Die Polizei wird blau

Erstellt: 7. August 2008, 00:00 Uhr
Die Polizei wird blau Grün wird endgültig zum AuslaufmodellDie grüne Uniform und der grüne Polizeiwagen von Frank Krebs (r.) , stellvertretender Revierleiter in Mühlacker, sind ein Auslaufmodell. Bernd Neumann (l.) , Postenleiter in Königsbach-Stein, darf schon eine neue blaue Testuniform tragen. Das blaue Auto, vor dem er posiert, gehört allerdings seit gestern zum Fuhrpark des Reviers Mühlacker. Foto: Goertz

Im Revier Mühlacker rollen erste Autos mit neuer Farbgebung – Uniformen im Tragetest

Die Zeit der grünen Minnas läuft ab. Künftig müssen sich böse Burschen auch nicht mehr vor „den Grünen“ in Acht nehmen. Die Polizei wechselt die Farbe. Sie schwenkt auf Blau um. Seit gestern ist der erste blau-silberne Streifenwagen in Mühlacker im Einsatz, heute kommt der zweite hinzu. Auch die Uniformen sollen spätestens 2011 alle blau sein.

 „Die Polizei in ganz Europa trägt blau, jetzt wird auch Deutschland blau“, erklärt Rüdiger Schroth, Sprecher der Polizeidirektion Pforzheim. Hinter der neuen Farbgebung, oder auf gut Denglisch: der neuen Corporate Identity, stecken nicht nur modische Oberflächlichkeiten. Rüdiger Schroth, einer von 200 Testträgern der neuen Uniform in Baden-Württemberg, gerät ins Schwärmen angesichts der neuen Materialien. So sei die Windjacke für den Streifendienst beispielsweise mit einem Zwei-Lagen-Laminat versehen – einer Qualität die auch höchsten Outdoor-Ansprüchen gerecht wird.

 Frank Krebs, stellvertretender Revierleiter in Mühlacker, sieht die öffentliche Diskussion um die neue Polizeimode ganz pragmatisch: „Die Farbe ist mir egal. Mir könnten sie auch bunte Streifen anheften. Hauptsache die Kleidung ist funktional. Sie muss in allen Lagen und bei jedem Wetter schützen.“

 Nicht alle Kollegen haben so gelassen reagiert. „Anfangs gab es kritische Stimmen“, erinnert sich Schroth, „ob wir nichts Wichtigeres zu tun hätten, als über Uniformfarben zu diskutieren. Natürlich haben gibt es Wichtigeres, aber die Uniform trägt eben auch bedeutend zum Berufsbild bei.“ Inzwischen, so Schroth, sei den Kritikern der Wind aus den Segeln genommen worden. Die Reaktionen auf die blauen Testuniformen seien überwiegend positiv. Wobei das Wort „Testuniform“ wörtlich zu nehmen ist. Nicht alle Merkmale der neuen Kleidung sind bislang fest verzwirnt. Schroth: „Ob die neue Cargohose beispielsweise innen oder außen liegende Taschen hat, wird erst nach dem Trageversuch entschieden.“ Die Beamten werden nicht einfach von der Obrigkeit eingekleidet, sie sollen – ganz basisdemokratisch – Anregungen für Details machen, ehe im Frühjahr 2009 die Ausschreibungen an die Konfektionäre raus gehen.

 Erfahrungen mit der neuen Uniform durfte auch schon Bernd Neumann, Postenleiter in Königsbach-Stein, machen. „Meine Streifengänge dauern jetzt doppelt so lange, weil ich von Bürgern häufig auf die Uniform angesprochen werde.“

 Der Farbwechsel hat also schon begonnen. Auch bei den Autos. Alle Leasingrückläufer werden jetzt durch blau-silberne Modelle ersetzt. Auch hier reagieren die Polizei-Praktiker Bernd Neumann und Frank Krebs völlig farbneutral und lassen sich nicht auf Modediskussionen ein: „Hauptsache das Auto erfüllt alle Sicherheitskriterien und hat einen anständigen Durchzug.“ Krebs: „Ich bin auch schon mit uralten Jettas durch die Gegend gefahren. Da sind die neuen Passats mit Turbodiesel schon etwas ganz anderes.“

  Also Verkehrssünder aufgepasst: Fuß vom Gas, wenn die Blauen im Rückspiegel
auftauchen. Auch wenn in den Blauen noch die Männer in grünen Uniformen sitzen. fg

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