Der Stargast kommt erst zum Schluss

Erstellt: 26. Februar 2011, 00:00 Uhr
Der Stargast kommt erst zum Schluss Frechheit siegt: Nach der Sendung nehmen die Jedermann-Sportler aus Mühlhausen selbst in der Talkrunde Platz und spielen ein bisschen „Doppelpass“. Fotos: privat

Sechs Fußballfans aus Mühlhausen/Enz berichten von ihrem Besuch beim „Doppelpass“

Was macht eigentlich Jörg Wontorra in der Werbepause? Die Jedermann-Sportgruppe des TSV Mühlhausen/Enz weiß jetzt Bescheid. Sie haben am vergangenen Sonntag die Fernsehsendung „Doppelpass“ besucht, wären aber beinahe zu spät gekommen.

Von Steffen-Michael Eigner

München. „Eigentlich hätten wir um 10 Uhr dort sein sollen. Aber als wir ankamen war es schon fast halb elf“, erzählt Wolfgang Höhner, Ehrenvorsitzender des TSV Mühlhausen und einer der Jedermann-Sportler. Die Zugfahrt nach München hatte länger gedauert, als im Fahrplan angegeben. Dabei waren die sechs Fußballfans extra um 5.30 Uhr in Mühlacker losgefahren. „Trotzdem bekamen wir noch gute Plätze, nur eben nicht mehr zusammen an einem Tisch.“

 Eingefädelt hatte den Ausflug Heinz Hees. Ein paar Telefonate und etwas E-Mail-Korrespondenz mit dem Fernsehsender „Sport1“ (vormals „DSF“) genügten, etwa ein Vierteljahr standen die Mühlhausener auf der Warteliste. Bei „Sport im Dritten“ habe es länger gedauert, sagt Höhner. In der SWR-Sendung saßen die Jedermänner bereits im Dezember auf den Zuschauerrängen.

 Nun also waren sie im Foyer des Kempinski-Hotels am Münchener Flughafen im Auditorium. Von dort sendet „Sport1“ seinen wöchentlichen „Fußball-Stammtisch“ jeden Sonntag von 11 Uhr bis 13 Uhr in die Wohnzimmer der Republik. Während aber das Fernsehpublikum zu Hause in „Bundesliga Pur“ die Zusammenfassungen der Spiele vom Samstag zu sehen bekommt, sind die Monitore im Saal dunkel. Stattdessen werden die Zuschauer im Kempinski-Hotel eingewiesen. „Die Redaktionsleiterin erklärt zum Beispiel, wann man klatschen soll, wann stattdessen Ruhe erwünscht ist“, berichtet Wolfgang Höhner.

 Kurz nach halb elf erscheint dann Jörg Wontorra. „Ein netter, sympatischer Typ“, sagt Höhner über den Moderator, der sich in der letzten halben Stunde vor Beginn seiner Sendung ein wenig mit den Zuschauern im Saal unterhält. „Er will wissen, welche Gruppen im Publikum sitzen. Wir haben uns dann als VfB-Fans vorgestellt“, sagt Wolfgang Höhner.

 Unterdessen nehmen die Talkgäste – drei Sportjournalisten – Platz in ihren roten Sesseln. Nicht fehlen darf freilich die Trainer-Legende Udo Lattek. Ohne die Expertise des mittlerweile 76-Jährigen kommt kaum eine „Doppelpass“-Sendung aus. Neben Wontorras Sessel ist nur ein Platz in der Runde noch frei.

 Der aktuelle Gast aus der Bundesliga kommt erst nach Beginn der Sendung durch die gläserne Drehtür. „Der ist auch zuvor nicht zu sehen“, sagt Wolfgang Höhner. An diesem Tag begrüßt Jörg Wontorra den Vorstandsvorsitzenden des 1. FC Kaiserslautern Stefan Kuntz. Ein kurzes Interview im Stehen, dann flimmert ein Werbeblock über die Bildschirme. Währenddessen nehmen auch Kuntz und Wontorra Platz.

 In den folgenden knapp zwei Stunden redet sich die Gesprächsrunde über das aktuelle Geschehen in der Bundesliga die Köpfe heiß. Auch das „Phrasenschwein“ auf dem Tisch füllt sich allmählich mit klimpernden Münzen; drei Euro Strafe berappen die Talkgäste für jede banale Fußball-Weisheit und jede verbale Plattitüde. Das gesammelte Geld kommt laut „Sport1“ der „Laureus Sport for Good Foundation Deutschland“ zugute, die derzeit mit mehr als 60 sozialen Projekten weltweit bedürftige Kinder und Jugendliche unterstütze. Bereits vor der Sendung haben die sechs Mühlhausener dem Phrasenschwein jeder fünf Euro gespendet und werden deshalb von Moderator Wontorra vor laufender Kamera als Spender erwähnt.

 Mehrmals wird der „Doppelpass“ von Werbeblöcken unterbrochen. „Da hat man Gelegenheit, mal auf die Toilette zu gehen“, erzählt Wolfgang Höhner. „Wie lange der Werbeblock dauert, erfährt man allerdings nicht. Nur die Anzahl der Spots wird angekündigt. Da muss man eben schauen, dass man rechtzeitig zurück ist.“

 Auch die Gesprächsrunde unterbricht während der Reklamepausen ihre Debatte. „Jörg Wontorra zum Beispiel geht dann immer raus eine rauchen“, beobachten die Mühlhausener. Auch Wolfgang Höhner geht einmal mit vor die Tür. „Da hat Wontorra am Handy telefoniert. Mein Eindruck war, dass er da mit dem neuen Trainer von Mönchengladbach, Lucien Favre, gesprochen hat.“
 Als die Sendung um 13 Uhr zu Ende ist, würden die Mühlhausener gerne Udo Lattek zu einem gemeinsamen Foto bitten. Doch der ist rasch verschwunden. „Er wirkte gesundheitlich etwas angeschlagen“, macht sich Höhner ein wenig Sorgen um den 76-Jährigen, der als Trainer achtmal Deutscher Meister war und alle drei Europapokale (UEFA-Cup, Pokal der Landesmeister, Pokal der Pokalsieger) gewonnen hat.
 Stattdessen posiert eben Stefan Kuntz für den Fotoapparat der sechs Mühlhausener. Der war immerhin auch schon Deutscher Meister und sogar Europameister.

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