Die Kleinen bleiben auf der Strecke

Erstellt: 26. Juni 2008, 00:00 Uhr
Die Kleinen bleiben auf der Strecke Knittlinger Waschmaschinen benötigen bald weniger Waschpulver. Foto: Archiv

Knittlingen investiert in Wasserversorgung – Zunächst kein schnelles DSL für Kleinvillars – Kritik an Telekom

Knittlingen – Die Millioneninvestition ins Leitungssystem und in eine Anlage zur Wasserenthärtung nimmt in Knittlingen konkrete Formen an. Die notwendigen Arbeiten sollen nun ausgeschrieben werden. Die erhofften Synergieeffekte in Sachen schnelles Internet und Gasleitung bleiben allerdings wohl aus, was am Dienstag im Gemeinderat scharf kritisiert wurde.

VON CAROLIN BECKER

Wie von unserer Zeitung berichtet, hat der Gemeinderat bereits im Grundsatz die Weichen in Richtung weiches Wasser gestellt. Aus Knittlinger Wasserhähnen fließt derzeit ein Mix, der zu 20 Prozent aus Bodenseewasser und zu 80 Prozent aus eigenen Quellen gespeist wird. Die Stadt verfügt im Bereich Etzwiesen über reiche, äußerst mineralhaltige Vorkommen. Das Ergebnis bringt es auf 20 Grad deutscher Härte. Dieser Wert soll nun mit Hilfe einer Nanofiltrationsanlage auf etwa zwölf Grad sinken. So könne die Stadt den Anteil an Bodenseewasser auf ein geringes Maß zurückführen, erläuterte Diplomingenieur Manfred Schattner von der RBS wave GmbH Stuttgart am Dienstagabend.

 Auch ins Leitungssystem selbst investiert die Stadt, da die Druckverhältnisse in einigen Teilen Knittlingens unzureichend, im Fall eines Brands sogar bedenklich seien. Die höher gelegenen Areale des Gewerbegebiets Knittlinger Kreuz und der nördliche Bereich der Kernstadt werden zukünftig vom Hochbehälter Gigelberg in Kleinvillars aus versorgt, was den Bau neuer Leitungen und einer Pumpstation erforderlich macht. Ebenso neu entstehen soll eine Fernüberwachungszentrale für alle Wasserversorgungseinrichtungen. Baukosten von gut zwei Millionen Euro fielen voraussichtlich an, rechnete Schattner vor. Hinzu kämen 45000 Euro für einen Anbau an den Hochbehälter in Kleinvillars, der, wie der Experte empfahl, sinnvollerweise dort geschaffen werden solle, um die Überwachungsstelle an einem zentralen und für den Wassermeister gut zu erreichenden Ort einzurichten.

 Allein dieser letzte Punkt rief einige Nachfragen im Gemeinderat hervor. Ansonsten herrschte Einigkeit darüber, dass es sich bei dem gesamten Maßnahmenpaket zwar um eine „immense Investition, aber um eine in die Zukunft“ handle, wie es Dr. Joachim Leitz (Parteilose Wählervereinigung) formulierte. Zwar müsse der Wasserpreis steigen, doch bekomme der Knittlinger Bürger im Gegenzug ein qualitativ besseres Wasser und spare auch Waschmittel, sagte SPD-Sprecher Martin Blanc. Blanc und Leitz bedauerten allerdings ausdrücklich, dass die erhofften Synergieeffekte „wohl nicht funktionieren“ (Dr. Joachim Leitz). Das Gremium hatte in seinen Grundsatzbeschluss vom Dezember vergangenen Jahres den Auftrag an die Verwaltung integriert, die Möglichkeiten einer DSL-Verbindung für den Stadtteil Kleinvillars abzuklopfen. „Wenn wir ohnehin graben“, hatten die Räte damals angeregt, „ließen sich vielleicht auch gleich Breitbandkabel und eine Gasleitung verlegen.“

 Allerdings seien die Auskünfte, die die Stadt gerade von der Telekom erhalten habe, nur als „Kommunikationsverhinderung“ zu bezeichnen, kritisierte Blanc das ehemalige Staatsunternehmen. Dieses habe den Knittlinger Wunsch nach einer schnelleren Internetverbindung für den Waldenserort Kleinvillars an eine bestimmte Anzahl garantierter Neukunden gekoppelt und von der Kommune verlangt, eine „Deckungslücke“ im sechsstelligen Bereich zu übernehmen. „Es geht wohl nur noch um den Reibach und nicht um das Wohl des Bürgers“, klagte Martin Blanc und konstatierte: „Die kleinen Gemeinden bleiben auf der Strecke.“ Auch bei der Gasversorgung zeige sich kein Unternehmen bereit, einzusteigen. Trotz allem solle die Stadt Leerrohre mitverlegen, schlug der Stadtrat vor.

 Durch das einstimmige Ja des Gemeinderats zur Entwurfsplanung der RBS wave kann diese nun die Ausschreibung sämtlicher Maßnahmen auf den Weg bringen. Die Verwaltung klärt zudem mit dem Regierungspräsidium in Karlsruhe Fördermöglichkeiten ab. Sobald hierüber Klarheit herrscht und die Ausschreibungsergebnisse vorliegen, entscheidet der Gemeinderat über Beginn und Durchführung der in Abschnitten geplanten Baumaßnahmen.

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