Eine Spaltung der Gesellschaft droht

Erstellt: 29. April 2008, 00:00 Uhr
Eine Spaltung der Gesellschaft droht Warnt vor einer Spaltung der Gesellschaft: Helmut Weißer vom VdK. Foto: Archiv

Arme Rentner, reiche Rentner? Im Enzkreis geht die Schere weit auseinander

Enzkreis – Die Neiddebatte ist entbrannt. Sollen die Renten steigen, während gleichzeitig viele junge Familien kaum über die Runden kommen? Enzkreis-Dezernent Wolfgang Steimer rät zu einer differenzierten Betrachtungsweise: „Den“ Rentner gebe es nicht.

VON GERHARD FRANZ
UND CAROLIN BECKER

 Die Schere zwischen den finanziell gut Situierten und jenen, die auf staatliche Hilfen angewiesen sind, gehe immer weiter auseinander, hat Steimer festgestellt.
 Der Verantwortliche für das Themengebiet Soziales und Gesundheit im Landratsamt Enzkreis belegt seine Aussage mit Zahlen: „Wir haben im Enzkreis eine jährliche Steigerung von 25 Prozent bei den Ausgaben für die so genannte Grundsicherung.“ Immer mehr Menschen müssten soziale Leistungen des Staates in Anspruch nehmen. Die Gründe dafür seien unterschiedlich. Wolfgang Steimer: „Eine wachsende Anzahl hat es während des Berufslebens nicht geschafft, genügend finanzielle Mittel für das Alter bereitzustellen.“ Diese negative Entwicklung werde sich in den nächsten Jahrzehnten noch verstärken.

 Befristete Arbeitsverträge, geringe Stundenlöhne und große Ausfallzeiten trügen ihren Teil dazu bei. Der Enzkreis-Dezernent: „Man kann davon ausgehen, dass die Kommunen in den nächsten Jahren von dieser Situation überrollt werden.“ Im vergangenen Jahr hat der Enzkreis alleine für die Grundsicherung 2,47 Millionen Euro ausgegeben, rechnet Steimer vor. Jährlich ist dabei mit Steigerungen von 25 Prozent zu rechnen.

 Doch auch viele Familien und Alleinerziehende leben am Existenzminimum, wie Hannelore Ruff tagtäglich erlebt. Sowohl als Verwaltungsangestellte in der Diakonischen Bezirksstelle Mühlacker als auch in ihrer ehrenamtlichen Funktion als Helferin im Tafelladen begegnet sie Menschen, die nicht wissen, wie sie bis zum nächsten Geldeingang ihren Lebensunterhalt bestreiten sollen. Unter denjenigen, die bei der Diakonischen Bezirksstelle einen Berechtigungsausweis beantragten, um damit im Tafelladen einkaufen zu dürfen, seien „immer wieder“ auch Rentner. Betroffen seien vor allem alleinstehende Frauen, aber auch Ehepaare, die nur über eine Rente verfügten. Viele der älteren Menschen, die bei der Diakonie um Hilfe nachsuchten, seien ausländischer Herkunft.

 Doch das Gros derjenigen, die sich beispielsweise durch einen Arztbesuch und die dadurch fällige Praxisgebühr in eine Notlage versetzt sähen, machten die HartzIV-Empfänger – Familien und Alleinerziehende – aus. „Für diese Menschen ist es sehr schwierig vorzusorgen, denn 347 Euro Arbeitslosengeld II für Alleinstehende lassen ihnen keinen Spielraum, um noch etwas für später zurückzulegen“, weiß Hannelore Ruff. Wie es dieser zukünftigen Rentnergeneration einmal ergehen werde, wage sie nicht vorherzusagen.

„Die Altersarmut wird deutlich zunehmen“

Helmut Weißer, Vorsitzender des Kreisseniorenrats Pforzheim/Enzkreis und VdK-Vorsitzender in Illingen, warnt indes vor einer Polarisierung zwischen Jung und Alt und führt den Fall einer Frau an, die früher nicht berufstätig gewesen sei, da ihr Mann gut verdient habe. Nach dessen Tod habe sie in höherem Lebensalter noch eine Arbeit annehmen müssen. Nun sei sie auf die Grundsicherung von staatlicher Seite angewiesen. „Dies ist kein Einzelfall“, sagt Weißer. Er rechne damit, dass in den nächsten zehn bis 15 Jahren die Altersarmut deutlich zunehmen werde, sollte sich nichts ändern. Daher schlage er vor, die Rentenerhöhung unterschiedlich ausfallen zu lassen und Menschen mit schmalen Einkünften mehr zu geben. Sollte die Entwicklung verlaufen wie bisher, drohe eine „gesellschaftliche Spaltung“ – Spannungen zwischen den Generationen inklusive.

 Sowohl die junge als auch die ältere Generation hat Johanna Bächle bei der Berechnung der Preise für Theaterprogramm und Vhs-Kurse im Blick. „Die Kurse sind ohnehin sozialverträglich kalkuliert, und auf Theaterkarten erhalten Rentner, aber auch beispielsweise Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger eine Ermäßigung“, berichtet die Leiterin der Mühlacker Volkshochschule. Kindertheatervorstellungen würden so günstig wie möglich angeboten, und für einige Konzerte sei ein Familienticket für 15 Euro zu haben.

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