Ein „wönziger Schluck“ mit Folgen

Erstellt: 1. August 2011, 23:00 Uhr
Ein „wönziger Schluck“ mit Folgen Die Pennäler treiben in der Feuerzangenbowle mit ihrem Professor Crey so manchen üblen Scherz – etwa mit den vermeintlichen Folgen eines Tropfen Likörs.

Maulbronn. Wer die Verfilmung aus dem Jahr 1944 mit Heinz Rühmann als erfolgreicher Schriftsteller Dr. Johannes Pfeiffer, der nie ein richtiges Gymnasium besucht hatte, weil ihn seine Eltern von einem Privatlehrer unterrichten ließen, in Erinnerung hatte, konnte feststellen, dass die von Wilfried Schröder verfasste Bühnenbearbeitung des 1933 von Spoerl verfassten urkomischen Romans nahe am Original blieb. Die erneute Verfilmung im Jahr 1970 war dagegen eher seicht. Auf dem Podium vor dem Kloster Maulbronn lief dafür eine von Adelheid Müther von den Burgfestspielen Bad Vilbel flott inszenierte, pralle Komödie ab, die den Zuschauern von der ersten Szene an Vergnügen bereitete.

Als die von der Feuerzangenbowle beflügelte Fantasie der lustigen Herrenrunde tolle Kapriolen schlug, beschlossen die angesehenen Bürger in Berlin, dass ihr Mitglied Dr. Johannes Pfeiffer unbedingt ein echtes Gymnasium besuchen müsste, um verstehen zu können, worüber sie selbst Jahrzehnte nach ihrem Schulabschluss noch in wieherndes Gelächter ausbrechen, wenn sie an ihre Lehrer zurückdenken. Auch ihrem Dr. Pfeiffer wünschten sie derartiges lebenslanges Vergnügen.

Also meldet er sich als Hans Pfeiffer aus Berlin im Gymnasium eines verschlafenen Provinzstädtchens an, wird dort in die Oberprima mit dem Ziel aufgenommen, demnächst sein Abitur zu machen. Niemand ahnt, wer dieser sympathische junge Mann ist, der aber seine Mitschüler, noch mehr jedoch seine Lehrer in Erstaunen versetzt, weil er ohne jede Mühe sogar schwierigste Mathematik-Formeln erklären kann. Nur ausgerechnet in Deutsch bekommt er, der geachtete Schriftsteller, schlechte Noten, denn, so attestiert ihm der trottelige Professor Crey, „Ihnen fählt die nötige sittliche Reife“.

Mit Professor Crey treiben Pfeiffer und seine Mitschüler schlimme Streiche, etwa nach dem Genuss nur „eines wönzigen Schlucks“ des von ihm selbst gefertigten Heidelbeerlikörs. Dagegen ist bei ihnen der gutmütige Lehrer Bömmel vor derben Scherzen seiner Schüler ziemlich sicher. Und dann ist da noch die junge Studienreferendarin und Rektorentochter Eva Knauer, welche auf die jungen Burschen elektrisierend wirkt. Doch nur dem Oberprimaner Pfeiffer gelingt es, sogar ihr Herz zu gewinnen. Das Ende dieser unübertrefflichen Komödie ist bekannt: Pfeiffer löst sein Inkognito auf und wird der Schwiegersohn des Gymnasialdirektors Knauer.

Eine putzmuntere Inszenierung brachten die Burgfestspiele Bad Vilbel in die Klosterstadt und ernteten damit viel freudigen Applaus. Vor allem aber war es das 14-köpfige Ensemble, das mit spürbarer Lust am komödiantischen Spiel seine Rollen ausführte. Tilmar Kuhn als Dr. Johannes Pfeiffer gestaltete seine Rolle jungenhaft locker und sehr sympathisch. Herrlich komisch waren Hans-Jörg Frey als der ehrenkäsige und doch auch so komische Professor Crey und Jens Wachholz als Lehrer Bömmel, der mit dem berühmten Satz „Da stellen wir uns erst mal janz dumm“ auch die schwierigsten Probleme einer praktikablen Lösung näher brachte. Alexandra Finder als kecke Eva Knauer, die dem Oberprimaner Pfeiffer den Kopf verdrehte, fügte sich mit Koketterie und Charme in das fröhliche Spiel ein. Allen weiteren Ensemblemitgliedern gelangen ebenfalls treffliche und perfekte Charakterisierungen ihrer Bühnenfiguren. Da merkte man gar nicht, dass die Vorstellung inklusive Pause immerhin drei Stunden dauerte.

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