Dieses Angebot wird ein Selbstläufer

Erstellt: 23. Oktober 2010, 00:00 Uhr
Dieses Angebot wird ein Selbstläufer Schulsozialarbeiterin Lidia Kirschner und Rektorin Waltraud Schellenberger-Hagenbucher (re.) in einem der Betreuungsräume, die den Kindern in der Mittagspause zum Entspannen dienen. Foto: Becker

Der Ganztagszug der Mühlacker Schiller-Grundschule hat Gestalt angenommen

Knapp 80 Pioniere haben ihre ersten Wochen als Ganztagsgrundschüler an der Mühlacker Schillerschule und damit den Spagat zwischen konzentriertem Lernen und Entspannen in den Betreuungszeiten bewältigt. Das im östlichen Enzkreis bisher einmalige Angebot werde sich zum Selbstläufer entwickeln, prophezeit die Rektorin.

Von Carolin Becker

Mühlacker. Der Weg dorthin, blickt Waltraud Schellenberger-Hagenbucher auf die ersten Schulwochen zurück, sei freilich nicht frei von Stolpersteinen gewesen. Insbesondere denkt sie dabei an das Mittagessen, mit dem sich sowohl Grund- als auch Hauptschüler wegen der Umbauarbeiten im Uhlandbau derzeit übergangsweise im alten Musiksaal stärken. Dort für Harmonie im zeitlichen Ablauf zu sorgen, sei keine leichte organisatorische Aufgabe gewesen, erzählt die Schulleiterin. Mittlerweile regele ein Leitfaden nicht nur die Reihenfolge der Verköstigung, sondern gebe auch Verhaltensgrundsätze und feste Rituale vor, an die sich einige der Ganztagsgrundschüler erst hätten gewöhnen müssen. Auch das Einmaleins der Tischsitten gelte es schließlich zu beherrschen.

 Gewöhnungsbedürftig mag manch einem der lange Arbeitstag erscheinen, der – den Freitag ausgenommen – erst um 15.40 Uhr endet. „Wichtig ist, die richtige Mischung aus Unterricht, Spiel- und Entspannungsphasen zu finden“, weiß Waltraud Schellenberger-Hagenbucher, die bei der Realisierung des Modells Ganztagsgrundschule auf die Unterstützung eines „sehr teamfähigen Kollegiums“, der pädagogischen Assistentin Claudia Bahmer und der eigens für die Erst- bis Viertklässler zuständigen Schulsozialarbeiterin Lidia Kirschner setzen kann. Darüber hinaus spielen Jugendbegleiter eine wesentliche Rolle, die an einem Nachmittag in der Woche verschiedene Arbeitsgemeinschaften von Kunst und Theater über Kochen und Backen bis Sport anbieten. Unverzichtbar im Alltag sind auch die acht Betreuer, die die Grundschüler in der Mittagspause zum Essen und wieder zurück zur Schule begleiten und mit ihnen die Zeit bis zum Beginn des Nachmittagsunterricht in den dafür mit Büchern und Spielen ausgestatteten Räumen verbringen. Demnächst würde den Betreuern ein Seminar angeboten, kündigt Waltraud Schellenberger-Hagenbucher an. Schließlich sei es keine ganz einfache Aufgabe, auch in der Freizeitphase auf das Einhalten schulischer Regeln zu drängen. Doch mittlerweile, zieht sie eine Zwischenbilanz, „hat sich alles ziemlich gut eingespielt“.

 Zwei Faktoren seien es, erläutert die Rektorin, die auch den ganz Kleinen den Start in den langen Arbeitstag eines Ganztagsgrundschulkindes erleichterten: „Zum einen leisten die Kindergärten eine hervorragende Vorarbeit. Die Erstklässler kommen diszipliniert und mit einem Gefühl für einen strukturierten Tag bei uns an.“ Zum anderen wirke sich die seit einiger Zeit an der Schule angesiedelte Präventivklasse – „ein Riesenerfolg“ – positiv aus. Dort würden schon Fünfjährige aufgenommen, bei denen sich Förderbedarf andeute. Rückten sie dann in die erste Klasse auf, bedeuteten die Abläufe des Schulalltags keine schwer zu nehmende Hürde mehr für sie.

 Vom neuen Angebot, das in der dreizügigen Grundschule jeweils in der a-Klasse eingerichtet ist, profitieren nicht nur die Eltern, die ihre Kinder in guten Händen wissen, sondern auch die Schüler selbst. Ihr Stundenplan hält unter anderem ein Plus an Deutschunterricht bereit. Ungeahnte Begabungen können die Angebote am Nachmittag zu Tage fördern. „Die Kinder sind ganz wild darauf, zu Weihnachten etwas aufzuführen“, beschreibt Claudia Bahmer die Motivation der Theater-AG-Teilnehmer, und auch der soziale Faktor werde nicht zu kurz kommen, blickt Lidia Kirschner auf eine Zusammenarbeit mit dem DRK-Seniorenzentrum voraus. „Wir möchten die Generationen zusammenbringen“, betont sie und hat eine tierische Idee vor Augen: Kinder und Senioren bauen gemeinsam Hasenställe, die am Seniorenzentrum aufgestellt werden und Vierbeiner beherbergen sollen. Diese wiederum erhalten von den Schülern regelmäßig Besuch.

 Berührungsängste sollen nicht nur den Kindern fremd sein, sondern auch den Müttern und Vätern. Diese nähmen das Angebot der Ganztagsgrundschule zwar schon rege wahr, was unter anderem Anmeldungen aus den Stadtteilen zeigten. Doch seien auch Bedenken geäußert worden, erinnert Schellenberger-Hagenbucher an die Sorge der Eltern angehender Viertklässler, die durch eine Umverteilung der Schüler den Lernerfolg gefährdet gesehen hätten. „Deshalb haben wir die vierten Klassen nicht aufgetrennt“, verweist die Rektorin auf eine weitere organisatorische Herausforderung. Doch auch diese Schwierigkeit könne den neuen Zug auf seinem Weg zum Selbstläufer nicht stoppen.

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