Die feine weibliche Art hat treue Fans

Erstellt: 29. August 2009, 00:00 Uhr
Die feine weibliche Art hat treue Fans Keine groben Fouls, keine Ausraster: Frauenfußball, wie hier zwischen dem FV Knittlingen (blau) und Viktoria Enzberg, ist einfach schön anzuschauen, finden die Kenner in der Region. Archivfoto: Eigner

Auch ohne Autokorso und Großleinwand: Kenner des Frauenfußballs verfolgen die EM mit Begeisterung

Wenn Deutschlands Fußball-Nationalmannschaft ihr erstes EM-Spiel gegen Norwegen mit 4:0 gewinnt, jubelt die Region. Aber nur bei den Männern. Die Frauen-EM läuft, doch von Autokorsos keine Spur. Die Fans des Damenfußballs fiebern und feiern eher im Stillen. Jedoch nicht alle.

Von Kai Hans

Mühlacker. „Bei einem Sieg werde ich auf jeden Fall eine Flagge am Auto anbringen“, sagt Désirée Krebs. Seit die Europameisterschaft in Finnland läuft und die DFB-Elf ihr erstes Spiel gegen Norwegen gewonnen hat, ist die Fußballerin aus Mühlacker ganz euphorisch. Krebs war in den vergangenen Jahren Torhüterin bei den Sportfreunden Mühlacker und ist nun zum SSV Rübgarten in den Kreis Reutlingen gewechselt.

 Sie sieht den Frauenfußball auf einem „technisch hohen Niveau“, auch wenn er physisch vom Spiel der Männern unterscheide. Man könne sicherlich festhalten, dass der Frauenfußball der etwas filigranere sei. „Er kann aber auch ganz schön ruppig sein“, findet Krebs.

 Der Frauenfußball lege viel Wert auf Fairplay, sagt Francisco Palas. Deshalb seien die Spiele schön anzusehen, findet der Spanier, der seit neun Jahren die Mädchen und Frauen beim FV Knittlingen trainiert. Die Männer seien zwar körperlich überlegen, könnten aber im spielerischen Bereich viel von den Frauen lernen. Aus diesem Grund ziehe er den Frauenfußball vor. „Die etlichen Fouls und unschönen Aktionen bei den Männern zerstören nur das Spiel“, fügt er hinzu.

„Frauenfußball ist von Taktik und Technik geprägt. Männerfußball lebt von Dynamik und Athletik.“
Udo Kowalski, Trainer der Fußballfrauen
beim FC Viktoria Enzberg

 Francisco Palas traut der deutschen Frauschaft bei der Europameisterschaft alles zu. „Wenn sie ihr ganzes Potenzial abrufen und die starken Konkurrenen wie Schweden und Italien nicht außer Acht lassen, ist der Titel drin“, davon ist der Trainer des FV Knittlingen überzeugt.

 Palas fiebert mit und drückt den deutschen Frauen die Daumen. Auf eine Flagge oder ein Trikot verzichtet er. Ohnehin besitzt er nur ein Trikot seines Heimatlandes Spanien. Doch Spanien ist bei der Frauen-EM gar nicht dabei. Keine Frage, dass der Knittlinger Trainer Francisco Palas dann zu den Deutschen hält.

 Auch Udo Kowalski ist sich sicher, dass Deutschland den Titel holt. Der Trainer der Damenmannschaft von Viktoria Enzberg erklärt Deutschland nach dem gelungenen Auftaktspiel gegen Norwegen zum Titelanwärter Nummer eins. Wenn jemand behauptet, Fußball sei keine Sportart für Frauen, empfindet Kowalski das als „leeres Macho-Gerede“.

 Der Enzberger Trainer schwärmt von der Leidenschaft, mit der die Frauen in der Bundesliga aber auch in den unteren Klassen spielen. ,,Diese Herren sollten einmal die Begeisterung auf dem Platz sehen. Sie würden schnell die Attraktivität bemerken und was den Frauenfußball so schön macht“, mahnt Kowalski.

 Wer den besseren Fußball spiele – Frauen oder Männer – will der Viktoria-Coach nicht entscheiden müssen. „Diese Frage kann man nicht pauschal beantworten“, stellt Kowalski fest. „Der Frauenfußball fokussiert sich hauptsächlich auf Takik und Technik, während der Männerfußball von seiner Dynamik und Athletik lebt und somit schneller aber auch aggressiver ist.“

 Auch Funktionäre fiebern mit den deutschen Damen mit. Wie Gerd Schwedes, der
Präsident des FV Knittlingen: „Ich freue mich über jeden Sieg.“ Jedoch geht seine Begeisterung nicht so weit, dass er im Trikot der Nationalmannschaft auf dem Sofa sitzt. Auch im FVK-Clubheim nähmen die Mitglieder einen Sieg zwar zur Kenntnis. Im großen Stil zelebriert werde er jedoch nicht.

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