Empfinden ist nicht in Worte fassen

Erstellt: 24. Februar 2009, 00:00 Uhr
Empfinden ist nicht in Worte fassen Pforzheimer Bürger gedenken der Opfer des 23. Februars 1945. Foto: Ochs

Pforzheim gedenkt den Opfern des Luftangriffs – Rechtsradikale verbreiten antisemitische Aufkleber.

Pforzheim – Mit einer Gedenkstunde auf dem Hauptfriedhof gedachte die Stadt Pforzheim gestern Nachmittag den Opfern des Luftangriffs vom 23. Februar 1945, bei dem 17000 Menschen umkamen und die Pforzheimer Innenstadt innerhalb einer halben Stunde komplett zerstört wurde.

VON TORSTEN OCHS

Wie notwendig das Gedenken der Opfer des nationalsozialistischen Wahnsinns sei, zeigten die Vorgänge vom zweiten Weihnachtsfeiertag, sagte Oberbürgermeisterin Christel Augenstein in ihrer Ansprache. Damals hatten Pforzheimer Gymnasiasten vor dem Haus eines jüdischen Mitschülers antisemitische Parolen gegrölt. „Mein Empfinden über den Vorfall ist nicht in Worte zu fassen“, so die OB. Sie sei jedoch erleichtert über die Reaktionen der Schule und der übrigen Schüler, die das Verhalten der Gymnasiasten verurteilt haben. Wer den Gedenktag für eigene Zwecke missbrauche, habe aus der Geschichte nichts gelernt, sagte die Oberbürgermeisterin.

 Ob auf Schulhöfen oder an Stammtischen: Wer gegen Minderheiten hetze, habe nichts verstanden, pflichtete Dekan Bernhard Ihle von der katholischen Kirche bei. Holocaust-Leugner und Extremisten dürfen weder Beifall noch Verständnis finden. Ein Gebet sprach Dekan Hendrik Stössel von der evangelischen Kirche.

 Bei der Gedenkfeier nahmen außer zahlreichen Bürgern auch Delegationen aus Partnerstädten wie Gernika und Osijek teil. Das Bläserensemble des Musikzugs der Pforzheimer Feuerwehr unter der Leitung von Bernd Windelband begleitete die Gedenkfeier mit Chorälen.

 Mit einer Ökumenischen Andacht in der Schlosskirche, einer Lesung im Stadttheater und Filmvorführungen im Kommunalen Kino wurde der Gedenktag zum 23. Februar gestern Abend fortgesetzt.

 Der Gemeinderat hat erst am 17. Februar eine Resolution bekräftigt, die den 23. Februar zu einem besonderen Tag macht. In dieser Resolution heißt es: „Die Stadt Pforzheim ist weltoffen und tolerant. Sie verurteilt mit Entschiedenheit rechtsextremes Gedankengut, das insbesondere durch Militarismus, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Intoleranz und die Verfälschung historischer Wahrheiten geprägt ist.“

 Großfotos an Originalplätzen zeigen das ganze Ausmaß der Tragödie des 23. Februar 1945. Gestern sind auf diesen „Stelen“ Aufkleber mit antisemitischem Inhalt aufgetaucht, die von Mitarbeitern des Vollzugsdienstes und von aufmerksamen Bürgern sofort wieder entfernt worden sind. Nach Auffassung der Stadt haben diese Aufkleber den Charakter der „Volksverhetzung“. OB Augenstein zeigte sich in einer ersten Stellungnahme tief getroffen: „Das sind menschenverachtende, zynische und unsägliche Äußerungen, die auf das Schärfste zu verurteilen sind. Wir schalten Polizei und Staatsanwaltschaft ein.“

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