Die Kunst vor die Haustür holen

Erstellt: 31. Januar 2007, 00:00 Uhr
Die Kunst vor die Haustür holen Mirja Liehmann (l.) mit den Kindern von „Bella Bimba“, der Zirkus-AG der Sternenfelser Grundschule. Foto: Garhöfer

Im September findet in der Diefenbacher Gießbachhalle das erste internationale Theaterkunst-Festival statt

Sternenfels-Diefenbach – Festivals vermutet der Theater- und Kunst-Freund in großen Städten. Der Sternenfelser Ortsteil Diefenbach punktet zwar nicht in Sachen Größe. Zu überregionaler Bedeutung könnte ihm aber das Theaterkunst-Festival verhelfen, das Mirja Liehmann hier etablieren will.

VON CAROLIN BECKER

Damit am 22. und 23. September professionelle Schauspieler, Artisten, Clowns, Tänzer, Figurentheater-Spieler, Zauberer und Musiker einerseits, begabte Nachwuchskünstler andererseits auf der Bühne der Diefenbacher Gießbachhalle auftreten können, tritt die Sternenfelserin Mirja Liehmann auf den Plan. Unterstützt von einer Reihe Mitstreiter, hat sie im vergangenen Jahr die Planungen für das erste internationale Theaterkunst-Festival in Sternenfels in Angriff genommen. „Ein gewolltes, von der Gemeinde unterstütztes Projekt“ möchte sie auf die Beine stellen, erläutert die Puppenspielerin und Erlebnispädagogin, weshalb sie zunächst den Kontakt zu Bürgermeisterin Sigrid Hornauer gesucht und in ihr die Schirmherrin für das Festival gefunden habe.
 
 In Mirja Liehmanns Händen laufen die Fäden des Managements zusammen. Sie ist Erste Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins „Die Sternschnuppe“ und Theaterleiterin der „Sternenfelser Puppenbühne“, die als Veranstalter des zweitägigen Festivals fungieren. Im Jahr 2001 ins Leben gerufen, habe sich „Die Sternschnuppe“ auf die Fahnen geschrieben, Theater- und Zirkusprojekte mit Kindern und Jugendlichen selbst zu initiieren. Nachdem der Verein, der heute rund 20 Mitglieder aus Sternenfels und dem ganzen süddeutschen Raum zähle, bereits mit der örtlichen Grundschule zusammenarbeite, stelle das geplante Festival nun „einen weiteren, größeren Schritt“ dar.

Ein Podium für den Nachwuchs

Ziel sei zum einen, Nachwuchskünstlern im Alter von zehn bis 25 Jahren ein Podium für Auftritte zu bereiten. Zum anderen spiele aber auch der Austausch mit Profis eine wichtige Rolle. „Wir möchten Verbindungen schaffen“, schwebt Mirja Liehmann auch eine Zusammenarbeit mit der Akademie der Künste in Ulm vor. Diese habe nach einer ersten Anfrage Interesse an einer Kooperation signalisiert. Kontaktpflege steht auf dem Weg zum gemeinnützigen, nicht kommerziellen Projekt gegenwärtig im Mittelpunkt der Arbeit. Und das in mehrfacher Hinsicht. So ist Mirja Liehmann damit beschäftigt, Sponsoren zu gewinnen, um den mit rund 10000 Euro „sehr knapp kalkulierten“ Etat zu decken. Im Boot seien, wie sie berichtet, bereits der Enzkreis, der Mittel aus dem Kulturetat zur Verfügung stelle, und die Gemeinde Sternenfels. Unterstützung habe auch der Verein „Oben auf“ zugesagt, der – mit dem Geschäftsführer und ehemaligen Sternenfelser Bürgermeister Helmut Wagner an der Spitze – die Jugendbildung im Raum Nordschwarzwald fördere.

 Gleichzeitig nutzt Mirja Liehmann ihre Verbindungen zu Künstlern und Jugendgruppen der verschiedensten Sparten. „Zusagen für neun Auftritte gibt es bereits“, zählt die 39-Jährige unter anderem auf Unterstützung aus ihrer 1999 gewählten Heimat: Die Grundschule Sternenfels ist mit von der Partie. Ebenfalls keine weite Anreise muss der Musikverein Freudenstein auf sich nehmen. Anders sieht dies bei einer Gruppe Jugendlicher aus Nürnberg aus, erst recht bei polnischen Künstlern, die Schauspiel und Figurentheater präsentieren werden. Die Sprachbarriere sei dabei kein Hindernis, versichert Mirja Liehmann, die sich ohnehin vorgenommen hat, in vielerlei Hinsicht Grenzen zu überwinden. „Wir wollen Kinder und Jugendliche aller Schichten für gelebte Kunst begeistern und ermutigen, aktiv teilzunehmen“, lautet das Ziel. Indem die „Kunst vor die Haustür“ geholt werde, sollen Grenzen der Herkunft und der Begabung unter professioneller Anleitung verwischt werden.

Ausschreibung auf internationaler Ebene

Die Teilnahme am Festival ist für die Nachwuchskünstler kostenlos. Aufwendungen für die Fahrt könnten aber nicht übernommen werden, bedauert Mirja Liehmann. Zwölf Jugendgruppen insgesamt werden nach Sternenfels-Diefenbach eingeladen. Auch Solisten können sich bis zum 15. Juni bewerben. Die Ausschreibung läuft auf internationaler Ebene über die Jugendtheater-Vereinigung ASSITEJ. Das entsprechende Formular sei auch unter www.sternenfelser-puppenbuehne.de zu bekommen, kündigt Mirja Liehmann an. „Bei der Auswahl spielt die Qualität eine entscheidende Rolle“, definiert die Organisatorin ihren Anspruch, den sie weniger am Leistungsgedanken als am Projektcharakter der Beiträge festmacht.
 Workshops zu verschiedenen Themen werden während der beiden Festival-Tage in einem Nebenraum der Halle angeboten. Anmelden können sich dafür gegen eine geringe Teilnahmegebühr alle Jungen und Mädchen, die beispielsweise an Stocktanz oder Jonglage interessiert sind.

 „Wenn sich das Konzept bewährt, könnte das Festival in einem zweijährigen Rhythmus stattfinden“, denkt die Initiatorin weit über die Eröffnung durch einen Festakt am 22. September 2007, 14 Uhr, hinaus. Dem kleinen Diefenbach könnte also auch in Zukunft Großes bevorstehen.

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