Die Augen zu und durch

Erstellt: 31. August 2009, 00:00 Uhr
Die Augen zu und durch Spektakulär: Bei „Europas größter Stunt- und Action-Show“, wie sich das Programm selbstbewusst ankündigt, fährt einer der Stuntleute auf der Motorhaube eines Wagens liegend mitten durch eine Feuerwand. Knapp 100 Besucher haben am Samstagabend das Gastspiel des Familienbetriebs Rübe auf dem Parkplatz des Edeka-Marktes in Illingen verfolgt. Fotos: Stahlfeld

Knapp 100 Besucher erleben in Illingen teils hautnah eine Stuntshow mit Monstertrucks und Motorradsprüngen

Langsam, ganz langsam setzt sich der monströse Truck mit seinen überdimensionalen Rädern in Bewegung. Drohend rollt das 750 PS starke Gefährt auf drei Autos zu, und Minuten später sind sie platt wie Flundern.

Von Ulrike Stahlfeld

Knapp 100 Besucher haben auf dem Parkplatz des Edeka-Marktes in Illingen „Europas größte Stunt- und Action-Show“ erlebt, doch etliche Gäste machten angesichts der Eintrittspreise von 15 Euro für Erwachsene und zehn Euro pro Kind kurzerhand an der Kasse wieder kehrt. Andere wiederum zogen die kostenlosen Zuschauerplätze auf dem Illinger Bahndamm vor.

 Die letzten Kunden fuhren gerade vom Parkplatz des Supermarkts, da verwandelte das zwölfköpfige Team das 100 auf 30 Meter große Gelände bereits in eine Bühne. „Wir sind ein reiner Familienbetrieb“ erklärt der Chef der Gruppe, Henrico Rübe aus Neuss im Rheinland, „und seit 102 Jahren landauf, landab unterwegs.“ Seit den Anfangszeiten des Autos also, wenngleich dessen Haltbarkeitsdauer als Requisit der Veranstaltung deutlich begrenzt ist. Werden die ausrangierten Modelle nicht gerade unter den Rädern eines Monstertrucks zermalmt, setzen die Fahrer zur Filmmusik von „Spiel mir das Lied vom Tod“ zum wilden Überschlag an.

 Zur Musik aus den James-Bond-Filmen quietschen und qualmen die Reifen bei der 180-Grad-Drehung. Was manche auf vier Rädern nicht schaffen, gelingt den Fahrern auf zwei Rädern: eine Fahrt quasi um den Bierdeckel. Ein anderes Mitglied der Rübe-Truppe fährt auf der Motorhaube liegend durch eine Feuerwand: „100 Prozent Adrenalin pur“, hat Firmenchef Henrico Rübe für diesen Abend versprochen.

 Der komplette Stillstand in Schräglage hält das Publikum in Atem. Atemlos aber sind vor allem die sechs Damen, die an der Fahrt auf zwei Rädern teilnehmen. „Ich habe halt die Augen zugemacht und gebetet“, gesteht anschließend Sylvia Meissner, die kurzerhand zur Mitfahrerin ernannt wurde. Die Maulbronnerin ist mit ihrem 13-jährigen Sohn nach Illingen gekommen, den vor allem die Motorrad-Stunts interessieren. Da sehen die beiden mit Melvin Müller einen der Großen der Zunft, der sich bereits im zarten Alter von 13 Jahren Weltmeister im Motocross-Weitsprung nennen darf. In Illingen fliegt er mit seiner Maschine scheinbar mühelos über drei Autos hinweg, und selbst das gesamte Stunt-Team legt sich, auf die Künste des Nachwuchsfahrers vertrauend, auf den Boden, damit der mit Hilfe einer Rampe auch dieses „Hindernis“ überwindet.

 „Wie fährt man auf zwei Rädern?“, will der vierjährige Juls von dem Stuntman Luke Müller wissen. Viel Fingerspitzengefühl und jahrelanges Training seien erforderlich, antwortet ihm der 17-Jährige. Obwohl Müller in dem Metier groß geworden ist, weiß er, dass die Stunts niemals zur Routine werden dürfen, weil sonst aus dem großen Spaß fürs Publikum rasch bitterer Ernst werden könnte: „Man muss immer zu 100 Prozent konzentriert sein.“

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