Eine der Schönsten weit und breit

Erstellt: 29. September 2006, 00:00 Uhr
Eine der Schönsten weit und breit Die neue Mönch-Orgel bietet eine Fülle klanglicher Möglichkeiten. Foto: Becker

Neue Mönch-Orgel in der Pauluskirche Mühlacker wird am 1. Oktober mit Festgottesdienst eingeweiht.

Mühlacker – „Die Orgel ist wunderbar, der Einsatz der vielen Spender hat sich gelohnt.“ Für Dr. Walter Kummer, den Vorsitzenden des Mühlacker Orgelfördervereins, und alle Mitstreiter wird am kommenden Sonntag aus einer Vision klingende Realität, wenn im Rahmen eines Festgottesdienstes die neue Königin der Instrumente in der Mühlacker Pauluskirche eingeweiht wird.

VON CAROLIN BECKER

Die Erkenntnis, dass sich die Regentschaft des alten, zeitgleich mit dem Kirchenbau entstandenen und aufgrund des anfälligen elektropneumatischen Spielsystems ständig reparaturbedürftigen Instruments dem Ende zuneigen würde, führte im März 1998 zur Gründung des Fördervereins, der sich in seiner Satzung das Ziel steckte, „die evangelische Paulusgemeinde Mühlacker bei der Orgelerneuerung finanziell und ideell zu unterstützen“. Das Spendenkonto füllte sich, wozu zahlreiche Aktionen beitrugen. So fand ein „Orgelpfeifen-Kochbuch“ reißenden Absatz und bereitete den Weg für andere kulinarische Ideen. Geld in die Kasse spülten Benefizkonzerte, an denen sich auch Mühlacker Vereine beteiligten, und die Auftritte des Landeshistorikers Dr. Gerhard Raff. Seine Verbundenheit mit der Orgel konnte dokumentieren, wer so genannte Orgel-Zertifikate, später Pfeifen-Patenschaften erwarb. Tagesausflüge, die Teilnahme am Kunsthandwerkermarkt, der Flohmarktladen in der Bahnhofstraße und der Orgel-Shop in der Pauluskirche markierten weitere Schritte auf dem Weg, das musikalische Sorgenkind durch eine neue Orgel zu ersetzen.

„Das Spendenaufkommen war sehr hoch“

„Das Spendenaufkommen war sehr hoch, aber der Preis der Orgel hat sich im Vergleich zur Planung von 1998 natürlich weiterentwickelt“, zieht Dr. Walter Kummer Bilanz. Gut drei Viertel der Kosten habe man inzwischen beisammen, berichtet der Vorsitzende des Orgelfördervereins. Dieser werde so lange weiterarbeiten, bis „in hoffentlich relativ kurzer Zeit“ das finanzielle Ziel erreicht und das Spendenkonto voll sei.

 Musikalisch zahlt sich das Bemühen um Spenden jetzt schon voll aus – sehr zur Freude der Kantorin Christiane Sauter-Pflomm, die das Orgel-Projekt von Beginn an begleitet hat: „Es ist toll, wieder auf einem Instrument zu spielen, bei dem alles funktioniert und man keine Kompromisse machen muss.“ Die 29 Register, verteilt auf zwei Manuale und Pedal, die ihr und den anderen Organisten der Kirche nun zur Verfügung stehen, „bieten viele klangliche und dynamische Möglichkeiten“. Von ätherisch bis sehr kräftig seien dem Ausdruck keine Grenzen gesetzt. Das klangliche Konzept sei an den klassisch-französischen Orgelbau angelehnt und trage auch romantische Züge des relativ nahe gelegenen badisch-elsässischen Gebiets.

Ehrenamtliche Helfer unterstützen Umbau

Hergestellt von der Überlinger Firma Mönch, hat die neue Orgel seit Mai dieses Jahres Einzug in die Pauluskirche gehalten. Der Wunsch der Gemeinde, die Sicht auf die Rosette in der Westwand frei zu lassen, veranlasste die Orgelbauer zu einer asymmetrischen Anlage des Instrumentes. Eine große Herausforderung, da der Kirchenraum streng symmetrisch ausgerichtet ist. Die Idee eines Pfeifenturms vor der Emporenbrüstung brachte die Lösung. Umgestaltet wurde – auch unterstützt von vielen ehrenamtlichen Helfern – die gesamte Empore, auf der jetzt so viel Platz zur Verfügung steht, dass Kirchenchor, Posaunenchor und Orgel dort miteinander musizieren können. Saß der Organist früher im hinteren Bereich der Empore, so ist das Spielpult nun vorne und leicht schräg angebracht. „Die Akustik hat sich dadurch verändert, die Orgel klingt jetzt direkter, was man beim Registrieren beachten muss“, lautet Christiane Sauter-Pflomms Eindruck. Seit Beginn der Sommerferien seien die Arbeiten so weit abgeschlossen gewesen, dass die Organisten der Gemeinde sich mit dem Instrument hätten vertraut machen können. „Jetzt sind wir fit für die Einweihung“, blickt die Kantorin auf den Festgottesdienst am Sonntag voraus.

 Die Vorfreude auf das Instrument sei schon während der Aufbauarbeiten bei vielen Menschen zu spüren gewesen. „Auch Kinder und Jugendliche haben sich für die Orgel interessiert“, berichtet Christiane Sauter-Pflomm. Mit Recht, wie sie meint. „Unsere Orgel ist eine der schönsten weit und breit und wird eine Ausstrahlungskraft über den Raum Mühlacker hinaus entwickeln“, ist sich die Kantorin sicher.

Weiterlesen

Verwaltung will kleine Gartenschau

Stadtverwaltung will vier Angebote für Erstellung eines Entwicklungsprojekts einholen – Thema in AusschussMühlacker (ts) – Die Stadt Mühlacker soll sich um die Realisierung eines Grünprojekts – einer „kleinen Gartenschau“ – bewerben…. »