Donald badet mit Regenschirm

Erstellt: 30. September 2012, 23:30 Uhr
Donald badet mit Regenschirm Spurensuche im Schlamm des Tiefen Sees: Max (li.) und Tom mit Flusskrebsen.

Maulbronn. Das Kinderlachen ist längst verstummt, keine kreischenden Jugendlichen tummeln sich mehr im See, und kein Schwimmer pflügt durch das Wasser: Die Badesaison an einem der ältesten Naturbadeseen in Baden-Württemberg dem „Tiefen See“, ist beendet. Die Ufer des alten, von den Mönchen des Maulbronner Klosters bereits im 12. Jahrhundert als Fischwasser aufgestauten Gewässers, liegen einsam unter den Bäumen.

Nur einer ist noch geblieben: „Donald Duck“. In seinem blau-weiß gestreiften Matrosenanzug liegt er am westlichen Ufer und genießt die letzten spätsommerlichen Sonnenstrahlen. Tatsächlich badet Donald schon seit vielen Monaten, vielleicht seit Jahren im Tiefen See, und wäre dort nicht gerade das Wasser abgelassen worden, läge er wohl auch in zehn Jahren noch da.

Donald ist aus wetterbeständigem Gummi gemacht und nur eines von vielen mysteriösen Utensilien, die Tom, Max und Domenik Stürmer, drei aus der Jugendgruppe des Angelsportvereins Maulbronn, auf dem Grund des Sees entdeckt haben. Dessen Wasser wurde, wie berichtet, erstmals seit fast 20 Jahren wieder abgelassen, und mit dem abfließenden Wasser kam so manche Überraschung ans Tageslicht; unter anderem eine täuschend echt wirkende Schreckschusswaffe. „Wir haben einen ganzen Taucheranzug mit Schnorchel und Taucherbrille gefunden“, erzählt der elfjährige Tom. Ob die Ausrüstung ebenfalls Donald gehört, ist ungewiss; wie auch die Frage, ob er die vielen leeren Flaschen im See ganz allein ausgetrunken hat.

Klar ist aber, dass der Pechvogel aus Entenhausen in seinem Wassergrab gut ausgestattet war. So standen ihm eine ganze Garnitur an Sitzmöbeln und ein Blumentopf mit einer allerdings nicht mehr sehr dekorativen Zimmerpflanze zur Verfügung. Rätselhaft dagegen, wozu Donald Duck unter Wasser einen großen, bunten Regenschirm brauchte.

„Wir suchen Krebse und Muscheln“, erklären Tom und sein gleichaltriger Freund Max, und heben zum Beweis, dass sich die Badegäste den Tiefen See tatsächlich mit solch skurrilen Wesen teilen, ein kleines, bräunliches Wesen nach oben. „Das ist der amerikanische Flusskrebs, der lebt hier fast unter jedem Stein“, berichten die Freunde. Tatsächlich finden Max und Tom ruck, zuck gleich mehrere der aus Amerika eingeschleppten, anspruchslosen Krustentiere und fast ebenso viele Teichmuscheln.

„Die amerikanischen Flusskrebse sind verantwortlich dafür, dass unser heimischer Flusskrebs fast verschwunden ist“, wissen die beiden Nachwuchsangler. Tatsächlich hat der von einem Sportfischer Ende des 19. Jahrhunderts in der Oder ausgesetzte, aus Nordamerika stammende und bis zu zwölf Zentimeter große Krebs die heimischen Edelkrebsbestände mit der Krebspest infiziert und sie dadurch in vielen Regionen ausgerottet. Eine Krankheit, die der amerikanische Flusskrebs zwar überträgt, gegen die er selbst aber immun ist. „Die Krebse und auch die Teichmuscheln wollen wir am Aalkistensee aussetzen“, berichtet Dominik Stürmer.

Außer Donald Duck, Krebsen, Muscheln und anderen Fundstücken bietet der abgelassene See auch für empfindliche Nasen eine echte Überraschung: ein fauliger, schwefelhaltiger Geruch. Die Ursache: Faulschlamm. „Faulschlamm entsteht häufig an stehenden oder langsam fließenden Gewässern mit baumbestandenen Ufern“, weiß der Landschaftsökologe und Enzkreis-Gebietsbetreuer im Regierungspräsidium Karlsruhe, Peter Zimmermann, und erläutert: „In solchen relativ sauerstoffarmen Gewässern können Mikroorganismen Laub und anderes organisches Material sich nicht mehr vollständig zersetzen“.

Als Folge entsteht eine Schicht aus Faulschlamm, und die stinkt nicht nur, sie wächst auch im Laufe der Jahre.

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