Die Vielfalt vor der Haustür entdecken

Erstellt: 29. September 2008, 00:00 Uhr
Die Vielfalt vor der Haustür entdecken Schmeckt’s? Die Apfelfest-Jury bewertet zwölf verschiedene Mostproben und verteilt Noten. Foto: Stahlfeld

Apfelfest auf dem Mühlacker Kelterplatz macht zwei Tage lang Appetit auf heimische Lebensmittel

Mühlacker – Rund 8000 Besucher hat am Wochenende das Apfelfest auf den Kelterplatz in Mühlacker gelockt. Das wartete auch mit Äpfeln in flüssiger Form auf. Einer der Höhepunkte am Sonntag: die Mostprämierung.

VON ULRIKE STAHLFELD

Geschmack, Geruch und Klarheit hatte die sechsköpfige Jury zu beurteilen. Und trinkfest musste sie überdies sein: Zwölf Mostproben galt es zu bewerten. Ob „typischer Frauenmost“ oder „herber Männermost“ – bei strahlendem Sonnenschein wurden die Noten von eins bis fünf vergeben.

 „In Baden-Württemberg gibt es über 1000 verschiedene Apfelsorten“, so Thomas Köberle vom BUND-Ortsverband Mühlacker, der zum zwölften Apfelfest geladen hatte. Allein 70 Sorten gab es in Mühlacker zu sehen. Mit dem Fest wolle man für regionale Produkte werben. „Fast niemand weiß, dass im Enzkreis Linsen angebaut werden, die super schmecken“, erklärte Köberle. Gerade mal fünf Prozent der hier verkauften Lebensmittel kämen aus der Region. Einige Supermärkte haben nach Angaben von Köberle bereits reagiert. In „regionalen Ecken“ böten sie Äpfel, Eier und Zwiebeln aus der Gegend an. Wer könne schon überprüfen, ob ein aus Neuseeland importierter Apfel ökologisch angebaut wurde, machte das BUND-Mitglied deutlich. Die Herkunft regionaler Produkte sei indes nachvollziehbar. „Wir haben eine unglaubliche Geschmacksvielfalt vor der Türe“, machte Köberle Appetit auf heimische Lebensmittel. Den Hunger stillten am Wochenende auf dem Kelterplatz unterschiedlichste Teilnehmer des Apfelfestes.

Serviert wird Kaviar der etwas anderen Art

„Heckengäu Kaviar“ nannte sich die Zusammenstellung von Bratkartoffeln und Leberwurst mit Zwiebeln, die in einer Riesenpfanne vor sich hin brutzelte. An anderen Ständen lockten Gemüse und Wein aus biologischem Anbau. Beim Verein Naturgarten Stromberg-Enztal durfte jeder seinen eigenen Apfelsaft pressen.

 Obstbäume wachsen vor allem auf Wiesen, und die müssen ab und zu gemäht werden. Josef Perkmann (Pforzheim) warb für den Einsatz der Sense vor allem an Steilhängen und bei kleinen Obstwiesen. Wer mit der Sense mähe, komme auch mit hohem Gras zurecht. Hohes Gras aber sei gut für kleine Tiere. Perkmann: „Beim Rasenmäher sind die verloren.“

 Neben Bernhard Reisch, Fachberater für Obst- und Gartenbau beim Landratsamt Enzkreis, stillte Anuschka Huber vom Gartencenter Hoffmann (Ludwigsburg-Oßweil) vor allem den Hunger auf Information. Die Leute fragten nach dem richtigen Baumschnitt und wollten Auskunft bei Krankheiten. Wer einen Baum pflanzen wollte, dem riet die Gärtnermeisterin zu Elstar und Jonagold. Die seien für die schweren Böden geeignet.
 „Sie glauben nicht, wie viele Frauen hier nachfragen“, stellte sie fest. Anuschka Huber: „Frauen wissen, wie eine Bohrmaschine funktioniert, weshalb sollten sie nicht wissen, wie man einen Baum schneidet?“ Tatsächlich interessierten sich immer mehr Frauen für dieses Hobby und kletterten mit der Rebschere auf Bäume.

 Bäume gab es am Wochenende auch bei der Stadt zu kaufen. Mit einem finanziellen Zuschuss förderte sie einmal mehr die Anpflanzung von Obstbaum-Hochständen auf städtischer Gemarkung.

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