Ein Gegenpol zu importierten Geistern

Erstellt: 3. November 2008, 00:00 Uhr
Ein Gegenpol zu importierten Geistern Pfarrer Karl Frank (r.) alias Martin Luther stellt neue Thesen vor. Foto: Appich

„Church Night“ zum Reformationstag in der Lienzinger Peterskirche – Pfarrer schlüpft in die Rolle Martin Luthers.

Mühlacker-Lienzingen – Bundesweit haben am Freitag mehr als 650 evangelische Kirchengemeinden die „Church Night“ gefeiert und sich an den Jahrestag des Thesenanschlags erinnert.

VON RAINER APPICH

Eine dieser Veranstaltungen fand in der Peterskirche in Lienzingen statt. Nicht für jeden ist der 31. Oktober der Tag von Halloween. Für die evangelischen Christen ist es der Reformationstag. Als Gegenpol zu dem importierten Halloweenbrauch beteiligten sich einige Gemeinden im Kirchenbezirk an der „Church Night“ – darunter auch die evangelische Kirchengemeinde Lienzingen. Rund 80 evangelische Christen feierten am Reformationstag einen Gottesdienst der besonderen Art. Martin Luther stand im Mittelpunkt des Abends. Mehr als 400 Jahre, nachdem er seine 95 Thesen an das Kirchenportal der Schlosskirche von Wittenberg genagelt hatte, trat der Reformator in Person von Pfarrer Karl Frank vor die Gemeinde in Lienzingen. „Kirche muss sich immer neu reformieren“, betonte der Seelsorger und stellte den Gottesdienstbesuchern vier neue Thesen zur Wahl.

 „Jesus hat uns beauftragt, Menschen zu ,seinen Jüngern‘ zu machen. Das ist mehr als kirchliche Betreuung. Es meint:  Menschen für Gott gewinnen und einen Lebensstil einüben, der sich an dem von Jesus orientiert“: Auf diese These entfiel die Mehrheit der Stimmen. Damit lagen die Christen in der Peterskirche genau im Trend. Auch landesweit gingen diese Worte als Sieger hervor. Die Gottesdienstbesucher erlebten Interviews mit dem Reformator. Sequenzen aus dem Spielfilm „Luther“ machten die Zweifel und die innere Zerrissenheit des Reformators, aber auch seine Standfestigkeit vor dem Reichstag zu Worms deutlich. Standfestigkeit, die auch heute nicht einfach ist. „Wer nicht unsere Klamotten trägt, gehört nicht zu unserer Gruppe“, stellten Jungschar und Konfirmanden szenisch dar, wie schwierig es ist, gegen den Strom zu schwimmen.

 Zwischendurch sang das Chörle unter der Leitung von Esther Schroth moderne sakrale Lieder. „Ein schöner, abwechslungsreicher Gottesdienst“, resümierte Kirchengemeinderat Horst Borrmann.

 Auch junge Menschen hatte die „Church Night“ in die Peterskirche gezogen. „Das ist mir lieber als Halloween“, sagte Kathrin Schill aus Mühlacker. Ähnlich sah dies auch Franziska Beck. „Ich mag Halloween gar nicht“, erklärte die 15-jährige Lienzingerin. Sie sei auch als Kind nicht durch den Ort gezogen, um „Süßes oder Saures“ zu fordern. Dem Gottesdienst schlossen sich ein gemütlicher Treff im Dachstuhl der Kirche und die Vorführung des kompletten Kinofilms von Eric Till in der Kirche an.

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