Ein Jubiläum mit Böllern und Raketen

Erstellt: 31. Juli 2006, 00:00 Uhr
Ein Jubiläum mit Böllern und Raketen Farbenspiel: Illumination für ein altehrwürdiges Gemäuer. Foto: Kollros

Gewerbeverein feiert auf der Burg Löffelstelz

Mühlacker – Mit seinen 100 Jahren kommt der Mühlacker Gewerbeverein als jung gebliebener Jubilar daher. Am Samstagabend war es dem Verein vorbehalten, als erste Organisation in der sanierten Burgruine Löffelstelz zu feiern. „Damit kommt Ihnen eine besondere Ehre zu“, sagte Stadtoberhaupt und „Burgherr“ Arno Schütterle.

VON NORBERT KOLLROS

Just am Jahrestag seiner Vereinsgründung anno 1906 konnte der offiziell als „Gewerbe-, Handels- und Verkehrsverein“ (GHV) firmierende Dachverband der örtlichen Gewerbetreibenden im Beisein vieler Gäste seinen Geburtstag feiern. Nicht nur ein Großteil der Mitglieder waren mit ihren Angehörigen gekommen, auch Gäste aus der Politik – von Bundes- und Landesparlamentariern bis hin zu Stadträten sowie dem Amtsleiter des Arbeits- und Sozialministeriums, Thomas Halder – konnte der GHV-Vorsitzende Stefan Klumpp im Burginnern begrüßen. Auch die Präsidentin des Landesverbands des Bundes der Selbständigen, Dorothea Störr-Ritter, war vom Südbadischen an die schwäbisch-badische Nahtstelle gekommen.

 Für Oberbürgermeister Schütterle stellt der GHV einen der „besonders prominenten Vereine“ dar, der wichtige Interessen seiner Mitglieder bündele. Gerade im wirtschaftlichen Leben seien 100 Jahre ein „Zeitraum umwerfender Ereignisse“, begleitet von industrieller Revolution und geprägt von vielen Betriebsgründungen. Diese Firmen seien „Impulsgeber für die Stadt“ gewesen, und der GHV habe diese Entwicklung mit begleitet.

 Insbesondere in den Nachkriegsjahren habe der Gewerbeverein rasch die Zeichen der Zeit erkannt und frühzeitig Gewerbeschauen ausgerichtet und die Senderstadt so in den Mittelpunkt des wirtschaftlichen Geschehens im gesamten Landkreis gerückt. Über die Jahrzehnte hinweg sei der GHV für seine Mitglieder ein wichtiger Ratgeber und Begleiter gewesen, gab sich Schütterle überzeugt. „Hut ab!“ gelte derweil in jüngster Vergangenheit für die erfolgreiche Einführung der MühlackerCard, mit der sich über 50 Einzelhändler und Dienstleister „unheimlich schnell einig gewesen“ seien. Die Partnerschaft zwischen Stadt und GHV sei von einem Miteinander und keineswegs von einem Gegeneinander geprägt, machte der OB deutlich.

 Zu einem Loblied auf den Mittelstand stimmte „an diesem schönen Veranstaltungsort“ BdS-Präsidentin Störr-Ritter an. Der Mittelstand beweise Stabilität, ermögliche Wohlstand und fördere die Wirtschaftskraft einer Kommune. Es seien also die Selbständigen, die dafür sorgten, dass sich vor Ort etwas bewege. Auf dem politischen Parkett würde freilich die Große Koalition die Interessen der Mittelständler behindern. Demnach müssten neue Rahmenbedingungen die Serie von Betriebsaufgaben stoppen und bürokratische Hemmnisse abgebaut werden. „Es ist die Summe der Dinge, die uns belasten und dem Unternehmer seine Freiheit nimmt.“ Einen ganz konkreten Punkt gab die Präsidentin den Politikern mit auf den Weg, nämlich die Regelung im Rundfunkstaatsvertrag auszusetzen, wonach Internet-fähige Bürocomputer künftig mit einer Rundfunkgebühr belegt werden.

 Die Politik solle sehen, wie Firmenchefs für die Kultur ihrer Selbstständigkeit kämpfen würden, wie sie Verantwortung tragen würden und Risiken auf sich nähmen. Sie wünsche sich, so Störr-Ritter einen Monat nach der Fußball-WM, dass wie bei der Nationalelf der Klinsmann’sche Gedanke umgesetzt werde und „wir irgendwann auch mal wieder auf dem wirtschaftlichen Sektor Weltmeister werden“.

 Ihre stetige Bereitschaft, Marktnischen aufzuspüren und zu besetzen, sei das Funktionsmodell der mittelständischen Wirtschaft, erklärte Thomas Halder aus dem Sozialministerium. Dank einer guten Entwicklung der Wirtschaft im Südwesten, weise das Land ein hohes Niveau im sozialen- oder auch im Bildungsbereich auf. Um diesen Stand zu halten, bedürfe es unbedingt mehr Beschäftigung. Was den geforderten Bürokratieabbau betreffe, munterte er seine Zuhörer auf, „uns beziehungsweise unserem eigens eingesetzten Ombudsmann entsprechende Hinweise zu geben“. Wobei Bürokratieabbau aber auch von der Bundesregierung eingefordert werden müsse.

 Gastgeber Stefan Klumpp stellte in seiner Rede das gemeinsame Bemühen aller Gewerbetreibenden in den Vordergrund, Kaufkraft in Mühlacker zu binden. Dazu gehörten verkaufsoffene Sonntage samt Märkten ebenso wie neuerdings die MühlackerCard. Die Branchenvielfalt der Akzeptanzstellen zeige einerseits, dass es in Mühlacker alles für den täglichen Bedarf gebe und zudem der Kunde mit Dankeschön-Punkten belohnt werde.

 Dass sich der GHV auch für die Sanierung der Burg Löffelstenz engagiert habe, unterstrich Klumpp mit der Übergabe eines 2000-Euro-Schecks an OB Schütterle. Diese Summe kam durch den Verkauf von Benefiz-Tassen zusammen.

 Zum Abschluss des Festabends machte der GHV aber auch der Allgemeinheit noch ein Geschenk: Über der Burg wurde ein farbenprächtiges Feuerwerk abgebrannt, das viele tausend Schaulustige in den Bereich Dammweg/Enzvorland lockte. Dort veranstalteten zudem die Sportfreunde Mühlacker eine zünftige Hocketse, die das Warten aufs Feuerwerk und die versuchsweise neue Burgbeleuchtung verkürzte.

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