Ihre Ladung: 300 Feldbetten, Decken und Zelte aus dem Bestand des Enzkreises, des Roten Kreuzes und verschiedener Gemeinden. „Diese drei Feuerwehren verfügen über Katastrophenschutzeinheiten“, erläutert Torsten Nonnenmann, hauptberuflicher Mitarbeiter der Feuerwehr Mühlacker. Einer der sechs Feuerwehrmänner ist der Illinger Kommandant Joachim Saalbach. „Wir sind gerade an der Grenze zur Schweiz“, sagte er gestern um 10.45 Uhr, als er mit dem MT telefonierte. Rund 700 Kilometer seien bis Reggiolo und Novellara zurückzulegen.

Noch vor Kurzem hatte die Partnerprovinz des Enzkreises beim ersten Erdbeben, das Norditalien heimsuchte, der nun besonders stark in Mitleidenschaft gezogenen Gegend rund um Modena selbst mit Feldbetten und Decken ausgeholfen. Jetzt fehlen genau solche Gegenstände der eigenen leidenden Bevölkerung. Zum Trost der Betroffenen verfüge Italien über einen „gut strukturierten Katastrophenschutz“, so Christian Spielvogel. Auch deshalb werde eine weitere Unterstützung durch den Enzkreis voraussichtlich nicht erforderlich, glaubt Wolfgang Herz.

Musiker aus Enzkreis suchen Schutz im Bereich Castelnovo ne’ Monti

Ausgerechnet jetzt sind 67 Musikvereinsmitglieder aus Tiefenbronn und Mühlhausen/Würm in Reggio Emilia auf einer Konzertreise. Passiert ist ihnen zur Erleichterung des Landrats nichts. Bis sich die Lage beruhigt hat, halten sie sich im Bereich von Castelnovo ne’ Monti, der Partnergemeinde von Illingen, im erdbebensicheren Gebirgszug Apennin auf. Ein in Reggiolo geplanter Auftritt musste abgesagt werden. Als Ersatz haben sich die Musiker entschlossen, ein Benefizkonzert in San Polo, der Partnergemeinde von Eisingen, zu geben, dessen Erlös der stark beschädigten Musikschule in Reggiolo zugute kommen soll. Derzeit sind sämtliche Schulen in der Provinz geschlossen. Alle Erdbebenschäden zu beheben, werde „Monate oder sogar Jahre dauern“, befürchtet die Landrätin Sonia Masini.

Auch Mühlackers Partnerstadt Bassano del Grappa (Provinz Vicenza) bekam das Erdbeben zu spüren, doch seien keine Menschen verletzt worden, hat Annette Kusche, Partnerschaftsbeauftragte von Mühlacker, von Maurizio Basso, dem Vorsitzenden der Italienisch-Deutschen Gesellschaft von Bassano, erfahren. „Die Erde hat ein paar Sekunden lang vibriert. Es gab Risse in Wänden“, zitiert Kusche Basso. Große Schäden seien nicht entstanden. Indes hätten sowohl die Rathausmitarbeiter als auch Schüler ihre Gebäude zweimal während der Erdbebenstöße vorsichtshalber verlassen.

Bislang nicht zur Unterstützung angefordert worden ist das Technische Hilfswerk, sagte gestern der Mühlacker THW-Ortsbeauftragte Lothar Drung auf Anfrage unserer Zeitung. Falls die Bundesregierung doch noch eine THW-Einheit in Marsch setzen wollte, werde es sich wohl eher um eine aus Bayern handeln, das näher an Italien liegt als Baden-Württemberg.

Trotz aller Hilfsbemühungen sind, wie die Tagesschau online berichtete, bis Mittwochmittag 17 Menschen durch das neue Erdbeben ums Leben gekommen, mehr als 300 wurden verletzt. Die Zahl der Obdachlosen stieg seit dem ersten Beben vor gut einer Woche auf rund 15000.

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