Dieb stiehlt Spenden der Trauergäste

Erstellt: 27. Oktober 2007, 00:00 Uhr
Dieb stiehlt Spenden der Trauergäste Der Dieb greift am Friedhof zu: nachgestellte Szene mit einem Gegenstück zur gestohlenen Opferbüchse. Foto: Fotomoment

Neuer Vorfall auf dem Friedhof in Enzberg sorgt für Empörung – Kirchengemeinde stellt Sammlungen vorerst ein

Mühlacker-Enzberg –  Enttäuschung, Entrüstung, Wut und Trauer: Reaktionen auf einen Diebstahl, der die Kirchengemeinde bis ins Mark trifft. Auf dem Friedhof in Enzberg hat ein unbekannter Täter unmittelbar nach einer Beerdigung das Opfergeld gestohlen. Der zweite Fall in wenigen Monaten.

VON THOMAS EIER

„Es gibt keinen Raum mehr, in dem es noch möglich ist, auf den Respekt der Menschen zu vertrauen“, zieht der Enzberger Pfarrer Martin Merdes ein ernüchterndes Fazit aus dem Vorgang. Und der evangelische Dekan des Kirchenbezirks Mühlacker, Ulf van Luijk, zeigt sich „zutiefst bestürzt“ über einen traurigen Trend: „Die Grenzen verschieben sich und es gibt für Leute, die Schwierigkeiten mit dem Eigentum anderer haben, keine Tabus mehr.“

 Dabei sind die Kirchen und die Friedhofsverwaltungen bereits einiges gewohnt. Einbrüche in Kirchen und Diebstähle von Gräbern sind seit Jahren an der Tagesordnung. „Es ist in den letzten Jahren immer schlimmer geworden“, klagt der Mühlacker Friedhofsverwalter Roland Rapp. Nach 25 Jahren im Amt muss auch er feststellen: „Im Prinzip ist nichts mehr heilig – noch nicht mal der Friedhof.“

 Der jüngste Fall, der die evangelische Kirchengemeinde in Enzberg zu drastischen Schritten zwingt, hat sich am Nachmittag des 16. Oktober ereignet. Dabei gab es für den Täter, wie Pfarrer Merdes berichtet, nur eine halbe Stunde Zeit, um nach der Bestattung und vor der Leerung unbemerkt die Opferbüchse aus der Halterung am Eingang zu nehmen und so nicht nur die Kirchengemeinde, sondern auch die Trauergemeinde zu bestehlen, die kurz zuvor noch für die Kirchenarbeit im Ort gespendet hatte. Zwischen 14.30 und 15 Uhr am Dienstag in der vergangenen Woche muss der Dieb zugeschlagen haben.

 Weil alle Beteiligten die Vorstellung scheuen, dass der Täter aus den Reihen der Trauernden stammen könnte, stellt sich die Frage: Hatte ein Außenstehender die Tat geplant oder hat er spontan zugegriffen? „Ich vermag das nicht einzuschätzen“, will Merdes nicht spekulieren. Er hat sofort Anzeige erstattet und bittet eventuelle Zeugen dringend darum, alle verdächtigen Beobachtungen vom fraglichen Tag umgehend der Polizei zu melden.

 Ganz unabhängig von der Schwere des Delikts, von der Höhe der Beute und vom Ausgang der Ermittlungen sorgt die Tat für allgemeines Aufsehen – und Empörung. „Ich kann mir nicht vorstellen“, sagt Ralf Röse, Angestellter des Mühlacker Bestattungsinstituts Schleihauf, „dass das den Angehörigen die Trauerarbeit erleichtert.“ Auch wenn er und seine Kollegen den vom städtischen Friedhofsverwalter Rapp beschriebenen Hang zur Pietätlosigkeit bestätigen können, zeigt sich Röse doch überrascht über die Dreistigkeit des Diebes: „Ich bin selbst aus Enzberg – und das hat mich schon schockiert. Der Tote kann sich ja nicht mehr wehren.“

 Nachdem es schon der zweite Fall dieser Art ist, will die Kirchengemeinde nichts mehr riskieren – und verzichtet bis auf Weiteres auf eine Sammlung bei Bestattungen. „Auch wenn es sich im einzelnen nicht um große Beträge handeln mag“, sagt Pfarrer Merdes angesichts der beiden Diebstähle, „so haben wir doch eine Verantwortung den Spendern gegenüber.“ Konkret heißt das, dass sich die Gemeinde gemeinsam mit der Friedhofsverwaltung der Stadt Gedanken über Sicherheitsmaßnahmen machen muss. Nach ähnlichen Vorfällen vor einigen Jahren in Mühlacker sind die Opferbüchsen am Friedhof St. Peter inzwischen angekettet. Dafür verschwinden hier Teile des Grabschmucks, Pflanzen, Vasen . . .

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