Die Krise als Chance genutzt

Erstellt: 30. Januar 2010, 00:00 Uhr
Die Krise als Chance genutzt Vom Industrie- und Zerspanungsmechaniker bis zum Maschinen- und Anlagenführer: Manuel Pérez Castillo (li.) betreibt auf dem Maulbronner MWK-Gelände ein überbetriebliches Ausbildungszentrum für Technik und ist heute sein eigener Chef. Die Pleite der Gießerei hat den 53-Jährigen zu dem mutigen Schritt in die Selbstständigkeit bewogen, den er bis dato nicht bereut. Foto: Disselhoff

Neustart nach der MWK-Pleite: Manuel Pérez Castillo betreibt in Maulbronn in eigener Regie ein Ausbildungszentrum.

285 Menschen haben durch die Pleite der Maulbronner Gießerei MWK ihren Job verloren. Manuel Pérez Castillo ist einer von ihnen, doch er hält auf dem verwaisten Betriebsgelände die Stellung. Er ist jetzt sein eigener Chef.

Von Maik Disselhoff

Maulbronn. Ruhig und verlassen liegt das MWK-Areal an diesem Wintermorgen. Die Eingänge der Produktionshallen sind teilweise mit Brettern vernagelt. Ein paar Arbeiter demontieren die Maschinen, die der Insolvenzverwalter verkaufen konnte.

 Manuel Pérez Castillo blickt von seinem Büro direkt auf seine ehemalige Firma. Er hat das Ende seines Arbeitgebers als Chance genutzt und mit seinem „Ausbildungszentrum für Technik“ den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt. 19 Jahre war der Brettener für die Ausbildung in der Gießerei zuständig, hatte vor dem Zusammenbruch von MWK bereits die Insolvenz des Vorgängerunternehmens Schenk miterlebt. „Es wurde hier schon vor der Zeit von MWK zu wenig investiert.“ Die Konjunkturkrise sei dann der Tropfen gewesen, der das Fass zum Überlaufen gebracht habe.

 Nun hat der 53-Jährige selbst investieren müssen, um seine Geschäftsidee zu verwirklichen. Kurz nach der Pleite sei ihm der Gedanke gekommen, den Ausbildungsbereich in eigener Regie weiterzuführen. Dabei hat Pérez vor allem der Umstand geholfen, dass er schon zu MWK-Zeiten Lehrlinge betreute, die aus anderen Betrieben der Region nach Maulbronn kamen.

 Auch die Industrie- und Handelskammer (IHK) und die Agentur für Arbeit hätten ihn unterstützt und mit wertvollen Tipps versorgt. Zudem half dem Unternehmensgründer, dass er als Prüfungsausschussvorsitzender der IHK in den Unternehmen bekannt ist und als Ausbilder einen guten Ruf genießt. Schließlich gab auch die Bank grünes Licht und gewährte ihm das nötige Startkapital. „Die Maschinen und Werkzeuge habe ich dem Insolvenzverwalter abkaufen müssen“, berichtet Pérez. Dazu kommt die Miete für die rund 300 Quadratmeter, die er in der ehemaligen MWK-Halle an der Keplerstraße nutzt.

 Zurzeit erlernen neun Auszubildende bei Werkzeugmachermeister Pérez die Grundlagen ihres Berufs. „Wenn es so weitergeht, bin ich sehr zufrieden“, sagt der Geschäftsmann, der den Wunsch hat, zwei weitere Mitarbeiter einzustellen und mit ihnen um die 30 Lehrlinge zu betreuen. Seine Klientel seien Auszubildende, die in ihren Betrieben aus verschiedenen Gründen nicht alle Ausbildungsinhalte vermittelt bekämen. Diese Firmen schickten ihre Lehrlinge zu ihm ins überbetriebliche Ausbildungszentrum, wo in einer individuellen Betreuung die Lücken aufgefüllt werden.

 „Darüber hinaus biete ich Prüfungsvorbereitungen zur Zwischen- und Abschlussprüfung und andere Zusatzqualifikationen an.“ Einen Zugang zum eigentlichen Betriebsgelände hat Pérez nicht mehr. „Das Areal soll aus Sicherheitsgründen nicht betreten werden. Ich musste sogar einen eigenen Eingang zur Keplerstraße installieren.“ Dabei ist das heutige Domizil nur eine Durchgangsstation. „Mein Mietvertrag mit dem Insolvenzverwalter läuft nur bis Ende des Jahres. Deshalb ziehe ich mit dem Betrieb bereits im Sommer ins TeleGIS nach Sternenfels um, wo mir eine 170 Quadratmeter große Halle zur Verfügung steht und ich nach Bedarf zusätzliche Schulungsräume buchen kann.“

 Dass Pérez die Maulbronner Werkstatt und damit seinen langjährigen Arbeitsplatz Mitte des Jahres räumen muss, stimmt ihn nicht wehmütig. Die letzten Jahre des Unternehmens, das seit 1999 zehn verschiedene Geschäftsführer hatte, seien keine einfachen Jahre für die Belegschaft gewesen. „Das Kapitel MWK ist für mich abgeschlossen“, betont der 53-jährige Existenzgründer.

HINTERGRUND

MWK Maulbronn: erst die Demontage, dann der Neuanfang

Die Abwicklung der ehemaligen Gießerei MWK Maulbronn läuft auf Hochtouren. Zum Ende des vergangenen Jahres seien die letzten Kunden beliefert worden, derzeit werde der Maschinenpark verkauft, sagt Insolvenzverwalter Dr. Philipp Grub. Zur Demontage der Anlagen würden auch einige MWK-Mitarbeiter eingesetzt. Zudem gebe es noch Personal in der Verwaltung, so dass derzeit noch insgesamt zehn Menschen beschäftigt seien.

 Mit der Stadtverwaltung Maulbronn steht Grub regelmäßig in Kontakt. Erst kürzlich habe es ein Gespräch zur Zukunft des MWK-Areals gegeben. „Es geht jetzt um erste Ideen, was auf dem Gelände passieren könnte.“ Erst wenn ein Konzept stehe und die baurechtlichen Fragen geklärt seien, könne die Suche nach Investoren beginnen, wofür dann er verantwortlich sei. „Die Insolvenz läuft bis zur Grundstücksverwertung“, macht Grub klar, der einmal in der Woche in Maulbronn ist.

 Auch wenn die Zukunft der Industriebrache weitgehend offen ist, bestätigt der Jurist: „Wohnen und Gewerbe, dahin könnte die Reise gehen.“ Der Insolvenzverwalter betont außerdem, dass die Stadt das Gelände nicht selbst kaufen wolle.

 Ein Problem sind die Altlasten, die im Boden schlummern. „100 Jahre Gießereibetrieb haben ihre Spuren hinterlassen.“ Wer für die Altlastensanierung aufkomme, müsse im Zuge eines Verkaufs geklärt werden. „Solche Projekte können mehrere Jahre in Anspruch nehmen“, sagt Grub und fügt hinzu: „Das Ganze ist eine städtebauliche Chance für Maulbronn.“    (md)

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