Ehrgeizig, schnell und taktisch klug

Erstellt: 30. April 2011, 00:00 Uhr
Ehrgeizig, schnell und taktisch klug Fünf- bis sechsmal wöchentlich trainiert Karina Mantai im Illinger Clubheim mit dem Olympiasieger Wladimir Resnitschenko. Foto: Eigner

Karina Mantai hat als erste Fechterin des SV Illingen das Ticket zu einer Deutschen Meisterschaft gelöst

Erst vor zwei Jahren hat Karina Mantai beim SV Illingen mit dem Fechten begonnen. Mit viel Trainingseifer und einem ehemaligen Weltklasse-Fechter als Trainer hat sich die Zwölfjährige nun für die Deutschen Meisterschaften qualifiziert. Das war zuvor keinem Illinger Fechter gelungen.

Von Steffen-Michael Eigner

Illingen. Es klirrt und scheppert. Ein schlankes, fast zierliches Mädchen in Blütenweiß stößt mit dem Degen immer wieder auf einen Mann in schwarzer Lederkluft ein, der die Kommandos gibt. Die Klingenspitze trifft die Brust, den Arm, das Handgelenk des Trainers fast nach Belieben. Es geht mit Tempo rauf und runter, die ganze Länge des Saales. Die Gesichter sind durch schwarze Masken unkenntlich, bis beide schließlich atemlos innehalten und den Gesichtsschutz abnehmen. Lange blonde Haare auf der einen, ein fast kahl rasierter Kopf auf der anderen Seite und zwei strahlende Lachen kommen zum Vorschein.

 Fast jeden Abend treffen sich Karina Mantai und Wladimir Resnitschenko mittlerweile im Clubheim des SV Illingen, um zu trainieren. „Fünf- bis sechsmal pro Woche“, plaudert die Zwölfjährige. Resnitschenko trainiert die Fechter des SV Illingen seit knapp zwei Jahren und ist im weltweiten Fechtsport beileibe kein unbeschriebenes Blatt.

„Die Turniere machen mir am meisten Spaߓ

 Der Sohn einer Russin und eines Kubaners gewann 1988 in Seoul Olympia-Bronze mit dem Degen-Team der UdSSR. 1990 wechselte er zum FC Tauberbischofsheim, wurde deutscher Staatsbürger und holte 1992 Team-Gold bei den Olympischen Spielen in Barcelona. Neben Resnitschenko gehörten damals Arnd Schmitt, Uwe Proske, Robert Felisiak und Elmar Borrmann zur siegreichen deutschen Equipe.

 Wladimir Resnitschenkos neue Musterschülerin hat erst vor zwei Jahren mit dem Fechten begonnen. „Da brauchen wir nicht so viel durch die Gegend fahren wie beim Fußball“, sagte Uwe Mantai damals zu seiner Frau. Denkste! Er konnte ja nicht ahnen, welcher Ehrgeiz in seiner Tochter Karina schlummert. Backnang, Pliezhausen, Laupheim und Heidenheim heißen nun die Fahrziele. Egal, wo die Zwölfjährige in der laufenden Saison zu einem Turnier der Landesrangliste antrat, stets landete sie unter den Top-Ten. Bei den Württembergischen Meisterschaften der B-Jugend (U14) in Ditzingen wurde sie Siebte.

 „Ich wollte eine Sportart machen, wo man auf Turniere gehen kann. Die Turniere machen mir am meisten Spaß, da hab’ ich Ehrgeiz“, erklärt Karina Mantai. Die Wahl fiel auf Fechten, auch weil ihre Eltern mit Gerhard Maulick, dem Ehrenvorsitzenden des SV Illingen und Gründer der Illinger Fechtabteilung, befreundet sind. Dank ihrem Trainingseifer hat die Zwölfjährige in punkto Technik und Dynamik die Konkurrentinnen aus Degen-Hochburgen wie Heidenheim, Laupheim oder Schwenningen längst eingeholt, obwohl einige von Karina Mantais Altersgenossinnen schon fünf Jahre länger auf der Planche stehen.

 „Beim Degenfechten muss man schnell sein und taktisch klug“, betont Karina Mantai, während ihr Vater sich nur noch wundert. „Sie spielt ja auch Saxofon, und das gar nicht schlecht“, sagt Uwe Mantai, der beim Musikverein Illingen als Jugendleiter fungiert. Doch seit einiger Zeit hat Karina nur noch Fechten im Kopf, zum Sommerferien-Fechtcamp in Tauberbischofsheim ist sie auch schon angemeldet. „Dieser Ehrgeiz, diese Zielstrebigkeit – ich frage mich schon, woher sie das hat“, rätselt Uwe Mantai. Einer meint die Antwort zu kennen: der Vorsitzende des SV Illingen. „Das hat sie von ihrem Onkel“, behauptet Edgar Mantai und fügt mit einem schelmischen Grinsen in Richtung seines jüngeren Bruders hinzu: „Ich war schon immer sportlicher als Uwe.“

 Immer weiter kletterte Karina Mantai während der vergangenen Monate in der württembergischen U14-Rangliste nach oben, mittlerweile liegt sie an neunter Position. In der vergangenen Woche flatterte dann die Nachricht des Württembergischen Fechterbundes in den Briefkasten: Karina Mantai ist für eine Deutsche Meisterschaft nominiert; das war zuvor noch keinem Fechter des SV Illingen gelungen. Am 14. Mai werden die nationalen Titelkämpfe der B-Jugend (Jahrgänge 1997 und 1998) in Marktredwitz in der Oberpfalz ausgetragen.

 „Das war eigentlich immer mein großes Ziel, einmal bei einer DM dabei zu sein. Dass ich das so schnell schaffe, hab’ ich auch nicht gedacht, Jetzt muss ich mir wohl ein neues Ziel suchen“, verrät Karina Mantai. „Wie wär’s mit den Olympischen Spielen?“, fragt Resnitschenko. „Warum nicht?!“, entgegnet Karina und strahlt. Im Clubheim wird es dann wohl weiterhin scheppern und klirren.

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