„Ein Kunstrasen ist die einzige Lösung“

Erstellt: 29. Dezember 2011, 00:30 Uhr
„Ein Kunstrasen ist die einzige Lösung“ Das Sportgelände von Phönix Lomersheim vom Burgstumpen in der Turmstraße aus gesehen: Links befinden sich Clubheim und Trainingsfeld, rechts das Spielfeld für Punktspiele, das jedoch im Gegensatz zum Trainingsfeld über kein Flutlicht verfügt. Ganz am rechten Bildrand befindet sich noch eine kleine Rasenfläche, die zwar beleuchtet werden kann, jedoch nur für Kinderspiele taugt.

Mühlacker-Lomersheim. Ein Blick auf das Lomersheimer Sportgelände reicht, und die Misere wird offensichtlich. Das Trainingsfeld ist in einem traurigen Zustand. Holprig und ramponiert präsentiert sich der Rasen, braune Lücken klaffen zwischen grünen Grasbüscheln. Dabei hat der Verein erst im vergangenen Frühsommer für viel Geld 100 Tonnen Sand und Humus in den Rasen eingearbeitet. „Wir versuchen jedes Jahr im Mai, den Platz hochzupäppeln. Dann ist er maximal ein halbes Jahr in erträglichem Zustand“, verdeutlicht Fußball-Abteilungsleiter Gerd Thieme das Problem.

Elf Jugendteams mit zusammen etwa 400 Kindern und Jugendlichen und natürlich die Aktiven-Mannschaften setzen dem Rasen beim Training zu. „Jeden Abend trainieren bei uns 50 bis 60 Jugendliche. Dementsprechend sieht der Platz aus, er ist kaum noch bespielbar.“ Zusätzliches Problem: Nur das Trainingsfeld direkt beim Clubheim verfügt über ein Flutlicht, das Spielfeld, wo die Punktspiele der Bezirksliga stattfinden hingegen nicht. So ist in der dunklen Jahreszeit von November bis März kaum noch ein geordnetes Training möglich. Der Rasen ist tief und holprig, Spielzüge und technische Feinheiten lassen sich darauf kaum üben – von der Verletzungsgefahr gar nicht zu reden.

„Dieses Jahr geht es noch einigermaßen, weil es im Herbst lange trocken und mild war. Die letzten beiden Jahre aber war unser Trainingsplatz im Januar nicht bespielbar“, erklärt Thieme. Ein Nachteil auch für die Bezirksliga-Elf. „Wir sind einer der wenigen Vereine in der Liga ohne Kunstrasenplatz. Die Mannschaft weicht deshalb im Winter manchmal in Soccerhallen aus oder macht Waldläufe. Je nach Wetterlage startet sie dann mit einer mehr oder weniger guten Vorbereitung in die Rückrunde.“

Im Gemeinderat Rolf Leo von den Freien Wählern hat der Verein einen Fürsprecher gefunden. Täglich vier Stunden Trainingsbetrieb, dazu am Wochenende etliche Verbandsspiele hielten die beiden Rasenplätze nicht ohne dauerhafte Beschädigungen aus, argumentierte Leo in einem Antrag an den Gemeinderat. „Nachdem sich die Ausweisung eines weiteren Spielfeldes jenseits des Hochwasserdammes zerschlagen hat, bietet sich als einzige Lösung des Dilemmas nur an, einen der beiden Plätze als Kunstrasenplatz anzulegen“, findet Leo. Seinem Antrag, die Stadt möge Angebote einholen, um die Kosten abzuschätzen, Zuschussmöglichkeiten von Sportverbänden prüfen, etwaige Finanzmittel aus dem kommunalen Sportförderplan ausloten und schließlich einen Finanzierungsplan vorlegen, stimmte der Gemeinderat in der Sitzung vor Weihnachten zu. Gerd Thieme wagt derweil eine erste Daumenpeilung.

„Inklusive Umzäunung und Barrieren könnte ein solcher Kunstrasen etwa 400000 bis 500000 Euro kosten“, schätzt der Fußball-Abteilungsleiter des TSV Phönix. Nach dem meist üblichen Finanzierungsmix – ein Drittel von der Stadt, ein Drittel vom Sportverband, ein Drittel vom Verein – müsste der TSV Phönix folglich zwischen 160000 und 180000 Euro aufbringen. „Das wäre schon ein Betrag, der den Verein auf Jahre hinaus drücken würde. Das muss man sich gut überlegen“, mahnt Thieme und hofft auf die Großzügigkeit der Stadt: „Vor einigen Jahren hat man einen Trainingsplatz in Lienzingen angelegt, dann das Sportgelände in Großglattbach gerichtet, und schließlich das neue Gelände in Enzberg gebaut. So kommt eben jeder mal an die Reihe“, weiß Thieme sehr wohl, dass die Stadt Mühlacker nicht allen Vereinen gleichzeitig Projekte finanzieren kann. Jedoch hat er Argumente: „Wir sind der größte Fußballverein der Stadt und machen ein Stück weit Sozialarbeit. Wir betreuen zeitweilig mehr Jugendliche als im Jugendhaus.“ Nicht zuletzt hat Phönix in Eigenleistung und aus eigenen Mitteln die Umkleidekabinen in der Festhalle renoviert.“

Aus dem Rathaus kommen positive Signale, wenngleich Oberbürgermeister Frank Schneider der Argumentation Thiemes nicht in allen Punkten folgen will: „Bei jedem Verein gab es unterschiedliche Ansätze. In Enzberg etwa war uns die Verlagerung des Sportgeländes ein Anliegen, um das Gewerbegebiet zu arrondieren. Insofern will ich die Projekte in den Stadtteilen nicht miteinander vergleichen. Seitens der Stadt wollen wir alle Vereine gleich behandeln, auch wenn unsere finanziellen Mittel begrenzt sind.“ Immerhin aber macht Schneider den Lomersheimern, für deren Leistung in der Jugendarbet er große Anerkennung zollt, ein Stück weit Hoffnung: „Es gibt einen Bedarf bei Phönix, und wir werden unser Bestes versuchen, einen Kunstrasen zu ermöglichen.“

Weiterlesen

Phönix kann auf fast den ganzen Kader bauen

Mühlacker-Lomersheim. Die Hinrunde in der Bezirksliga ist um, und das Fazit von Phönix Lomersheim fällt gemischt aus. „18 Punkte, achter Platz, da hätte ich vor der Saison sofort eingeschlagen. Obwohl… »