Einen Streik möglichst vermeiden

Erstellt: 22. Juni 2006, 00:00 Uhr
Einen Streik möglichst vermeiden Chefarzt Dr. Erhard Kirschbaum von den Enzkreis-Kliniken Mühlacker bei einer Untersuchung. Foto: Archiv

In den Enzkreis-Klinken Mühlacker sind weniger als 50 Prozent der Mediziner gewerkschaftlich organisiert

Mühlacker/Enzkreis – Nach dem Ende des Arbeitskampfes an Universitätskliniken wollen Ärzte nun an den 700 kommunalen Krankenhäusern streiken. Die Geschäftsleitung der Enzkreis-Kliniken geht davon aus, dass das Mühlacker Krankenhaus nicht bestreikt wird. Geschäftsführer Edwin Beckert von der Krankenhausholding: „Ich wünsche mir, dass die Vertragspartner schnell zu einer Lösung kommen und ein Streik vermieden wird.“

VON GERHARD FRANZ

Nachdem der Marburger Bund (MB), die Gewerkschaft der Ärzte, bei den Universitäts- und Landeskliniken eine Tarifeinigung für das ärztliche Personal erreicht hat, fordert der MB auch für die kommunalen Kliniken einen eigenen Tarifvertrag für die Mediziner, der höhere Vergütungen, bessere Arbeitszeitregelungen sowie das Ende kurz befristeter Arbeitsverträge vorsieht. Der MB beklagt sich, dass die Vereinigung kommunaler Arbeitgeberverbände (VKA) nicht auf die Vorschläge eingegangen sei und den allgemeinen für den öffentlichen Dienst geltenden Tarifvertrag TVöD auf die Ärzte übertragen will. Man werde während des Arbeitskampfes eine Notfallversorgung einrichten, kündigen die Verantwortlichen des Marburger Bundes an.

 Knapp die Hälfte der rund 48 Ärztinnen und Ärzte der Enzkreis-Klinken und der Reha Mühlacker sind gewerkschaftlich organisiert, sagte der Chefarzt der Chirurgischen Klinik, Dr. Erhard Kirschbaum, der zur Zeit das Amt des Ärztlichen Direktors der Mühlacker Enzkreis-Kiniken bekleidet. Nach Meinung von Dr. Kirschbaum werden die großen kommunalen Kliniken in den Großstädten ein möglicher Streikschwerpunkt für die Gewerkschaft sein. Die kleineren Krankenhäuser im Land seien davon weniger betroffen, meint der Mühlacker Chefarzt.

 Gestern Nachmittag traf sich der Ärztliche Direktor mit Kollegen in Stuttgart, um die Situation zu erörtern. Noch nicht umgesetzt sei bei den Enzkreis-Kliniken die vom Europäischen Gerichtshof geforderte neue Arbeitszeitregelung für Ärzte. Man sei im Gespräch mit der Geschäftsleitung, sagt Dr. Erhard Kirschbaum auf Nachfrage unserer Zeitung. „Für kleinere Krankenhäuser ist die Umsetzung viel schwieriger als für große Einrichtungen“, macht der Ärztliche Direktor deutlich. Für die Chirurgische Klinik in Mühlacker, die Kirschbaum als Chefarzt leitet, müsse man mit einer personellen Aufstockung von eineinhalb bis zwei Arztstellen rechnen. Betroffen seien auch die anderen Enzkreis-Kliniken, wobei der personelle Bedarf unterschiedlich sei. Dr. Erhard Kirschbaum: „Schwierig sind die Bereiche, wo es um Operationen und Kaiserschnitte geht, also in erster Linie in der Chirurgischen Klinik und in der Frauenklinik.“ Weiterhin gebe es in den Enzkreis-Kliniken so genannte 24-Stunden-Dienste, wobei in diesen Zeiten aber auch Bereitschaftszeiten seien, betont Kirschbaum. „Die Umsetzung der europäischen Arbeitszeitvorgaben haben sich in der Praxis als schwieriger erwiesen, als dies zunächst gedacht worden war.“

 Regionaldirektorin Susanne Jansen, die für die Enzkreis-Kliniken in Mühlacker und Neuenbürg verantwortlich ist, bestätigte, dass Verhandlungen mit den Ärzten schon längere Zeit laufen. „Wir setzen die Vorgaben stufenweise um.“ Bei der Aufsichtsratssitzung der Enzkreis-Kliniken kündigte Geschäftsführer Edwin Beckert (Ludwigsburg) an, dass eine Anhebung der Wochenarbeitszeit von 39 auf 42 Stunden möglich sei. Eine Urabstimmung der gewerkschaftlich organisierten Ärzte habe es bis gestern noch nicht gegeben, berichtete gestern ein Mühlacker Krankenhausarzt, der namentlich jedoch nicht genannt werden wollte. Man werde noch von der Ärztegewerkschaft über Einzelheiten informiert.

 Beim Betriebsrat der Enzkreis-Klinken hatte man gestern noch keine Kenntnis darüber, ob die Ärzte in den Streik treten, so die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Birgit Gräßle gegenüber dem MT.

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