Drei Fußballer treffen auf ihren Ex-Verein

Erstellt: 18. März 2011, 00:00 Uhr
Drei Fußballer treffen auf ihren Ex-Verein Früher in Rot, nun im blauen Dress: Michael Leimbert spielt mit dem TSV Mühlhausen gegen seinen Ex-Verein. Rund zehn Jahre war Leimbert für Großglattbach am Ball. Foto: Eigner

Mühlhausen ist gegen Großglattbach in der Favoritenrolle

Die Verhältnisse haben sich gedreht. Wenn in den vergangenen Jahren der TSV Mühlhausen gegen den TSV Großglattbach antrat, dann waren stets die Jungs von der Platte Favorit. Diesmal jedoch wäre Großglattbach schon damit zufrieden, einen Punkt aus dem Enztal mitzunehmen.

Von Steffen-Michael Eigner

Mühlacker. Erst drei Jahre ist es her, da spielte der TSV Großglattbach noch in der Kreisliga A. Jetzt geht es darum, den Sturz in die C-Liga zu vermeiden. Es wäre der Tiefpunkt eines langjährigen Trends: 2006 beendete Großglattbach die Saison in der A-Liga auf dem achten Platz, 2007 war man Elfter, doch 2008 folgte mit Platz 13 der Abstieg in die B-Liga.

 Im Jahr darauf wäre um ein Haar der direkt Wiederaufstieg gelungen: Der TSV wurde 2009 Vizemeister, scheiterte im Relegationsspiel erst nach Elfmeterschießen am VfR Sersheim, blieb also B-Ligist – und setzte danach seinen Abwärtstrend fort. 2010 war Großglattbach am Saisonende nur Zehnter. Derzeit liegt die Mannschaft an elfter Stelle und lediglich einen Punkt vor dem Abstiegsrelegationsplatz.

Säulen der Mannschaft sind nacheinander weggebrochen

 Für Frank Schuhmacher liegen die Gründe der Misere auf der Hand. Einige erfahrene Spieler hätten in den vergangenen Jahren ihre aktive Laufbahn beendet, erklärt der zweite Vorsitzende des TSV und nennt Jochen Kuhnle und Ralf Schulte als Beispiele. „Da sind Säulen der Mannschaft weggebrochen“, so Schuhmacher. Die Jugendlichen, die aus dem eigenen Nachwuchs nachkommen, haben zwar zum Teil ebensoviel Talent und Können, doch fehlt ihnen freilich die Erfahrung – und manchmal auch die Zeit.

 Schule, Ausbildung und Studium verhindern manchmal die regelmäßige Teilnahme am Training. „Das merkt man im Spiel an den vielen Abstimmungsfehlern“, sagt Schuhmacher. Die Jugend-Spielgemeinschaft mit dem SV Iptingen führt überdies dazu, dass manches hoffnungsvolle Talent aus der Nachwuchsabteilung sich dem SVI anschließt. „Die stehen im Aktivenbereich derzeit eben besser da“, so Schuhmacher, der die gemeinsame Jugendarbeit mit Iptingen jedoch nicht infrage stellt. „Für einen kleinen Verein wie uns ist Jugendarbeit ja gar nicht mehr anders möglich als mit Spielgemeinschaften.“ Es wohnen eben weder in Großglattbach noch in Iptingen genügend Kinder und Jugendliche, als dass die Vereine jeweils alleine ihre Jugendmannschaften bilden könnten.

 Ein Verlust war für den TSV Großglattbach auch die Trennung von Güngör Topal, der von Sommer 2008 bis zum Frühjahr 2010 als Spielertrainer fungierte. „Er war zweifelsohne eine Stütze der Mannschaft. Technisch versiert und zweikampfstark, konnte den Ball gut behaupten“, betont Frank Schuhmacher. Doch die Vorstellungen über die Zukunftsstrategien des Vereins seien auseinandergegangen, begründet Schuhmacher die Trennung von Topal vor rund einem Jahr.

Für 90 Minuten muss Leimberts alte Liebe ruhen

 Drei ehemalige Mitspieler werden die Großglattbacher am kommenden Sonntag in Mühlhausen treffen. Einer von ihnen ist Michael Leimbert. „Das ist für mich natürlich emotional ein besonderes Spiel. Ich habe schließlich neun oder zehn Jahre für Großglattbach gespielt“, sagt Leimbert, der die Mühlhausener Elf trainiert. Sein Bruder Christian ist hingegen Abteilungsleiter beim TSV Großglattbach. Doch für 90 Minuten muss die alte Liebe ruhen. „Wenn wir ein Tor schießen, werde ich natürlich jubeln“, kündigt Michael Leimbert an. „Ich bin jetzt ein Mühlhausener.“

 Von den beiden anderen Ex-Großglattbachern wird lediglich Mittelfeldspieler Marcus Bögelsack für Mühlhausen auf dem Platz stehen. Dirk Weis hingegen ist verletzt. Er stürmte rund zehn Jahre für Großglattbach unter seinem früheren Nachnamen Trzeciak.

 Ungeachtet des Tabellenstandes sieht Michael Leimbert seine Elf nicht in der Favoritenrolle. „Von den Kadern her ist es ziemlich ausgeglichen. Da schenken wir uns nicht viel“, findet der Mühlhausener Coach und erwartet deshalb ein enges Match. Wie schon im Hinspiel, als erst Großglattbach führte, dann Mühlhausen lange vorne lag, ehe man sich doch 2:2 unentschieden trennte.

 Neben Dirk Weis wird bei Mühlhausen auch Daniel Hefter verletzt fehlen. Fraglich ist außerdem der Einsatz von Stefan Gumsheimer und Marcel Reinhold. Der Großglattbacher Coach Gerd Hausmann ist derweil gute Dinge, seinen gesamten Kader zur Verfügung zu haben. Ein Punkt sei schon drin, glaubt Hausmann. „Aber nicht, wenn wir so desolat und unkonzentriert spielen wie letzten Sonntag.“ Da bezog Großglattbach eine 1:5-Schlappe beim TSV Nussdorf. „Auch wenn wir gute 60 Minuten und 30 schlechte spielen, wird es nicht reichen“, ermahnt Hausmann seine Elf.

 Die Gelegenheit wäre eigentlich günstig, sich etwas Luft im Abstiegskampf zu verschaffen. Denn die derzeit knapp hinter Großglattbach platzierten FC Gündelbach und VfR Sersheim II haben bei den Aufstiegskandidaten SV Iptingen und TSV Nussdorf anzutreten. „Danach schaue ich nicht, wir müssen unsere Punkte selber machen“, winkt Trainer Hausmann ab.

 Jedenfalls sind die Großglattbacher vor dem Auswärtsspiel guten Mutes: „Wir geben nicht auf und wollen wieder raus aus dem Tal. Und ein Derby hat seine eigenen Gesetze. Da ist immer ein Punkt drin – oder sogar drei“, tut der zweite Vorsitzende Frank Schuhmacher kund.

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