Der Traum vom Neuanfang

Erstellt: 26. April 2008, 00:00 Uhr
Der Traum vom Neuanfang Rosarote Träume: die Stadtmitte ohne Mühlehof.

Wunsch nach einem Abriss des Mühlehofs scheitert an den nüchternen Zahlen.

Wenn alle anderen Überlegungen in eine Sackgasse führen, dann sind die Visionäre gefragt. Wen also wundert es, dass in dieser Woche viele in Mühlacker den gleichen Traum geträumt haben: Von einem Leben ohne den Mühlehof und den damit verbundenen Sorgen. Von einem Ende mit Schrecken, das der Stadt einen Schrecken ohne Ende erspart. Volkes Stimme bringt diese Idee einer neuen Zeitrechnung mit Vorliebe in zwei kurzen Worten auf den Punkt: Weg damit!

 Um das Projekt der Wiederbelebung nicht zu gefährden, hatten sich bislang nur wenige in der Kommunalpolitik getraut, das Wort Abriss auch nur in den Mund zu nehmen. Dabei war es schon im Vorfeld der Vertragsunterzeichnung mit dem Berliner Investor als eine Option ins Spiel gebracht worden – und zwar von der Stadt selbst, die damals von ihrer Kämmerei nicht nur zwei, sondern drei Alternativen berechnen ließ:

 1.) Die Stadt behält ihren Kulturteil und alles bleibt beim Alten, bis ein Retter für die Ladenflächen kommt. 2.) die Stadt verkauft die Säle und überträgt die Verantwortung komplett einem privaten Partner oder aber 3.) die Stadt plant ohne den erst 25 Jahre alten Mühlehof und versucht, die Frage der Abrisskosten für den Koloss zu klären, die auf weit mehr als eine Million Euro geschätzt werden.

 Bekanntermaßen hat sich die Mehrheit im Gemeinderat für die Variante 2.) entschieden und ist seither zunehmend ins Grübeln gekommen. Seit in dieser Woche die Schwierigkeiten der Firma Echo, ihren Hallen neues Leben einzuhauchen, in der kurzfristigen Terminabsage offensichtlich geworden sind, gelten die weitergehenden Überlegungen auch im Ratssaal nicht mehr als ein Tabubruch. „Nicht nur wir sind soweit, uns unsere Gedanken zu machen“, beschreibt – stellvertretend für die Kollegen –  der Stadtrat Frank Schneider die Gemütslage im Gemeinderat. „Der Mühlehof ist im Grunde gescheitert, und falls Echo im kommenden Jahr eingestehen sollte, dass es seine vertraglichen Vereinbarungen nicht erfüllen kann, dann wollen wir nicht unvorbereitet sein.“

 Konkret geht es um acht bis neun Millionen Euro, die Echo laut Vertrag bis April 2009 noch in die Sanierung investieren müsste. Dass der Mühlehof in dem noch verbleibenden Jahr dermaßen aufwändig auf Vordermann gebracht und in einen florierenden Einzelhandelsstandort verwandelt werden kann, glauben allenfalls die kühnsten Optimisten. So fragt man sich nicht nur auf der Straße, sondern auch in internen kommunalpolitischen Debatten immer häufiger: Warum nochmals Millionen vergraben? Warum nicht lieber neue Millionen an anderer Stelle investieren?

 Der Mühlehof und seine Kultursäle als Auslaufmodell, und stattdessen eine neue Stadthalle, für die schon munter mögliche Standorte gehandelt werden: Das derzeitige Messegelände am Lienzinger Tor zum Beispiel, wo neben dem Bahnhof nicht nur ein Kongress- und Veranstaltungszentrum, sondern gleich auch ein schmuckes Stadthotel entstehen könnte. Oder das Wertle, wo das Bürogebäude mit dem Jugendhaus ohnehin als Provisorium mit abgelaufenem Verfallsdatum gilt. Oder der Bereich Käppele, wo sich der Kulturbetrieb mit dem Stadion, einer neuen Käppele-Turnhalle, den Bädern und Schulen zu einem reizvoll und verkehrgünstig gelegenen Sport- und Kulturzentrum ergänzen würde.

 Allein: Alle diese Träume haben einen Haken. Müsste doch die Firma Echo als Besitzer zwingend den gleichen Traum träumen, schon deshalb, weil ein Vertrag keine Einbahnstraße ist und die Stadt nicht alleine den millionenschweren Abriss und dazu noch eine millionenschwere neue Stadthalle bezahlen will.

 Doch der Mühlehof-Manager Frank Witte ist ein nüchterner Realist und Rechner. „Mit einem Abriss haben wir uns noch keine Sekunde ernsthaft beschäftigt“, versichert er, „schon deshalb, weil er wirtschaftlich ein Irrsinn wäre.“ Habe doch Echo bereits  um die fünf Millionen in den Mühlehof gesteckt, zu denen noch der Millionenbetrag für den Abriss käme, nur um anschließend ein 4300 Quadratmeter großes, leeres Areal in zentraler Lage zu besitzen. „Rechnen Sie sich den Quadratmeterpreismal aus: So viel bezahlen Sie in Stuttgart.“

 So möchte der Projektbeauftragte lieber weiter auf die Suche nach Mietern gehen. Ob es sich dabei letztlich, wie vorgegeben, um Einzelhändler handle, sei noch offen. „Es gibt für jeden Standort eine Lösung“, lässt er sich den Mut nicht nehmen und hofft weiterhin auf ein wirtschaftlich rentables Leben, und zwar mit dem Mühlehof.
 Eigentlich fast ein bisschen schade.       the

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