Engagement soll Schule machen

Erstellt: 30. Mai 2008, 00:00 Uhr
Engagement soll Schule machen Wo heute noch Baustellencharme vorherrscht, entsteht bald die Mensa. Das Vesper schmeckt jedenfalls schon. Foto: Becker

Ganztagsbetrieb an der Uhlandschule startet nach den Sommerferien – Jugendbegleiter gesucht

Mühlacker – Seit Dienstag ist es amtlich: Die Mühlacker Uhland-Förderschule wird im kommenden Schuljahr mit dem offenen Ganztagsbetrieb beginnen. Um an den Nachmittagen ein möglichst attraktives Programm anbieten zu können, wirbt die Rektorin um ehrenamtliche Jugendbegleiter.

 VON CAROLIN BECKER

Wer weiß schon, dass es in Mühlacker noch eine funktionierende Mühle gibt? Die Schützlinge von Sonngard Bodner jedenfalls haben sich gestern mit eigenen Augen davon überzeugt. Seit September geht die Dürrmenzerin einmal in der Woche im Rahmen einer Arbeitsgemeinschaft mit einer Gruppe von Schülern auf heimatkundliche Entdeckungstour. Nicht als Lehrerin, sondern auf ehrenamtlicher Basis tut sie das. Gerne möchte die Schule noch mehr solche Jugendbegleiter gewinnen, denn auf dem Stundenplan des Ganztagsbetriebs sollen am Nachmittag nicht nur Pflichtfächer, sondern auch erlebnispädagogische Angebote stehen. „Wir wünschen uns, dass sich die Schule durch die Kooperation mit den verschiedensten Partnern nach außen öffnet“, benennt Schulleiterin Birgid Klepper ein weiteres Ziel. Deshalb habe sie „viele, viele Vereine aus dem Raum Mühlacker“ angeschrieben, um ehrenamtliche Helfer zu gewinnen, Informationsmaterial ausgeteilt, sich an Institutionen, auch an ältere Realschüler und Gymnasiasten gewandt. Gemeinsam mit ihren Kollegen wirbt sie um die Teilnahme am Jugendbegleiter-Programm, das die Landesregierung 2006 ins Leben gerufen hat.

 Gesucht würden, macht die Schulleiterin klar, keine Aushilfslehrer, sondern geeignete Jugendliche und Erwachsene, die beispielsweise mit den Förderschülern kochen oder den Schulgarten gestalten. Dafür könnten sie zwar keine Bezahlung im eigentlichen Sinn, aber eine Aufwandsentschädigung und Versicherungsschutz erwarten. Je bunter die Auswahl an Beschäftigungsmöglichkeiten sei, umso mehr Anmeldungen erhoffe sie sich für die Ganztagsschule. Diese könne in Förderschulen nur als offenes, also freiwilliges Angebot eingeführt werden. Dennoch betont Birgid Klepper: „Für uns wäre es natürlich schön, wenn sich möglichst viele Schüler beziehungsweise deren Eltern für das Ganztagsangebot von 8.15 bis 15.15 Uhr entscheiden würden.“ Dies erleichtere auf Dauer nicht nur die Stundenplangestaltung in der teils zwei-, teils einzügigen Schule, sondern fördere auch das soziale Miteinander.

 Zunächst startet der Ganztagsbetrieb in den fünf Klassen der Stufen fünf bis sieben, soll aber sukzessive ausgebaut werden. Umgebaut werden dafür derzeit Teile des Schulhauses und des Pausenhofs, entsteht doch eine Mensa, in der die Ganztagsschüler montags bis donnerstags in der Mittagspause verköstigt werden. Freitags genießen auch sie einen früheren Feierabend. Geplant seien an den übrigen Tagen fünf Stunden Vormittagsunterricht. Pflichtstunden würden teilweise auf den Nachmittag gelegt, doch solle auch Raum bleiben für offene Angebote. Abgedeckt werde der komplette Zeitraum von Lehrern und pädagogischen Mitarbeitern, die von der Stadt eingestellt würden. Parallel und ergänzend dazu kämen die Jugendbegleiter zum Einsatz. „Wir lassen die Ehrenamtlichen nicht allein“, versichert Birgid Klepper. Die Jugendbetreuer würden, wenn sie das wünschten, von Lehrern unterstützt. „Uns ist bewusst, dass das Etikett Förderschule und alle Vorurteile, die damit verbunden sein können, eine Hemmschwelle darstellen“, sagt die Schulleiterin.

 Sonngard Bodner verspürt keine Berührungsängste, wenn sie mit ihren Schützlingen die Stadtgeschichte von den Spuren der eiszeitlichen Jäger bis hin zur Stadterhebung erkundet – auch wenn die Aufnahmefähigkeit nach einem langen Schultag beim einen oder anderen nachlasse. „Es tut den Kindern unheimlich gut, wenn sie in der Gruppe etwas erleben können“, schildert sie ihre Erfahrungen. Deshalb empfinde sie es als „ungeheuer wichtig, dass man sich engagiert“. Auch davon, dass sie mit dieser Ansicht nicht allein dasteht, ist die Hobby-Archäologin überzeugt: „Das Potenzial für ehrenamtlichen Einsatz ist da.“

 Am Donnerstag, 5. Juni, 19.30 Uhr, findet in der Uhlandschule ein Informationsabend zum Thema Jugendbegleiter statt, zu dem alle Interessierten eingeladen sind. Auskunft gibt Birgid Klepper auch telefonisch unter der Nummer 07041/876610.

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