Discounter verderben das Geschäft

Erstellt: 29. Mai 2009, 00:00 Uhr
Discounter verderben das Geschäft Andreas und Tatjana Kromer müssen ihre Früchte- und Feinkostgeschäfte in Dürrmenz und Illingen aufgeben. Discounter und die Wirtschaftskrise haben ihnen zugesetzt. Foto: Goertz

Früchte Kromer schließt für immer die Pforten – Kunden schauen nur noch auf den Preis – Kleine bleiben auf der Strecke

Schweren Herzens ziehen Tatjana und Andreas Kromer einen Schlussstrich. Am Samstag öffnen ihre Fruchtgeschäfte in Illingen und Dürrmenz zum letzten Mal ihre Pforten.

Von Frank Goertz

Mühlacker/Illingen.Damit endet eine Dynastie, denn die Kromer’schen Fruchtgeschäfte gibt es schon seit den 60er Jahren. Ende der 90er Jahre hat Andreas Kromer dann die Geschäfte übernommen. Für das Aus nennt er verschiedene Gründe – vom zunehmenden Kostendruck bis zu Konzentrationsprozessen auf dem Stuttgarter Großmarkt, wo er mehrmals in der Woche in aller Herrgottsfrühe seine frischen Waren einkauft. „Seit der Euro-Einführung machen die Direktimporteure immer mehr das Geschäft unter sich aus. Die Kleinen bleiben auf der Strecke“, klagt Kromer. Letzten Endes das Genick gebrochen habe ihm allerdings die jüngste Wirtschaftskrise. „Sie schlägt seit Anfang April voll bei uns durch. Wir müssen einen Umsatzrückgang von 20 Prozent verkraften.“

 Davon abgesehen meint Kromer: „Ein Geschäft in solch einer Größenordnung wie unsere Ladenlokale zu betreiben, wird immer schwieriger.“  Nicht nur der Trend zum Discounter auf der Grünen Wiese mit Öffnungszeiten bis teilweise 22 Uhr stelle für kleinere, familiengeführte Geschäfte ein Problem dar. Wie Kromer beobachtet hat, lasse bei vielen Kunden auch das Qualitätsbewusstsein nach. Statt Preis-Leistung zähle nur noch der Preis. Außerdem hätten sich die Einkaufs- und Essgewohnheiten gewandelt: „Viele junge Leute kochen doch gar nicht mehr selbst“, bedauert Andreas Kromer. Zudem hätten mittlerweile Rewe, Lidl & Co. ein Feinkostsortiment in ihren Regalen stehen, weshalb Kromer selbst in seinen ureigensten Disziplinen das Wasser abgegraben wird.

 Die Geschichte des Standorts Illingen sei symptomatisch. „Ganz am Anfang waren wir alleine. Dann kamen Edeka, Penny und Lidl. Der Kuchen allerdings wird deshalb nicht größer.“

 Dennoch hätten Kromer in Illingen und Dürrmenz viele Stammkunden bis zum Schluss die Treue gehalten. „Für sie tut es uns besonders leid, dass wir die Geschäfte schließen müssen“, sagt Tatjana Kromer. Einige hätten regelrecht geschockt reagiert, als sie erfuhren, dass „Früchte Kromer“ die Geschäfte aufgibt. Teilweise seien sogar Tränen geflossen.

 „Wir hoffen, dass sich die anderen kleinen Geschäfte in Dürrmenz halten können“, sagt Andreas Kromer. Das Früchteparadies Hemmler würde auf jeden Fall einen Teil des Sortiments von Kromer übernehmen, sodass die Kunden auch weiterhin in Dürrmenz versorgt sind.

 „Der Entschluss, die Geschäfte aufzugeben, ist uns anfangs sehr schwer gefallen“, erklären Tatjana und Andreas Kromer. „Aber es ging nicht mehr anders.“
 Für Andreas Kromer beginnt auf jeden Fall nach den Pfingsttagen eine neue Zeitrechnung. „Ich muss schnellstmöglich eine Arbeitsstelle finden“, sagt der 43-Jährige. „Schließlich trage ich Verantwortung für meine Familie. Ich bekomme als ehemals Selbstständiger kein Arbeitslosengeld.“

 „Viele Menschen haben uns in den vergangenen Jahren tatkräftig unterstützt“, sagen Tatjana und Andreas Kromer. „Dazu zählt nicht nur unser Freund Steffen Bubeck, sondern auch unsere Familien und unser Personal — und zu guter Letzt unsere Kunden, die uns die Treue gehalten haben. Ihnen allen möchten wir danken.“

 Trotz der Unterstützung hat es für die Geschäftsleute am Ende doch nicht nicht gereicht. Sie ziehen einen Schlussstrich. Früchte Kromer erlischt.

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