Einbrecher wüten in der Faustschule

Erstellt: 28. Dezember 2011, 00:30 Uhr
Einbrecher wüten in der Faustschule Schulleiterin Heidi Bopp nach dem Einbruch in ihrem Büro: Die Tragetasche, die für den Polizeiberuf wirbt, haben die Täter beim Durchwühlen der Räume auch gefunden, aber vorsichtshalber nicht mitgenommen. Fotos: Goertz

Knittlingen. Hausmeister Norbert Gratzel ahnte schon Schlimmes, als er gestern Morgen bei einem Routinerundgang Einbruchsspuren an der Eingangstür und der Tür zum Rektorat feststellte. Ein zweiter Blick bestätigte die schlimmsten Befürchtungen: Im Rektorat haben die Täter alles durchwühlt und unter anderem drei Computer, einen Laptop und einen Beamer mitgehen lassen. Zwei Monitore und eine Tastatur sind zudem Opfer ihrer Zerstörungswut geworden. Auch ein Tresor gehörte zu ihrer Beute. „Der war aber leer“, berichtet Schulleiterin Heidi Bopp, die gestern eigentlich einen Ferientag genießen wollte, dann aber aus allen Träumen gerissen wurde. „Das ist bereits der dritte Einbruch in kurzer Zeit“, klagt die Schulleiterin. „Schon 2008 und im Mai 2009 wurde bei uns eingebrochen.“ Wobei jedes Mal ein großer Schaden entstanden sei.

Das ist auch diesmal der Fall. Die Polizei schätzt den Wert der geraubten Gegenstände auf knapp 5000 Euro. Viel schwerer fällt der Sachschaden ins Gewicht: laut Polizei knapp 10000 Euro. So sind beispielsweise die schweren Türen im Rektorat mit brachialer Gewalt aufgestemmt worden. „Die müssen wohl komplett samt Zarge ausgewechselt werden“, glaubt Bürgermeister Heinz-Peter Hopp an Totalschäden. „Ich bin stinksauer“, macht er aus seinem Herzen keine Mördergrube. „Erst der Kupferdiebstahl auf dem Friedhof kurz vor dem Nikolaustag, jetzt über Weihnachten der Einbruch an der Schule. Hier sind immer wieder Täter am Werk, die vor nichts Respekt haben.“

Für die Polizei ist der Knittlinger Fall typisch: „Wenig Beute, dafür hoher Schaden“, bringt es Polizeisprecher Wolfgang Schick auf den Punkt. Und obwohl in Schulen nur wenig zu holen sei, würden sie immer wieder zum Ziel von Einbrechern. Das könnte auch daran liegen, dass sie häufig schlecht gesichert seien.

Dies soll sich allerdings in Knittlingen bald ändern. „Das Maß ist voll“, schimpft Hopp und kritisiert dabei nicht nur die seiner Meinung nach unzureichende Polizeipräsenz in der Fauststadt. „Im Januar werden wir dem Gemeinderat im Rahmen der Haushaltsberatungen ein Alarmsystem und Bewegungsmelder an der Schule vorschlagen.“ Wobei der Vorschlag nicht neu ist. „Nach dem Einbruch 2008 ist das Sicherheitssystem aus Geldgründen gescheitert“, erinnert sich Hopp und fügt hinzu: „Außerdem hat nicht jeder im Gemeinderat die Notwendigkeit eingesehen.“ Zwei Einbrüche später hofft der Schultes jetzt aber auf breite Zustimmung.

Die Polizei hat derweil die Ermittlungen aufgenommen. „Wir haben alle Spuren gesichert“, berichtet Polizeisprecher Schick. Manchmal könnten auch die Methoden einen Hinweis auf die Täter geben, die bei Einbrüchen in Schulen nicht selten aus der Region stammen. „Oft sind ehemalige Schüler Tippgeber oder Täter, weil sie sich in den Schulen auskennen“, weiß Schick aus Erfahrung. Aber im Fall Knittlingen werde die Kriminalpolizei jetzt erst einmal in alle Richtungen ermitteln.

„Es kann gut sein, dass die Täter vorher die Schule genau ausgespäht haben“, vermutete Bürgermeister Hopp, nachdem er gestern bemerkt hatte, dass die Jalousien zum Rektorat so gelockert worden waren, dass mögliche Einbrecher von außen einen Blick in die Räume werfen konnten, um zu sehen, ob dort etwas zu holen sei.

Ob allerdings die Einbrecher die Schrauben aus der Jalousienverankerung gelöst haben, steht noch nicht fest. Fest steht aber, dass sie Nerven hatten und sich offenbar recht sicher fühlten. „Die haben sogar die Schokolade aufgegessen, die in meinem Schreibtisch lag, und das Papier liegenlassen“, sagt Schulleiterin Bopp, die gestern erst einmal den Schaden gesichtet und gleich mit dem Aufräumen angefangen hat. „Wie es aussieht, sind keine Akten geklaut worden“, haben es die Täter anscheinend nur auf Wertgegenstände abgesehen. Darunter fiel auch nicht das Werbematerial für den Polizeiberuf, das Heidi Bopp in ihrem Zimmer hatte. „Bei der Ausbildungsbörse an unserer Schule habe ich eine Tragetasche bekommen, die für eine Ausbildung bei der Polizei wirbt“, erzählt Bopp. „Die haben die Einbrecher auch gefunden, dann aber doch zerknüddelt liegen gelassen.“ Für eine Ausbildung bei der Polizei kommen sie wohl auch kaum infrage. Und trotzdem hoffen alle, dass sie bald Fragen der Polizei nach ihrer Biografie und ihren speziellen Methoden beantworten müssen.

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