DNA-Abgleich ist Alltag für die Ermittler

Erstellt: 28. März 2009, 00:00 Uhr
DNA-Abgleich ist Alltag für die Ermittler Wichtiges Utensil: Ein simples Wattestäbchen hat der Kriminalpolizei in Mühlacker schon mehr als einmal bei der Klärung von Straftaten geholfen. Foto: Franz

Jährlich werden in der Region etwa 500 Proben von Verdächtigen genommen oder als Tatortspuren gesichert.

Mühlacker/Enzkreis – Die DNA-Analyse ist im Kampf gegen Straftaten unentbehrlich geworden. Daran, sagen erfahrene Ermittler aus der Region, ändert auch eine eventuelle Panne mit verunreinigten Wattestäbchen nichts.

VON GERHARD FRANZ

Kriminaltechniker Rolf Schelling, ausgestattet mit Mundschutz und Handschuhen, demonstriert an einem Messer aus der Asservatenkammer, wie eine DNA-Probe genommen wird. Mit einem Wattestäbchen, das mit einer Trägerflüssigkeit befeuchtet wird, streift er sorgsam über die Tatwaffe. Seine Wattestäbchen, sagt der Mühlacker Kriminaltechniker bei dieser Gelegenheit, stammten von einem anderen Hersteller als jene, die in Zusammenhang mit dem Heilbronner Polizistenmord für Wirbel sorgen.

 In Pforzheim und dem Enzkreis werden jährlich rund 250 Proben von verdächtigen Personen genommen, und die gleiche Anzahl kommt laut Polizeisprecher Wolfgang Schick nochmals bei der Spurensicherung am Tatort zusammen. Mit Hilfe des genetischen Fingerabdrucks seien in der Region zahlreiche Fälle geklärt worden. Jedoch, schränkt Schick ein, sei die DNA-Analyse in der täglichen Arbeit der Schutz- und der Kriminalpolizei immer nur ein Teil der Ermittlungsarbeit, die außerdem weiterhin auf die klassische Spurensuche und die Rekonstruktion von Tatabläufen setze.

 Der Verdacht, es habe in Zusammenhang mit dem Polizistenmord in Heilbronn und der Suche nach der „Phantomfrau“ eine Panne mit kontaminierten Spurenträgern gegeben, habe zunächst keine konkreten Folgen für die Polizeiarbeit in der Region. Schick: „Wir warten ab, was die Untersuchungen im Landeskriminalamt ergeben.“

 Seit den 90er Jahren gehöre die DNA-Analyse bei der Kriminalpolizei zum „Standardrepertoire“, bestätigt Waldemar Großöhmigen, Leiter der Kriminalaußenstelle Mühlacker. Jährlich würden hier 40 bis 50 DNA-Proben zur Erstellung eines genetischen Fingerabdrucks an das Landeskriminalamt Baden-Württemberg oder an die gerichtsmedizinischen Institute versandt. Großöhmigen: „Mit Hilfe der DNA-Analyse konnten wir schon mehrfach Fälle klären und Straftäter überführen.“

 Als ein konkretes Beispiel nennt der Mühlacker Kripo-Chef einen Vorfall vor Jahren am Rande des Mühlacker Straßenfestes, wo ein Mädchen von einem Unbekannten massiv sexuell bedrängt worden war. An der Kleidung des Mädchens seien damals Blutspuren gesichert worden, und der junge Tatverdächtige habe eine kleine Verletzung aufgewiesen. Über die DNA des Blutes sei der Beweis erbracht worden, der keine Ausflüchte mehr zuließ: „Der Täter hat schließlich alles zugegeben.“

 Auch bei dem Tötungsdelikt vom vergangenen Oktober in Lomersheim, wo in einem Mehrfamilienhaus ein 60-Jähriger seine Ex-Frau erstach, seien routinemäßig DNA-Spuren gesichert worden, macht Großöhmigen klar. Obwohl der Fall auf Anhieb klar schien und der Mann gestanden hat, gehörten DNA-Abgleiche bei solchen Kapitalverbrechen zum Standard. Eine größere Einbruchserie im Raum Mühlacker sei ebenfalls dank einer DNA-Spur aufgeklärt worden, berichtet Großöhmigen. Trotzdem würden andere Spuren und Beweise nach wie vor genauso sorgfältig ausgewertet.

 Der neue Leiter der Staatsanwaltschaft Pforzheim, Christoph Reichert, sieht wegen der möglichen Panne längst keinen Anlass, alte DNA-Fälle nochmals neu aufzurollen. Zunächst seien die Resultate der wissenschaftlichen Untersuchungen abzuwarten.

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