Dürrmenzer fordern: Rettet die Kanne!

Erstellt: 25. Oktober 2006, 00:00 Uhr
Dürrmenzer fordern: Rettet die Kanne! Ungeklärte Zukunft: Den Dürrmenzern liegt der weitere Werdegang der Kanne und ihres Saals am Herzen. Foto: Archiv

Pläne türkischer Interessenten sorgen für Unruhe – Bürger wollen Initiative für die Traditionsgaststätte gründen

Mühlacker – Die Kanne als muslimischer Gebetssaal oder als türkischer Hochzeitssaal? Bitte nicht!, sagt der Dürrmenzer Stadtrat Rolf Leo und spricht sich im Zweifelsfall für einen „Zwischenerwerb“ der Dürrmenzer Gaststätte durch die Stadt aus.

VON THOMAS EIER

Im Grundsatz sind sich die Fraktionen im Mühlacker Gemeinderat mit der Stadtverwaltung, den Stadtplanern und den Experten der für die Sanierung zuständigen Kommunalentwicklung LEG Baden-Württemberg einig: Im alten Herzen von Dürrmenz wird sich zu einem großen Teil der Erfolg des Sanierungsprogramms entscheiden. Mit der seit längerem leer stehenden Kanne und dem so genannten Schuler-Komplex gibt es hier zwei ebenso markante wie schwierige Objekte, die einer neuen Nutzung harren. Und aus Sicht der Dürrmenzer müssen in beiden Fällen falsche Weichenstellungen unter allen Umständen vermieden werden. „Gerade die Kanne liegt den Menschen sehr am Herzen“, bestätigt der Dürrmenzer Stadtrat Rolf Leo.

 Doch nicht nur seine Freien Wähler wünschen sich dringend einen Durchbruch im alten Ortskern, auch anderen Fraktionen passiert zu wenig. So drücken auch SPD und CDU aufs Tempo, wollen die Bemühungen um eine Lösung verstärken beziehungsweise fordern von der Stadtverwaltung, die mitten im Verfahren für einen neuen Bebauungsplan steckt, neue Zwischenberichte und vollen Einsatz für die Sanierung in Dürrmenz. Andererseits sind im Ortskern auf engstem Raum mehrere Privateigentümer mit im Boot, von deren Mitwirkung vieles abhängt. Der Leiter des städtischen Bau- und Planungsamts, Winfried Abicht, ließ erst unlängst gegenüber dem Mühlacker Tagblatt durchblicken, dass sich die Verhandlungen über einen Aufkauf von Flächen durch die Stadt nicht zuletzt wegen unterschiedlicher Preisvorstellungen nicht immer einfach gestalten.

 Ein Sonderfall ist die Kanne. Der Eigentümer Jürgen Meeh gerate, wie Rolf Leo gestern erneut unterstrich, zunehmend unter Druck. Nachdem sich der Besitzer seit vier Jahren vergeblich bemüht habe, einen Käufer beziehungsweise Investor mit dem richtigen Konzept zu finden, müsse es für die Stadt darum gehen, gegebenenfalls mit einem „Zwischenerwerb“ weitere Zeit zu gewinnen. Derzeit, weiß der Stadtrat zu berichten, gebe es nur noch zwei ernsthafte Interessenten türkischer Herkunft für die Kanne, die hier einen Gebetssaal beziehungsweise einen Hochzeitssaal planten.

 Die Dürrmenzer und die dortigen Stadträte könnten sich mit anderen Vorschlägen schneller anfreunden. So hatte in der jüngeren Vergangenheit neben einem renommierten Pforzheimer Gastronom auch die Karlsruher Privatbrauerei Hoepfner, die in Mühlacker ein neues Standbein für Erlebnisgastronomie sucht, das Dürrmenzer Objekt in Augenschein genommen. Eine endgültige Entscheidung des Unternehmens, das zwischenzeitlich auch das Umfeld der Löffelstelz und die dortige Burggaststätte im Blick hatte, steht dem Vernehmen nach noch aus. Die Hoffnung in Dürrmenz deshalb: Dass sich doch noch ein Käufer findet, der die Kanne gemäß ihrer alten Tradition als kulturelles und bürgerschaftliches Zentrum neu belebt.

 Aus der Sorge heraus, die Gaststätte samt Saal könnte in die falschen Hände fallen, hätten ihm gut 50 Dürrmenzer signalisiert, bei Bedarf mit einer Bürgerinitiative „Rettet die Kanne!“ für das Kernstück des Ortsteils einzutreten, berichtet Leo. Ein erster Aufruf an Interessenten, sich dafür aktiv einzubringen, könnte schon am kommenden Samstag, bei der Abschlussparty der Kleinkunstbühne „theater in der kanne“ erfolgen, vermutet der Stadtrat.

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