Ein C-Jugendspiel wird zum Fall für die Polizei

Erstellt: 24. Oktober 2006, 00:00 Uhr
Ein C-Jugendspiel wird zum Fall für die Polizei Vorbild? Auch längst nicht jeder Erwachsene hat sich beim Fußball im Griff. Foto: p

Eklat in Zaisersweiher: Junge Akteure und erwachsene Zuschauer geraten aneinander – Schiri: Die Hemmschwelle sinkt

Auf den Fußballplätzen geht es nicht immer friedlich zu. Handgreiflichkeiten bei einem C-Jugendspiel – die Akteure sind zwölf bis 14 Jahre jung – sind allerdings noch die Ausnahme. Nach den unrühmlichen Vorkommnissen am vergangenen Samstag in Zaisersweiher ist deshalb die Ratlosigkeit groß.

VON MAIK DISSELHOFF

Wie immer, wenn es richtigen Ärger gibt, gehen anschließend die Darstellungen über die Ursache und die Hauptschuld weit auseinander. Nicht anders verhält es sich nach der Jugendpartie SpVgg Zaisersweiher gegen Viktoria Enzberg, die – wie schon kurz berichtet – sogar die Polizei auf den Plan gerufen hat. Was mit Unfairness auf dem Spielfeld begann, eskalierte danach im Umkleidetrakt weiter. Und eines scheint klar: Ganz und gar unschuldig sind die erwachsenen Beteiligten am Eklat nicht.

 Thilo Dettinger, F-Jugend-Trainer des FC Viktoria Enzberg und am Samstag Zaungast des C-Jugend-Spiels, schildert die Vorkommnisse aus seiner Sicht: Fünf Minuten vor Schluss – Enzberg lag mit 4:2 in Front – sei ein Akteur der Viktoria wegen eines Foulspiels vom Platz gestellt worden. Weil er zuvor von seinem Zaisersweiherer Gegenspieler übel beleidigt worden sei, habe er sich drohend vor dem Kontrahenten aufgebaut. Folgte ein Kopfstoß? Die Platzherren sagen ja und der Schiedsrichter sagt ja – während die Enzberger meinen, ihr Spieler haben den anderen nicht berührt. Jedenfalls gab es Rot für den Jugendspieler und die Emotionen, beschreibt es Thilo Dettinger, „kochten hoch“. Zumal auch das Spiel eine Wende nahm und kurz vor dem Abpfiff Zaisersweiher noch zum 4:4 ausglich.

Ungeklärte Episode im Kabinentrakt

So weit, so schlecht. Doch nun ging das Fußballspiel in seine Verlängerung – mit gegenseitigen Beleidigungen unter Jugendspielern und erwachsenen Betreuern und Zuschauern. Nachdem sich die Wogen zwischenzeitlich geglättet haben, ist offenbar eine weitere Episode im Kabinentrakt gefolgt, deren tatsächlicher Verlauf wiederum kaum aufzuklären ist. Dettinger berichtet von einem Hilferuf des vom Platz gestellten Spielers, der sich in die Kabine verabschiedet hatte. Von Seiten der Gastgeber heißt es wiederum, der Heranwachsende habe in den Umkleiden randaliert. Enzberger behaupten, erwachsene Männer aus Reihen der SpVgg hätten den Jugendspieler attackiert. Der Jugendleiter aus Zaisersweiher jedoch verwahrt sich gegenüber unserer Zeitung gegen den Vorwurf, er habe zum Schlag ausgeholt. „Ich habe den Jungen, der voll aufgedreht war, nicht angefasst.“ So erzählt jeder etwas anderes, doch es deutet sich doch zumindest an, dass sich in der allgemeinen Aufregung um die hitzige Jugendpartie auch nicht jeder Erwachsene mit Ruhm bekleckert hat.

 Jedenfalls musste irgendwann die Polizei anrücken, um die Gemüter zu beruhigen. Um die Aufgabe, die Verwicklungen zu klären und die Verantwortlichkeiten aufzudecken, sind die Beamten nun nicht zu beneiden. „Die Ermittlungen sind in solchen Fällen nicht einfach, weil es unterschiedliche Angaben gibt“, sagt Polizeisprecher Rüdiger Schroth. In aufwändigen Zeugenbefragungen werde versucht zu ermitteln, wer wann was gesagt und getan hat. Klar ist aus Sicht der Polizei: Es hat Beschimpfungen, Beleidigungen und Rangeleien gegeben. „Es ist aber niemand ernsthaft verletzt worden“, sagt Schroth. Auch sei keine Anzeige erstattet worden.

 Im Übrigen muss sich der Polizeisprecher wundern. Zwar seien Auseinandersetzungen, verbale Konflikte und auch Handgreiflichkeiten bei Fußballspielen keine Seltenheit, doch in der betreffenden Altersgruppe „ist das schon außergewöhnlich“.

Unparteiische klagen: Es wird immer schlimmer

Eckhart Streckfuß freilich wundert sich nicht. Der erfahrene Schiedsrichter und Trainer, vom Mühlacker Tagblatt stellvertretend um eine Einschätzung gebeten, wundert sich über nichts mehr. „Es wird immer schlimmer“, hat er festgestellt.

 Sowohl im Aktivenbereich wie auch beispielsweise bei der A-Jugend sinke die Hemmschwelle –  unter anderem wenn es um Drohungen gegen den Unparteiischen geht – immer weiter, so der Schiedsrichtereinteiler. „Wenn es nicht so läuft wie gewünscht, fällt es vielen immer schwerer, sich zusammenzureißen“, sieht Streckfuß den Fair-play-Gedanken in akuter Gefahr. Nicht zuletzt führe das zu einem massiven Nachwuchsproblem in der Schiedsrichtergilde. Jeden Sonntag aufs Neue Druck zu verspüren und sich gegebenenfalls von Jugendspielern und dazu noch von den Betreuern und Eltern am Spielfeldrand beleidigen zu lassen, das erscheint nicht vielen wirklich erstrebenswert.

 Was Experten und Beobachter mit einigem Erschrecken feststellen: Wenn es schon bei Jugendspielen heiß hergeht, sind häufig die erwachsenen Zuschauer die schlechten Vorbilder. So war es offenbar auch am Samstag, wenngleich die Ausgangslage wiederum unklar ist. Thilo Dettinger behauptet: „Die Zuschauer aus Zaisersweiher haben die Stimmung von außen hereingetragen.“ Aber gleichzeitig räumt er ein: „Unsere Seite hat natürlich auch verbal dagegengehalten.“

Weiterlesen
Unter Schmerzen zum DM-Triumph

Unter Schmerzen zum DM-Triumph

Bielefeld (pm/eig). Bei Deutschen Taekwondo-Meisterschaften ist Roxana Nothaft eine Bank. Bei ihrer neunten Teilnahme an einer DM gab es nun auch den neunten Titel; diesmal in der Jugend in der… »