Eltern geben Schule schlechte Noten

Erstellt: 29. Februar 2008, 00:00 Uhr
Eltern geben Schule schlechte Noten Thilo Dettinger kritisiert die Prüfungspraxis an der Enzberger Hartfeldschule. Foto: Sadler

In Enzberg werde Wechsel auf Realschule oder Gymnasium schwer gemacht – Rektor weist Vorwurf zurück

Mühlacker-Enzberg – In der Enzberger Hartfeldschule ist ein schwelender Konflikt nun offen ausgebrochen. Eltern erheben den Vorwurf, Grundschülern werde der Wechsel auf eine weiterführende Schule schwer gemacht. Rektor Karl Tschödrich bestreitet dies.

VON THOMAS SADLER

Um ihren Kindern möglichst gute Berufschancen zu eröffnen, sind die meisten Eltern daran interessiert, dass ihr Nachwuchs nach der Grundschule das Gymnasium oder zumindest die Realschule besucht. Doch vor dem Wechsel zu einer weiterführenden Schule sind Hürden zu überwinden – mit guten Zensuren.

 Eben was diese Noten angeht, stellt der Enzberger Thilo Dettinger der Hartfeldschule kein gutes Zeugnis aus. Um den Sprung in die Realschule zu schaffen, benötigen die Viertklässler bei einer Reihe von Arbeiten in Deutsch und Mathematik innerhalb etwa eines Halbjahres einen Schnitt von 3,0, um künftig ein Gymnasium zu besuchen gar einen Durchschnitt von 2,5, wobei jeweils auch Heftnoten und die mündliche Leistung im Unterricht in die endgültige Benotung eingerechnet werden. An der Empfehlung, ob ein Kind für eine höhere Schule geeignet ist, seien letztlich, so Hartfeldschulrektor Karl Tschödrich, alle Lehrer, die die betreffenden Schüler in einem Fach unterrichten, beteiligt.

 Nach Ansicht von Thilo Dettinger, dessen Tochter in Enzberg die vierte Klasse besucht, sind die Viertklässler in diesem Stadtteil benachteiligt. Gerade in leistungsstarken Klassen fielen die Klassenarbeiten, vor allem in Mathe, schwieriger aus als in anderen Schulen in Mühlacker oder den Stadtteilen. „Die Mehrheit der Eltern“, sagt er, vermuteten, der Hartfeldschule sei daran gelegen, dass möglichst viele Grundschüler hier bleiben anstatt einen höheren schulischen Bildungsweg einzuschlagen. Dass in anderen Schulen im Stadtgebiet mehr Kinder auf die Realschule oder aufs Gymnasium wechseln als von der Hartfeldschule, habe ihm das auf ihn zugekommene Südwestfernsehen bestätigt, bei dem gestern Abend in der Landesschau ein Bericht zu diesem Thema auf dem Programm stand.

 Er werde von etlichen anderen Eltern unterstützt, wobei manche „einen Rückzieher gemacht haben, weil sie Nachteile für ihre Kinder befürchten“. Dettinger selbst bleibt hart. Mittlerweile hat er sich auch an Stefan Mappus, den aus Enzberg stammenden Vorsitzenden der CDU-Landtagsfraktion, gewandt. Dettingers Appell an Mappus: landesweit standardisierte Prüfungsaufgaben oder Klassenarbeiten im Zusammenhang mit einer Empfehlung für weiterführende Schulen einführen. „Jeder soll die gleichen Chancen haben“, definiert der Enzberger sein Ziel. Und wenn schon nicht in ganz Baden-Württemberg, so sollte doch zumindest innerhalb von Mühlacker Gleichheit beim Anspruch der verschiedenen Tests herrschen.

 Schulleiter Karl Tschödrich weist die Vorwürfe zurück. Die Hartfeldschule halte sich an ein „ganz genau vorgeschriebenes Verfahren“. Nach seinem Kenntnisstand habe es bei den Zahlen der zu weiterführenden Schulen wechselnden Grundschülern in den letzten fünf Jahren keine nennenswerten Unterschiede zwischen Enzberg und anderen Stadtteilen oder der Kernstadt gegeben. Abweichungen gebe es höchstens – und zwar generell und schulunabhängig – von Jahr zu Jahr.

 Bei den Hartfeldschullehrern für Deutsch und Mathematik handle es sich in beiden Fällen um „erfahrene“ Grundschulpädagogen. Auch was die angeblich zu harten Mathe-Arbeiten angeht, widerspricht er. Sie seien hinsichtlich ihres Schwierigkeitsgrads „im Bereich dessen, was vorgeschrieben ist“. Er wolle nun aber die Tests mit früheren, landesweit gleichen Arbeiten – die inzwischen abgeschafft worden sind – vergleichen.
 „Das Thema kocht um diese Zeit jedes Jahr hoch – nicht nur in Enzberg“, relativiert Tschödrich. Indes sei auch bei einer nicht erteilten Empfehlung für einen Wechsel auf Realschule oder Gymnasium noch nicht das letzte Wort gesprochen. In diesem Fall gebe es die Möglichkeit, dass sich ein Schüler von einem Lehrer einer anderen Schule beraten und sich dann erneut prüfen lasse. Das Ergebnis werde abermals von mehreren Lehrern beurteilt. Als weiterer Versuch bleibe auch danach noch die zentrale Prüfung in einer vom Schulamt festgelegten Schule.

 Im Übrigen, macht der Schulleiter deutlich, sei es „nicht mein Interesse“, dass möglichst wenige Schüler die Hartfeldschule verlassen. „Wir wollen den besten Bildungsweg finden. Es geht um das Wohl unserer Kinder und der Eltern.“

 Leider erkennen seiner Ansicht nach viele Eltern nicht die Bildungschancen, die ein Hauptschulabschluss eröffne. Mit diesem in der Tasche stünden den Schülern nämlich weitere Bildungswege offen. Am Ende könne ein ehemaliger Hauptschüler einen Abschluss erreichen, der dem eines Realschülers gleichkomme.

Weiterlesen
Wie sieht das Gartenschau-Logo aus?

Wie sieht das Gartenschau-Logo aus?

Mühlacker. In vier Jahren findet in Mühlacker eine kleine Gartenschau statt. Neben etlichen handfesten Projekten, die bis dahin auf den Weg gebracht werden sollen – zum Beispiel der Bau eines… »