DM-Gold mit einer Antiquität

Erstellt: 30. Juli 2012, 23:30 Uhr
DM-Gold mit einer Antiquität Eine Waffe mit Herz und Seele, die keine Fehler verzeiht: Thomas Schulz mit einer Steinschlosspistole, wie sie ab dem Ende des 17. Jahrhunderts gebräuchlich war. Archivfoto: Eigner

Die Weltmeisterschaften der Vorderladerschützen vom 12. bis 19. August in Pforzheim stehen bevor. Doch ausgerechnet Thomas Schulz vom KKSV Illingen wird fehlen, der gerade Deutscher Meister mit der Steinschlosspistole geworden ist. Sein dritter DM-Titel.

Von Steffen-Michael Eigner

Pforzheim/Illingen. Seit einiger Zeit hat der Top-Schütze aus Schützingen Probleme mit dem Handgelenk, was ihn beim Schießen ein wenig behindert. Eine Operation am sogenannten Kapaltunnel ist demnächst notwendig, weshalb Thomas Schulz auf die WM-Teilnahme in Pforzheim, quasi vor der eigenen Haustür, verzichten muss. Bei den Deutschen Meisterschaften an selber Stelle hingegen hat er mit der Steinschlosspistole aufgetrumpft.

Unter 135 Teilnehmern hatte der Schützinger nach 15 Schüssen die beste Bilanz vorzuweisen: 139 von 150 möglichen Ringen standen bei Thomas Schulz zu Buche, und damit exakt ein Ring mehr als die härtesten Kontrahenten Georg Schuchmann (Stuttgart) und Wilfried Kretschmer (Deister) geschafft hatten. Auch hatte neue Deutsche Meister neunmal eine Zehn geschossen, also ins Zentrum der Zielscheibe, getroffen. Bei einer Antiquität wie der Steinschlosspistole, obwohl Schulz einen originalgetreuen Nachbau benutzt, eine herausragende Leistung.

„Eine Steinschlosspistole ist eine Waffe mit Herz und Seele, an dem Ding hat jede Komponente Auswirkungen auf die Schusslage“, erklärt Thomas Schulz und verdeutlicht: „Was für ein Pflaster ich nehme, ob man Wasser, Spucke oder wie ich Bohremulsion als Schmiere verwendet, welche Form der Stein hat, wie er eingespannt ist, wie groß die Kugeln sind – alles wirkt sich auf den Schuss aus.“ Und schon das Laden mit Schießpulver, Trichter, Ladestock und Hammer ist eine Prozedur. „Das ist keineswegs Schachtel auf, Kugel rein, zielen, peng wie bei den modernen Waffen“, unterstreicht Schulz.

Fast scheint es ein Wunder, dass die Schützen im 18. Jahrhundert überhaupt irgendetwas zu treffen imstande waren. Tatsächlich musste auch Thomas Schulz erfahren, wie diffizil seine Waffe ist. Nach den ersten sieben Schüssen – ausnahmslos Zehner – war der Zündstein abgenutzt, Schulz musste ihn auswechseln. Prompt schaffte er mit den folgenden beiden Schüssen nur sieben und sechs Ringe. So wurde es schließlich eng im Kampf um den Titel. Doch es reichte, wenngleich nur drei Ringe den Schützen aus Schützingen letztendlich von Rang zehn trennten.

Für den 51-jährigen Thomas Schulz war es bereits der dritte DM-Titel seiner Laufbahn. Zweimal triumphierte er in den vergangenen Jagren mit der Perkussionspistole, nun also das erste DM-Gold mit der Steinschlosspistole. „Nächstes Jahr mit dem Revolver – wenn alles passt“, sagt Schulz und lacht. In diesem Jahr belegte er in dieser Konkurrenz den achten Platz.

Am Vorderlader-Schießen fasziniert den Schützinger nicht nur die antiquierte Technik, die manchmal einen eigenen Willen zu haben scheint. Auch die Atmosphäre bei den Wettkämpfen sei überaus familiär. „Wir sind wie eine große Familie, man kennt sich über Jahre und tauscht auch Tipps untereinander aus.“ Überdies sei das Vorderlader-Schießen auch eine mentale Herausforderung. „Man muss immer wieder eine neue Konzentrationsphase aufbauen. Manche Schüsse setze ich zehnmal an, ehe ich abdrücke, weil ich nicht ruhig genug bin. Nach dem Wettkampf ist man oft fix und fertig.“

Dass er nun wegen der Handgelenks-OP nicht an den Weltmeisterschaften teilnehmen kann, ärgert den Schützinger schon ein wenig. Zumal er im vergangenen Jahr bei den Europameisterschaften in Finnland ohne Medaille geblieben, aber ganz nah am Edelmetall dran war. Mit der Steinschlosspistole („Cominazzo“) wurde er im August 2011 mit 90 Ringen Neunter, lediglich drei Ringe hinter dem Sieger Eddy Desmet aus Belgien. Mit der Perkussionspistole Replika („Kuchenreuter“) kam Schulz trotz 94 von 100 möglichen Ringen nicht über Platz zwölf hinaus. Stefano Caruso aus Italien hingegen reichten schon 98Ringe zum EM-Titel.

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