Deutscher Meister mit Links

Erstellt: 3. August 2012, 23:30 Uhr
Deutscher Meister mit Links Simeon Diefenbacher hat im Wettkampf die Ruhe weg. Fotos: Eigner

Simeon Diefenbacher war ein guter Bogenschütze, wenngleich kein überdurchschnittlicher. Bis der Europameister Sven Giesa dem Maulbronner riet, doch mal anders herum zu schießen. Seither ist der 16-jährige Diefenbacher kaum noch zu schlagen, überlegen wurde er jüngst Deutscher Jugend-Meister.

Von Steffen-Michael Eigner

Maulbronn. Das erste Training beim VfS Maulbronn-Diefenbach nach dem Triumph bei den Deutschen Feldbogen-Meisterschaften (wir berichteten) ist etwas besonderes. Beinahe schüttelt Simeon Diefenbacher mehr Hände als er Pfeile abschießt. Aber als alle Gratulanten durch sind, greift der neue Deutsche Meister mit dem Blankbogen doch zu seinem Sportgerät. Pfeil um Pfeil jagt er mit einem vernehmlichen Zischen durch die Luft. Fast alle schlagen im gewünschten Ziel ein. Das war vor einem Jahr noch anders, da gingen doch etliche Geschosse fehl.

Den entscheidenden Rat bekam Simeon Diefenbacher zu Beginn dieses Jahres von Sven Giesa. Warum er mit der rechten Hand schieße, fragte der amtierende Europameister aus Ludwigsburg den jungen Bogenschützen aus Maulbronn. „Weil ich Rechtshänder bin“, entgegnete Diefenbacher. Doch Giesa hatte etwas anderes fein beobachtet: „Du fokussierst aber mit dem linken Auge.“

Im Februar dieses Jahres stellte Simeon Diefenbacher um, hält den Bogen seither mit Rechts, spannt die Sehne mit der linken Hand, musste sich dafür einen Bogen leihen, dessen Griffprofil für die rechte Hand geformt ist. Noch immer schießt er mit dem Leihbogen. „Wenn ich mit dem linken Auge fokussiere, aber mit Rechts schieße, schaue ich ja leicht schräg. Dadurch kamen viele Fehlschüsse zustande“, erklärt Simeon Diefenbacher. „Seit er umgestellt hat, purzeln die Ringe nur so“, freut sich sein Vater Bernd, der mittlerweile selbst vorhat, mit dem Bogenschießen zu beginnen. „Sonst hocke ich ja nur rum und schaue zu, wenn ich ihn auf Wettkämpfe begleite“, sagt der Senior und lacht.

Schon als Kind begeisterte sich Simeon Diefenbacher für das Bogenschießen. „Ich habe mich immer fürs Mittelalter interessiert, und dann bekam ich von meinem Vater ein Buch über einen englischen Bogenschützen geschenkt“, erzählt der 16-Jährige. Dieses Geschenk hat sofort gezündet, vor vier Jahren begann Simeon Diefenbacher mit dem Bogensport.

„Gleich die erste Scheibewar ziemlich fies gesetzt“

In diesem Jahr lief es dank der Umstellung vom Rechts- zum Linksschützen wie am Schnürchen: Kreismeister, Bezirksmeister, und schließlich im Juni im riesigen, schroffen Steinbruch von Magstadt bei Sindelfingen Landesmeister mit 220 Ringen. Simeon Diefenbacher hat sich auf Feldbogen-Turniere verlegt, wo die Teilnehmer durchs Gelände streifen, und dort auf verschiedene Ziele anlegen, mal Zielscheiben, mal Tierattrappen. Und er schießt mit dem Blankbogen, bei dem keinerlei Visiereinrichtung und Balancehilfen anmontiert sind.

Die Deutschen Meisterschaften bei Celle in der Lüneburger Heide waren dann ein Erlebnis. „Das ist schon cool, wenn morgens Hunderte von Leuten sich auf 20 Scheiben einschießen.“ Doch cool ist auch Simeon Diefenbacher, Nervosität ist für den Maulbronner offenbar ein Fremdwort. Am ersten Tag der Deutschen Meisterschaften war auf 24 Zielscheiben zu schießen, die Entfernung zum Ziel musste jeder Schütze selbst abschätzen. „Gleich die erste Scheibe war ziemlich fies gesetzt. Sie war 40 Meter weg, aber recht groß. Deshalb wirkte es nur wie 30 Meter“, berichtet Simeon Diefenbacher, der gemeinsam mit drei anderen Teilnehmern, zwei Jungen und einem Mädchen, sozusagen auf die Pirsch gegangen war. Am Abend lag der Maulbronner dann an dritter Stelle.

Tags darauf die Runde auf bekannte Entfernungen, und Diefenbacher nun in der Gruppe der Top-Fünf unterwegs. „Es war so was von spannend. An den ersten Scheiben ging die Führung immer hin und her. Ich konnte nicht mehr hinsehen“, gesteht Bernd Diefenbacher. Doch Simeon hatte die Ruhe weg, nach etwa der Hälfte des zweiten DM-Tages setzte er sich Ring um Ring von der Konkurrenz ab. Am Ende kam er auf 482 Ringe und siegte deutlich vor Julian Reile (SV Gundelfingen), der 458 Ringe erzielte. Dritter wurde Felix Cavello vom SV Holtdorf mit 452 Ringen.

Nun ist Simeon Diefenbachers nächstes sportliches Ziel, sich in den Bundeskader zu schießen – und abseits des Schützenhauses, an der Berufsschule in Bretten seine Mittlere Reife zu machen und sich der Elektrotechnik zu widmen. Seine anderen Hobbys legt Simeon Diefenbacher dennoch nicht beiseite. „Ich bin eine Leseratte“, verrät der 16-Jährige, der außerdem mit Freunden gerne Volleyball und Fußball spielt. Sein Bruder Christian ist Torhüter beim TSV Maulbronn.

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