Ein waschechter Enzberger

Erstellt: 28. April 2009, 00:00 Uhr
Ein waschechter Enzberger Willkommen in Enzberg: Gastgeber Ingo Daur (5. v. re.), Stadtrat Theo Bellon (2. v. re.) und Oberbürgermeister Arno Schütterle (4. v. li.) begrüßen die Gäste aus Mühlheim, die sich auf eine Exkursion „Zu den Ursprüngen des Adelshauses Enzberg im Enzkreis“ aufgemacht haben. Fotos: Filitz

Freiherr persönlich führt Reisegruppe aus seiner „neuen“ Heimat Mühlheim an die Wurzeln seiner familiären Traditionen

Noch vor 150 Jahren wäre es wie ein Lauffeuer durch den Flecken gegangen: „Die Herrschaft kommt!“ – und vielleicht hätten die Untertanen winkend für den Freiherrn von Enzberg am Straßenrand Spalier gestanden.

Von Eva Filitz

Doch die Zeiten ändern sich, und so rollte am Samstagvormittag kein Sechsspänner, sondern „nur“ ein blauer Reisebus in die Enzberger Ortsmitte, dem 31 Besucher aus Mühlheim entstiegen – darunter Dr. Nikolaus Horst-Dieter Wilhelm Freiherr von Enzberg, der die Reisegruppe leitete. Die Volkshochschule Tuttlingen hatte die Fahrt unter dem Titel: „Zu den Ursprüngen des Adelshauses Enzberg im Enzkreis (Kloster Maulbronn, Burg Löffelstelz)“ als Exkursion in ihr Programm aufgenommen.
 Oberbürgermeister Arno Schütterle und Ingo Daur, Organisator des Treffens vor Ort, begrüßten die Gruppe; Stadtrat Theo Bellon und einige weitere Enzberger Bürger hatten sich ebenfalls eingefunden. Neben geistiger Nahrung in Form von Informationen über Enzberg und die Burgruine Löffelstelz gab es zum Empfang erst mal eine Laugenbrezel zur Stärkung. Ingo Daur hatte sie frisch vom Bäcker besorgt und stieß mit der Aktion auf breite Zustimmung der Gäste, die wegen eines Staus bei Leonberg drei Stunden für ihre Reise zu den historischen Wurzeln gebraucht hatten.

 Ingo Daur, ein profunder Kenner der Heimatgeschichte, stellte den Besuchern den Ort Enzberg vor und schilderte seine „freiherrliche“ Vergangenheit. Nachdem zu Beginn des 14. Jahrhunderts die Burg auf dem Burgberg vom Pfalzgrafen Ruprecht I. geschleift worden war, war das Adelsgeschlecht an die Donau gezogen, wo es nun seit 600 Jahren ansässig ist. Ein kurzer Gang hinauf zur ehemaligen Burg und dann zurück durch die alten Gassen bis zum Rathausplatz beendete den kurzen, aber informativen Enzberger Aufenthalt. Zur Erinnerung überreichte Ingo Daur jedem einen kleinen Teller mit Zeichnungen von Alt-Enzberg. Bereits seit 1938 hat es immer wieder in loser Folge Kontakte zwischen den Enzberger Enzbergern und den Mühlheimer Enzbergern gegeben; so auch zur 900-Jahrfeier von Enzberg.

 Da das Geschlecht von Enzberg mit den Herren von Dürrmenz verwandt war, war das nächste Ziel die Löffelstelz. Adelheid Teschner, Leiterin des Mühlacker Heimatmuseums, berichtete über diese einst mächtige Schildburg und deren erfolgreiche Sanierung mithilfe der ehrenamtlichen „Scherbabuzzer“. Teschner hatte mittelalterliche Utensilien wie Harnisch, Helm und Eisenhandschuh mitgebracht, was zu allerlei Späßen führte. Brustpanzer und Helm wollte der Freiherr dann doch nicht anlegen, auch hat er den Fehdehandschuh nur spaßeshalber angezogen.
 Da die Herren von Enzberg zugleich auch Schutzvögte des Klosters Maulbronn waren, ist die ehemalige Zisterzienserabtei ebenfalls ein Markstein in des Freiherrn Familiengeschichte. Nach einem Mittagessen im „Nachtwächter“ in Lienzingen ging die Fahrt, vorbei an blühenden Obstbäumen, in die Klosterstadt, wo bereits ein Führer wartete. „Heute kann ich mich wieder in Maulbronn blicken lassen“, scherzte der Freiherr, von Beruf studierter Historiker. Seine Vorfahren waren dort wohl nicht so gern gesehen, aber auch die Rittersleut‘ hätten sich ja geändert: „Heute sind Forstwirte, Ärzte, Juristen und kaufmännische Berufe in unserer Familie vertreten.“

 Wie war das nun, für ein paar Stunden auf den Spuren seiner Vorfahren zu wandeln? „Es war ein schöner Tag, die freundliche Aufnahme wird uns in Erinnerung bleiben, und die Verbindung wird im Jahr des 600-Jahr-Jubiläums von Mühlheim sicherlich nicht abreißen.“ In einem kulturhistorischen Buch habe er kürzlich gelesen, die Geschlechter von Niefern, Dürrmenz und Enzberg seien ausgestorben. Aber, sagte der Freiherr, der lange in Norddeutschland gelebt hat und nur diesen einen Satz auf Schwäbisch kann: „Mir lebet noch!“

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