DSL-Anschluss in greifbarer Nähe

Erstellt: 29. November 2006, 00:00 Uhr
DSL-Anschluss in greifbarer Nähe Bürger stehen Schlange, um Gesellschafter zu werden und den Weg für DSL freimachen. Foto: Hansen

111 Bürger unterschreiben in Schützingen Vertrag – 24 Zusagen haben am Montagabend noch gefehlt

Illingen – Am Montagabend haben Bürger in der Festhalle Schlange gestanden, um Gesellschafter bei der T-DSL für Schützingen GbR zu werden. Nach der Info-Veranstaltung unterschrieben auf Anhieb 111 Personen den Vertrag und verpflichteten sich damit sogleich verbindlich, ihren ersten DSL-Anschluss bei der Telekom zu ordern.

VON ISABEL HANSEN

Noch fehlten 24 Zusagen damit der 100000 Euro teure Ausbau der Datenautobahn realisiert werden kann. Bis kommenden Montag ist noch Zeit, die Mindestzahl zu erreichen, sonst zusammen platzt das DSL-Geschäft mit der Telekom.

 Bevor die Schützinger mit DSL-Hochgeschwindigkeit ins Internet gehen können, müssen rund 100000 Euro in den Ausbau des Glasfaserkabel-Netzes gesteckt werden. Mit einer Finanzspritze von maximal 40000 Euro beteiligt sich die Gemeinde an den Kosten. Den Rest von 60000 Euro investiert das Telekommunikationsunternehmen, vorausgesetzt 135 Teilnehmer beziehen Internet und Telefon für mindestens zwölf Monate über die Telekom.

 Mit der Unterschrift unter den Gesellschaftervertrag wird aus den Absichtserklärungen, von denen die Bürgerinitiative um Fritz Glaser jr., Rainer Glaser und Bernd Huber im Vorfeld knapp 190 zusammengetragen hat, eine verbindliche Zusage. „Bei einem Zuschuss von 40000 Euro will der Gemeinderat auf Nummer sicher gehen, dass nicht die Hälfte der Interessenten auf einmal abspringt und die Kosten an der Gemeinde hängen bleiben. Mit der Gesellschaft bürgerlichen Rechtes haben wir ein Modell gefunden, mit dem wir dieses finanzielle Risiko ohne Kaution absichern können. Die Bürger müssen zeigen, dass sie den DSL-Anschluss wollen“, betonte Bürgermeister Harald Eiberger.

 Eindringlich warnte er Trittbrettfahrer, sich auf Kosten der Gemeinschaft aus der Verantwortung zu ziehen, andere unterschreiben zu lassen und darauf zu spekulieren, dass sie später ohne eigenes Engagement DSL buchen können. „Die Abstimmung für den finanziellen Zuschuss im Gemeinderat war messerscharf. Nicht jeder ist traurig, wenn 40000 Euro in der Kasse bleiben“, appellierte Eiberger an die Bürger aus Schützingen, sich jetzt keine Blöße zu geben. „Mit DSL-Anschluss hätten wir einige Baugrundstücke in Schützingen verkaufen können“, unterstrich er die Bedeutung der Zukunftstechnologie für den Wert von Immobilien. „Davon profitieren alle Hausbesitzer.“
 Das Prinzip des Gesellschaftervertrags erläuterte Fachanwalt Dr. Torsten Halwas aus Pforzheim: „Die Gesellschafter verpflichten sich gegenseitig, einen DSL-Anschluss für zwölf Monate bei der Telekom zu buchen. Zu welchen Tarifen und Konditionen, kann jeder einzelne entscheiden, wenn der DSL-Anschluss tatsächlich steht.“ Am Rechenexempel verdeutlichte der Experte, die Folgen für den Einzelnen, falls die Teilnehmerzahl schrumpft. „Sollte jemand aus wichtigen Gründen – beruflicher Umzug, Krankheit oder sogar Tod – ausscheiden und die GbR am Laufzeitende nur 132 statt 138 Gesellschafter haben, müssen die verbliebenen Gesellschafter den entstandenen Fehlbetrag von 1350 Euro mit einer Aufzahlung von jeweils 10,23 Euro ausgleichen.“
 Genau 111 Namen zählte die Gesellschafterliste nach der Info-Veranstaltung. Der Originalvertrag liegt noch bis Montag, 4. Dezember, im Autohaus Glaser in Schützingen zur Unterschrift aus. Bis zu diesem Termin muss die Mindestzahl von 135 erreicht sein.
 Die Möglichkeiten, die das Komfortplus im Internet bietet, spiegelten die Pläne der Besucher wider. Claus Späth, Juniorchef von der Gaststätte Krone, will beispielsweise den Online-Hotelservice ausbauen: „Reservierungen, Anfragen – das läuft heute alles über Internet.“ Der werdenden Mutter Yvonne Kieffer ist wichtig, dass sie durch einen schnellen Anschluss die Chance hat, ihren Arbeitsplatz teils nach Hause zu verlegen. „Mit DSL hätte ich die technischen Voraussetzungen.“

 Der 29-jährige Volker Hetzel und der 36-jährige Frank Hasenauer wollen den PC in ihrer Freizeit nutzen: „Spiele, Filme und Musik runterladen. Bei Online-Auktionen mitmachen“, zählen sie auf. Und sogar die 80-jährige Dora Gienger gehört zur DSL-Gesellschaft: „Meine Tochter kommt oft zu Besuch“, erklärt die Seniorin. Sie will mir zeigen, wie das Internet funktioniert.“

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