Ein Lebensretter auf Abruf

Erstellt: 28. November 2006, 00:00 Uhr
Ein Lebensretter auf Abruf Vom Pflaster bis zur Beatmungsmaske Ein Rucksack, der im Notfall Leben retten kann: Der „Helfer vor Ort“ in Sternenfels, Alfons Völler (l.), und Dr. Thomas Haalboom vom Maulbronner Ortsverband des DRK gewähren Einblick in die Spezial-Ausrüstung. Foto: Garhöfer

Alfons Völler vom DRK sorgt in Sternenfels ehrenamtlich für schnelle Hilfe in der Not

Sternenfels – Alfons Völler ist in ständiger Bereitschaft: Als „Helfer vor Ort“ sorgt der 60-jährige Sternenfelser im Auftrag des Deutschen Roten Kreuzes dafür, dass Unfallopfer oder schwer Kranke umgehend versorgt werden. Denn im Notfall zählt jede Minute.

VON ANDREA GARHÖFER

Im Falle des Falles scheint die Zeit, bis Hilfe kommt, ewig – und in Sternenfels manchmal sogar noch etwas länger. Denn hier zeigt sich das ähnliche Phänomen wie in Knittlingen (das MT hat berichtet).

 Die Gemeinde liegt direkt an der Grenze des DRK-Kreisverbandes Enzkreis. Von Mühlacker aus, wo der Rettungswagen stationiert ist, dauert die Fahrt in die Stromberggemeinde mindestens zehn Minuten, vorausgesetzt, der Wagen ist sofort einsatzbereit. „Soweit verfügbar, kann natürlich auch der Rettungswagen aus Bretten hierher geschickt werden, aber Zeit für die Anfahrt wird so oder so gebraucht“, stellt Dr. Thomas Haalboom vom Maulbronner DRK-Ortsverein fest. Um die Zeit bis zur Erstversorgung der Patienten so kurz wie möglich zu halten, hat das DRK die Initiative „Helfer vor Ort“ ins Leben gerufen.

 Dahinter stehen ehrenamtliche Mitstreiter, die auf eine entsprechende Alarmierung hin die Erstversorgung von Patienten bis zum Eintreffen von Notarzt oder Rettungswagen übernehmen. „In Maulbronn haben wir dieses System bereits. Dort gibt es sieben Helfer, die sich den Bereitschaftsdienst teilen und pro Jahr zu etwa 80 Einsätzen gerufen werden“, erklärt Dr. Haalboom weiter. Und in Sternenfels, wo die DRK-Helfer dem Maulbronner Ortsverein angegliedert sind, übernimmt diesen Dienst seit Juni Alfons Völler – bisher noch als „Einzelkämpfer“.

 Dabei ist der 60-Jährige fast das, was man einen „Muster-Helfer vor Ort“ nennen könnte: flexibel, engagiert und vor allem hervorragend ausgebildet. Als gelernter Krankenpfleger kam Völler vor zehn Jahren zum Deutschen Roten Kreuz. Heute ist er Bereitschaftsführer im Ortsverband Oberderdingen, führt als Leiter verschiedene Erst-Hilfe-Schulungen durch und bildet sich selbst regelmäßig bei Kursen und Seminaren weiter.

 Wenn sein Piepser Alarm schlägt, schnappt Völler in Windeseile seinen Spezial-Rucksack und „rückt aus“. „Vom Pflaster bis zum Sauerstoff, Beatmungsmasken oder Infusionen – alles dabei“, beschreibt er seine Ausrüstung. Für insgesamt zehn Einsätze in Sternenfels wurde er bislang alarmiert. „Dabei handelte es sich um internistische Notfälle wie Asthmaanfälle genauso wie um häusliche Unfälle wie beispielsweise Stürze mit offenen Wunden“, berichtet er.

 „Was, Sie sind schon da?“: Diesen gleichermaßen erstaunten wie erleichterten Ausruf hat Alfons Völler schon öfter gehört. „Generell ist es so, dass die Angehörigen sehr froh und erleichtert sind, wenn ich als Helfer vor Ort komme, denn viele Leute sind im Notfall einfach unsicher“, so seine Erfahrung. Bis die Profis im Rettungswagen kommen, kann Alfons Völler schon wichtige, manchmal lebensrettende Maßnahmen einleiten. Doch es gab auch schon Fälle, in denen jede Hilfe zu spät kam.

 „Das belastet sehr, deshalb ist es wichtig, dass sich unsere Helfer vor Ort nicht nur zu den regelmäßigen Fortbildungen, die Pflicht sind, sondern auch zum Erfahrungsaustausch und zum Reden treffen“, sagt Dr. Thomas Haalboom. Er freue sich über den Einsatz von Alfons Völler, erklärt der Maulbronner und blickt dabei schon in die Zukunft: „Dies könnte die Keimzelle für eine Wiederbelebung der Rot-Kreuz-Arbeit in Sternenfels sein. Auf jeden Fall würden wir uns über weitere Menschen freuen, die ins Helfer-vor-Ort-System einsteigen wollen.“

 Eine schwierige, aber auch lohnende Aufgabe, meint Alfons Völler: „Man muss in Sekundenschnelle die richtigen Entscheidungen treffen, denn es geht um Menschen, und es geht manchmal um Leben oder Tod. Aber das Gefühl, geholfen zu haben, entschädigt für alles.“

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