Die fetten Jahre sind vorbei

Erstellt: 30. April 2009, 00:00 Uhr
Die fetten Jahre sind vorbei Für 150000 Euro wird in den nächsten Jahren der Wasserhochbehälter „Lindenhau“ saniert. Foto: Franz

Kämmerer Matthias Enz aus Wiernsheim rechnet mit deutlich weniger Gewerbe- und Einkommenssteuer.

Die Gemeinde Wiernsheim stellt sich in den nächsten Jahren auf eine schwierige Finanzsituation ein. Bereits jetzt mache sich die Wirtschafts- und Finanzkrise in der Gemeindekasse bemerkbar, wie Kämmerer Matthias Enz gegenüber dem MT betont.

Von Gerhard Franz

Wiernsheim. In diesem Jahr hatte die Kommune im Heckengäu noch 1,26 Millionen Euro Gewerbesteuer eingenommen. Für das nächste Jahr rechnet der „Finanzmister“ der Gemeinde mit 200000 Euro weniger. Matthias Enz: „Die Wirtschaftskrise ist bei uns angekommen.“ Nach Aussagen des Kämmerers haben Firmen, die bisher gute Steuerzahler waren, angekündigt, dass die Gemeinde im nächsten Jahr nichts zu erwarten habe. Während der Finanzexperte im Wiernsheimer Rathaus bereits in diesem Jahr von einer schlechten finanziellen Entwicklung ausgeht, werde es 2010 „noch düsterer aussehen“. Kämmerer Enz: „Wenn in den Unternehmen die Entlassungswelle kommt, werden wir dies deutlich bei der zurückgehenden Einkommenssteuer spüren.“ Hatte die Gemeinde Wiernsheim 2006 noch Rücklagen von 2,8 Millionen Euro, so lassen sich heute laut Enz keine mehr bilden. Der Wiernsheimer Fachbeamte geht im nächsten Jahr von einer so genannten negativen Zuführungsrate aus. Im Klartext: Die Gemeinde gibt mehr Geld aus, als sie einnehmen kann. Enz: „Ich rechne mit 200000 bis 300000 Euro, die fehlen werden.“ Höhere Umlagen und geringere Zuweisungen werden in den nächsten Jahren für mehr Sparanstrengungen sorgen. Der Wiernsheimer Fachbeamte: „Die fetten Jahre sind vorbei.“ Wichtig für den Wiernsheimer Gemeindeetat sind auch die Verkaufserlöse der 103 Bauplätze im künftigen Wohngebiet Lochmanns Kreuz/Schelmenäcker. Anfragen von Interessenten seien da, heißt es im Wiernsheimer Rathaus. Dem Kämmerer sind jedoch Bauinteressenten bekannt, die keine Darlehen von Banken bekommen und damit auch keine Bauplätze kaufen können. In den nächsten zwei Jahren muss die Gemeinde Wiernsheim rund 4,4 Millionen für das Wohngebiet vorfinanzieren. Die gemeindeeigenen Plätze werden für 210 Euro pro Quadratmeter voll erschlossen verkauft. Veräußert sind in der Zwischenzeit laut Enz alle gemeindeeigenen Bauplätze im Wohngebiet „Kohlplatte“ in Serres.

Dank 800000 Euro Dividende preiswertes Trinkwasser

Erfreuliches kann Kämmerer Matthias Enz beim Trinkwasser aus Wiernsheim berichten. In diesen Tagen erhielt die Gemeinde rund 800000 Euro Dividende aus ihren EnBW-Aktien. Dadurch kann die Kommune das Trinkwasser zum Preis von 70 Cent pro Kubikmeter abgeben. „Ohne die Dividende würde der Preis bei 2,10 Euro liegen“, rechnet der Kämmerer vor. Zur Zeit will sich die Gemeinde Wiernsheim nicht von ihren EnBW-Aktien trennen. Der Kurs lag gestern bei 36 Euro, so der „Finanzminister“ aus dem Wiernsheimer Rathaus. Ohne Rücksprache beim Gemeinderat kann die Gemeindeverwaltung die Aktien bei einem Kurs von 60 Euro veräußern, erläutert Matthias Enz.

  Beim Abwasser (2,25 Euro pro Kubikmeter) rechnet Matthias Enz nicht mit großen Preissteigerungen. Vorgesehen ist, die Kanalnetze in allen Ortsteilen aufzunehmen und zu prüfen, ob sie erneuert beziehungsweise ergänzt werden müssen. In der jüngsten Sitzung hat der Wiernsheimer Gemeinderat bereits eine Prioritätenliste verabschiedet (das MT berichtete). So sind unter anderem neue Wasserleitungen in Pinache und Serres in den nächsten Jahren vorgesehen.

 Mit Zuschüssen aus dem Konjunkturprogramm II führt die Gemeinde Wiernsheim energetische Sanierungen am Feuerwehrgerätehaus und an der Schulturnhalle in Wiernsheim durch. 75 Prozent der Kosten übernimmt dabei der Bund, die Gemeinde hat in beiden Fällen einen Eigenanteil von 85000 Euro zu finanzieren, rechnet Matthias Enz vor.

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