Drei Smilies für eine starke Leistung

Erstellt: 30. November 2006, 00:00 Uhr
Drei Smilies für eine starke Leistung Katrin Leicht hat leichtes Spiel und sahnt mit einem Lächeln beim Test die volle Punktzahl ab. Foto: Jahn

Rund 90 Illinger Schüler absolvieren in der Stromberghalle einen Kinderturn-Test:

Katrin Leicht strahlt über ihre beide roten Bäckchen. Soeben hat die Schülerin der Grund- und Hauptschule Illingen den Kinderturn-Test mit dem Sechs-Minuten-Lauf abgeschlossen. „War super, hat Spaß gemacht“, sagt die Neunjährige, und freut sich über die Höchstpunktzahl, drei Smilies, in ihrem Ergebnisbogen.

VON DOMINIQUE JAHN

Drei Smilies bedeuten: „Du warst klasse!“ Und für die legen sich die Dritt- und Viertklässler der GHRS Illingen kräftig ins Zeug. Denn jeder will beim Kinderturn-Test, den die Schule zusammen mit der Turnabteilung des SV Illingen durchführt, gut abschließen. Der Test gehört zu einer Kampagne, die der Deutsche Turnerbund zusammen mit der Barmer-Krankenkasse bundesweit ins Leben gerufen hat.

 Er wurde vom Forschungszentrum für den Schulsport und den Sport von Kindern und Jugendlichen der Uni Karlsruhe unter der Leitung von Dr. Klaus Bös und Susanne Bappert entwickelt. Der Test soll die motorischen Stärken und Schwächen der Kinder aufzeigen. Dafür müssen sieben Stationen durchlaufen werden, die die Bereiche Koordination, Kraft, Beweglichkeit und Ausdauer abdecken.

 Für Katrin Leicht kein Problem. Station eins: Einbeinstand, eine Minute. Ein kleiner Wackler, doch Katrin kann dabei sogar noch lachen. Station 2: Rückwärts auf einer Bank balancieren. Zwei Versuche. Die Neunjährige braucht nur einen. Nicole Kugler vom SV Illingen schaut genau hin. „Hier haben die meisten Kinder Probleme, weil sie in ihrer Freizeit kaum noch Möglichkeiten haben, zu balancieren“, sagt die Turn-Expertin, die das Bewegungsdefizit der Kinder tagtäglich erlebt. „Viele Kids sitzen lieber vor dem Fernseher und Computer, als sich draußen auszutoben.“ Die Folge ist Fettleibigkeit, Bewegungsarmut, keine Kraft.

 Diesem will auch Elisabeth Pollak entgegenwirken. An der GHRS Illingen hat die Sportlehrerin mit ihren Kollegen deshalb schon einige besondere AG’s ins Leben gerufen. Zum Beispiel die Circus-Sport-AG oder das Projekt „Bewegen an Großgeräten“, bei dem die Kinder Höhlen bauen können, das Bergsteiger-Abzeichen machen können, und sich im Urwald-Fluss vor Krokodilen retten müssen. „Die Angebote sind in Illingen sehr gefragt“, weiß Elisabeth Pollak und wendet sich auch der jungen Katrin zu.

 Die ist mittlerweile an Station drei angekommen: Zick-Zack-Sprünge. So viele wie möglich und das in 15 Sekunden. Katrin legt los und ist von den Betreuerinnen gar nicht mehr zu stoppen. „Gut, gut“, rufen sie dazwischen und tragen das Ergebnis in den Wertungsbogen ein. Katrin grinst und marschiert weiter zu Station vier: Beweglichkeitstest. Die Neunjährige muss sich auf eine Bank stellen und so weit wie möglich nach vorne beugen. Katrin reicht mit den Händen über die Bank hinaus. Drei Smilies. An Station fünf wird mit einem Standweitsprung die Schnellkraft getestet. Die Schülerin holt mit den Armen aus und macht einen Riesensatz. „Nochmal?“, fragt sie, und dreht sich zur Betreuerin um. Die nickt. Den zweite Sprung landet sie nicht ganz so weit.

 An der vorletzten Station muss Katrin dann Liegestütze pumpen. Ablegen, Hände auf den Rücken, Liegestütz, mit der einen Hand die andere berühren und wieder ablegen. In 40 Sekunden so viel wie möglich. Katrin muss kämpfen. Die Arme zittern. Doch: Geschafft! „Puh“, schnauft die Schülerin, „das war anstrengend.“ Doch Ausruhen gibt’s nicht. Schnell zur letzten Station: dem Sechs-Minuten-Lauf.

 Katrin ist eine von 90 freiwilligen Schülern, die an diesem Tag den Test durchlaufen. Die ersten Auswertungen ergeben: „Nur wenige Kinder haben Übergewicht“, gibt Ulrike Metzger bekannt. Die meisten haben in dieser Kategorie die volle Anzahl an Smilies. Sehr zur Freude von Nicole Kugler und Elisabeth Pollak, die die Auswertungen aller Kinder an das Institut für Schulsport an der Uni Karlsruhe schicken werden. „Mal sehen, wie wir im Vergleich zu anderen Schulen abschneiden“, ist Elisabeth Pollak gespannt.
 Der Test wird natürlich auch schulintern besprochen. Lehrer und Eltern erhalten eine Rückmeldung. „Vielleicht erobert das ein oder andere Kind ja dann mal wieder mehr Bewegungsräume“, hofft die Sportlehrerin. Katrin hat ihren Bewegungsraum auf jeden Fall noch nicht aufgegeben. Mit einer Urkunde in der Hand geht’s jetzt nach Hause. „Rumtoben“, sagt sie.

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