Drogenprojekt soll nicht sterben

Erstellt: 5. Juni 2009, 00:00 Uhr

Im vorigen Jahr 136 Jugendliche beraten – Ende Juli läuft das Bundesprogramm „JAMES“ aus – „Trägerstruktur optimieren“

Die Bundesfördermittel für das Projekt „JAMES“ – Hilfe für jugendliche Ausländer und Migranten mit Rauschgiftproblemen – laufen aus. Immer mehr junge Menschen, vor allem Türken, haben sich an die Drogenstreetwork gewandt. Sie soll fortgesetzt werden.

Von Thomas Sadler

Mühlacker. Zurzeit seien für die mobile Jugendsozialarbeit in Mühlacker – die Drogenstreetwork, die allgemeine Streetwork und die Betreuung jugendlicher Spätaussiedler – drei Träger aktiv: die Stadt, der Verein „Miteinander leben“ und die Aktionsgemeinschaft Drogen, zählt Richard Cassutti, Leiter des Amtes für Bildung und Kultur, auf. Ab 1. August sollen, um „die Trägerstruktur zu optimieren“, nur noch zwei Träger das Heft in der Hand haben: „Miteinander leben“ und die AG Drogen.

 Am 31. Juli endet das Programm „JAMES“, das von der Pforzheimer AG Drogen mit zwei Halbtagsstellen in Mühlacker betrieben wird. Bislang übernimmt das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge das Gros der Kosten, den Rest steuert die AG Drogen bei. Die Förderung aus Berlin fällt demnächst flach, doch die Drogenstreetwork soll fortgeführt werden. Vorgesehen ist, dass die Kommune 60 Prozent der jährlichen Personalkosten von circa 45000 Euro für eine Stelle in der (Drogen-)Streetwork übernimmt, während der Enzkreis für 40 Prozent der Ausgaben aufkommt.

 Durch die Streetwork sollen in Not geratene junge Menschen „aufgefangen werden“, beschreibt Cassutti die Aufgabe der Helfer. Diese widmen sich der Cliquen- und Gruppenarbeit und nehmen sich einzelner Problemfälle an, die nicht unbedingt mit Drogen zu tun haben müssen. „Wenn eine 19-Jährige schwanger ist, zuhause rausfliegt und ihre Lehre nicht antritt, kann die Streetwork eingreifen“, nennt Cassutti ein Beispiel. Auch junge Menschen, die ihre Arbeit verlieren und womöglich obdachlos werden, brauchen Hilfe.

 Die mobile Jugendsozialhilfe trage nachweisbar Früchte, meint der Amtschef. Während früher junge Russlanddeutsche durch Alkoholexzesse und Aggressivität auffielen, habe sich das Problem heute deutlich entschärft. Gründe seien zum einen die Betreuung über das Konzept Soziale und berufliche Integration von jugendlichen Spätaussiedlern (Sobit), das die Stadt laut Vorschlag der Verwaltung mit 1000 Euro im Jahr bezuschussen soll, und zum anderen der simple Umstand, dass nicht mehr so viele Spätaussiedler zuwanderten.

 Trotz des überdurchschnittlich hohen Ausländeranteils – ungefähr jeder fünfte Mühlackerer habe einen Migrationshintergrund – gebe es in der Stadt nicht mehr Schwierigkeiten mit diesen Jugendlichen als in anderen Gemeinden, so Cassutti.

 Dank der präventiven Sozialarbeit, des Anti-Aggressionstrainings der Polizei an den Schulen und nicht zuletzt wegen des Einsatzes des privaten Sicherheitsdienstes habe sich die Situation rund um den Enzberger Bahnhof, wo eine Zeit lang türkischstämmige Jugendliche für Aufregung sorgten, entspannt. Auch der Mühlacker Bahnhof, die Spätaussiedler-Hütte auf dem Areal Lienzinger Tor und die Drehscheibe seien keine Brennpunkte mehr.

 Das Migranten-Projekt „JAMES“ erreichte im vorigen Jahr über Einzelfallhilfe 136 junge Menschen. Insgesamt registriert die soziale Einrichtung für 2008 853 Beratungen in ihren Räumen im Wertle –  wesentlich mehr als noch 2007, als bei 585 Treffen 110 jungen Leuten geholfen wurde.

 Auffällig sei, dass die Zielgruppe immer jünger werde. 2008 machten die 21- bis 26-Jährigen mit 36,1 Prozent und die 18- bis 20-Jährigen mit 30,1 Prozent den größten Anteil aus. Drei Viertel der Besucher sind Männer. Die größte Gruppe mit 54 Personen stellten die Türken, gefolgt von 25 Italienern und 19 Spätaussiedlern.

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