Engel-Raub macht Friedhof zum Tatort

Erstellt: 30. September 2006, 00:00 Uhr
Engel-Raub macht Friedhof zum Tatort Engel-Raub macht Friedhof zum Tatort

Diebstahl in Mühlacker sorgt für Empörung – Autoaufbrüche bei Trauerfeiern in Illingen – Alles nur Einzelfälle?

Enzkreis – Nicht einmal der Engel hat auf dem Friedhof seinen Frieden: Wie berichtet, hat dieser Tage ein Unbekannter auf dem St. Peter in Mühlacker die Porzellanfigur vom Grabstein abgerissen und gestohlen. In Illingen wiederum wurden wiederholt während Bestattungsfeiern Autos von Trauergästen aufgebrochen. Tatort Friedhof?

VON THOMAS SADLER
UND DÉSIRÉE KREBS

Ja und nein, geben die in Kommunen für Friedhöfe Zuständigen auf Nachfrage unserer Zeitung zu verstehen. „Diebstähle von Blumen und Grabschmuck haben wir schon öfter gehabt“, berichtet Werner Betz von der Mühlacker Stadtverwaltung. Aber der Diebstahl eines symbolisch über einem Grab wachenden, künstlerisch gestalteten Engels? „So etwas habe ich in den letzten Jahren noch nie erlebt. Das ist ein ärgerlicher Einzelfall“, empört sich Betz. Ob sich der pietätlose Täter ermitteln lässt? Da macht sich der verantwortliche Mann der Verwaltung kaum Hoffnungen. Immerhin: Von Autoknackern, die unverschämterweise während einer Bestattungszeremonie Fahrzeuge aufbrechen und ausräumen, sei der Friedhof St. Peter seines Wissens bislang offenbar verschont geblieben.

 Was nicht heißen muss, dass nie etwas passiert. Gerade in diesem Jahr, weiß Martin Rudolf von der gleichnamigen Friedhofsgärtnerei, sei hier an einem Pkw eine Scheibe eingeschlagen und eine Handtasche geklaut worden, während die Besitzerin des Wagens sich gerade zum Gießen auf dem Friedhof aufgehalten habe. Glücklicherweise kämen derlei Untaten nur selten vor. Und wenn, dann sei in erster Linie der Parkplatz am hinteren Friedhofseingang der Tatort. Auch Diebstähle von Blumen stelle er „nur vereinzelt“ fest, relativiert der Friedhofsgärtner. Sachbeschädigung? Die mit Abstand am häufigsten in Erscheinung tretenden Vandalen seien Wühlmäuse, Hasen und Maulwürfe, sagt Rudolf.

 „Es ist selten, dass etwas zerstört oder gestohlen wird. Und falls doch, werden meist höchstens Stöcke ausgegraben oder Windlichter mitgenommen“, bestätigt Polizeisprecher Wolfgang Schick. Der Fall des Engels von Mühlacker stelle eine unrühmliche Ausnahme dar. Autoaufbrüche in Friedhofsnähe würden zwar verübt, seien jedoch eher die Ausnahme als die Regel.

 Entwarnung geben – stichprobenhaft befragte – Nachbarkommunen. „Wir haben keinen Vandalismus auf unserem Friedhof. Was jedoch bedauerlich ist und im Rathaus für Kopfschütteln sorgt: Es gehen öfter Gießkannen ,verloren‘“, schildert Frank Burghardt, Kämmerer in Maulbronn, ein Phänomen auf dem dortigen Friedhof. Vor Jahren sei zwar eine Toilette aufgebrochen worden, doch hatten sich die Jugendlichen dort lediglich zum Rauchen verabredet.

 In Illingen gibt es derzeit ebenfalls keine Friedhofsschändungen. Hauptamtsleiterin Heidi Schmid verweist auf zwei ältere Fälle: „Im April ist ein Auto aufgebrochen und Bargeld gestohlen worden. Das Problem war, dass die Tasche gut sichtbar auf den Sitzen lag.“ Der zweite Aufbruch eines Wagens ereignete sich, während die betroffene Person an einer Beerdigung teilnahm. Auch hier gelte: „Keine Gegenstände offen im Auto liegen lassen“, warnt Schmid. Ein solcher Diebstahl könne zwar an jeder Ecke passieren, doch könne der Täter bei Trauergästen vergleichsweise sicher sein, dass diese nicht so schnell zum Wagen zurückkehrten. „Momentan habe ich keine Hinweise auf andere Delikte im Friedhofsbereich. Gießkannen verschwinden hin und wieder, aber nicht mehr als sonst auch.“

Weiterlesen
Neue historische Funde in Dürrmenz

Neue historische Funde in Dürrmenz

Grabungsteam stößt auf Reste einer weiteren Grubenhütte und auf Keramiksplitter – Abriss soll sich nicht verzögern Den von Stadtrat Leo befürchteten Römerkeller haben sie noch nicht gefunden. Allerdings sind die… »