Die Mädchen hängen sich richtig rein

Erstellt: 25. April 2008, 00:00 Uhr
Die Mädchen hängen sich richtig rein Keine Angst vor Maschinen: Die Elser Gruppe Druck und Medien bietet Einblick in verschiedene Berufsfelder. Foto: Becker

Schülerinnen lernen beim Girls’ Day Berufsfelder kennen, die scheinbar Männern vorbehalten sind

Mühlacker/Enzkreis – Drucker oder Mechatroniker: Vielen Mädchen kommen bei der Berufswahl solche Tätigkeiten gar nicht erst in den Sinn. Dabei haben Betriebe bei der Suche nach qualifiziertem Nachwuchs längst nicht mehr nur die Herren der Schöpfung im Blick. Deshalb haben gestern im Enzkreis und in Pforzheim rund 40 Unternehmen und Institutionen am Girls’ Day teilgenommen und Mädchen Einblicke in technische Berufe ermöglicht.

VON CAROLIN BECKER
„Wir möchten, dass Mädchen Berufe kennenlernen, in denen Frauen unterrepräsentiert sind“, erläutert die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte Martina Klöpfer den Hintergrund der bundesweiten Aktion, an der sich der Enzkreis seit dem Jahr 2003 beteiligt. Fast alle der rund 800 angebotenen Plätze seien belegt. Dagegen stoße die parallel angebotene Aktion „Neue Wege für Jungs“ noch nicht auf eine ähnlich große Resonanz, stellt Martina Klöpfer fest. Die Bereitschaft der Betriebe, sich am Mädchenzukunftstag zu beteiligen, sei sehr erfreulich, hofften die Unternehmen doch, auf diesem Weg die Auszubildenden der Zukunft auf sich aufmerksam zu machen.

 Aus diesem Grund gehört auch die Lomersheimer Firma elumatec seit Jahren zu den festen Größen im Girls’ Day-Angebot. „Wir hatten leider in diesem Jahr sehr wenige Bewerberinnen um Ausbildungsplätze“, bedauert Ulrich Köppel, der bei elumatec für diesen Bereich zuständig ist. Dabei habe das Unternehmen mit seinen weiblichen Auszubildenden – vier erlernten derzeit den Beruf der Industriemechanikerin beziehungsweise der Mechatronikerin – durchweg positive Erfahrungen gesammelt. „Die Leistungen sind sehr gut, mindestens genauso gut wie bei den jungen Männern“, weiß Köppel. „Die hängen sich richtig rein, und das spornt dann auch die männlichen Kollegen an.“

 Motiviert zeigten sich gestern auch die 15 jungen Damen, die eine Freistellung von ihren Schulen erhalten und sich bei der Elser Gruppe Druck und Medien für den Girls’ Day angemeldet hatten. Ganz ohne männliche Begleitung mussten die Mädchen allerdings nicht auskommen, hatte sich doch mit Timm Sponagel, Sechstklässler aus Maulbronn, auch ein Junge der Gruppe angeschlossen. „Ich finde Zeitung spannender als Kindergarten“, begründete er, weshalb er sich um ein Tagespraktikum im Medienhaus beworben hatte. Dort erfuhren Boy und Girls gemeinsam aber nicht nur, wie am Computerbildschirm Anzeigenseiten entstehen. Die Besucher schauten auch einer Medienkauffrau über die Schulter und zeigten in der Druckerei ebenso wenig Angst vor großen Maschinen wie in der Buchbinderei.

 „Ich hätte kein Problem damit, in einem Männerberuf zu arbeiten“, versicherte Marie Vetter aus Lienzingen. Noch mehr als für die Druckmaschinen interessierte sie sich aber für ein anderes Berufsbild. „Ich schreibe für den Wecker und möchte vielleicht einmal Redakteurin werden“, verriet die Siebtklässlerin. Ähnlich gelagerte Interessen hatten Vanessa Scheck nach Mühlacker geführt. „Deutsch ist eines meiner Lieblingsfächer“, sagte die 15-jährige Ölbronnerin, die in Knittlingen die Faust-Schule besucht. Festgelegt auf einen Berufszweig habe sie sich noch nicht. Sie wolle sich so gründlich als möglich informieren. Dies gilt auch für Stephanie Schilz. „Als ich davon erfahren habe, dass hier der Beruf der Mediengestalterin vorgestellt wird, habe ich spontan beschlossen, mir das einmal anzusehen“, erläuterte die Zehntklässlerin aus Mühlhausen, weshalb sie sich angemeldet hatte. Auch im vergangenen Jahr habe sie die Chance genutzt, am Girls’ Day etwas Ungewohntes auszuprobieren. „Ich war bei elumatec“, berichtete die Gymnasiastin. Angst vor technischen Berufen habe sie nicht, die große Schwester habe es schließlich vorgemacht: Die arbeite bereits als Mechatronikerin im Lomersheimer Unternehmen.

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