Der Sprung ins kalte Wasser

Erstellt: 16. September 2011, 23:00 Uhr
Der Sprung ins kalte Wasser Die neue Mannschaft von Blau-Gelb Mühlacker ist guter Dinge und fest entschlossen, den Klassenerhalt in der Landesliga zu schaffen. Foto: Zschorsch

Mühlacker. „Wir haben A: eine ganz neue Mannschaft; B: eine Mannschaft aus der zweiten Reihe; und C: eine unerfahrene Mannschaft“, sagt Matthias Kremer eine Woche vor dem Landesliga-Start gegen den TV Wössingen. Das hört sich wenig vielversprechend an, doch der Trainer ist einer festen Überzeugung: „Ich bin in meiner Laufbahn noch nie abgestiegen, und deshalb steigen wir diesmal auch nicht ab.“ Allerdings musste sich der neue Coach selbst an einige Dinge erst gewöhnen. „Ich habe ja schon höherklassig trainiert, in der Regionalliga und 2. Bundesliga. Da muss ich auch meine eigenen Ansprüche natürlich runterschrauben. Auch kannte ich es bisher nicht, dass in den Ferien die Halle sechs Wochen zu ist“, sagt der 53-Jährige, der vom Bergischen HC kommt und auch schon beim TV Lützellinden unter Vertrag war.

Um dieses Ziel zu erreichen, hat er der Mannschaft in den vergangenen Wochen ein Mammutprogramm zugemutet. Mehr als 20 Trainingseinheiten à zwei Stunden, zwei mehrtägige Trainingslager, acht Konditions- und Krafteinheiten haben die Blau-Gelben hinter sich, zudem rund 40 Trainingsspiele. „Das war eigentlich ein Pensum für einen Kader mit mindestens 16 Mann“, verdeutlicht Kremer, dass er die lediglich 13 Blau-Gelb-Spieler eigentlich über ihre Grenzen hinaus fordert. Zeitweise standen im Training nur acht Spieler zur Verfügung. „Das war für die Jungs auch eine ganz neue Erfahrung. Jeden Tag Handball, keine Freizeit, kaum Privatleben“, bewundert Kremer, wie die Mannschaft das Programm wegsteckt.

Die bisherigen Leitwölfe haben Mühlacker verlassen

„Heftigst“, so beschreibt Vereinspräsident Thomas Ufrecht die Vorbereitung, die er durchaus mit Wohlwollen sieht: „Ich muss ja nicht mitmachen“, sagt er lachend. „Aber was bleibt uns anderes übrig, wenn wir Leute von der Bank zu Führungsspielern machen müssen.“ Spieler aus der zweiten Reihe müssen nun ins kalte Wasser der Landesliga springen.

Die bisherigen Leitwölfe Markus Elsner und Maik Bareis sind weg, beide haben ihre aktive Laufbahn beendet. Auch Michael Haasis, Manuel Freyburger und Michael Dippon haben den HC verlassen, studieren in Berlin, Trier und sonstwo. Die Neuzugänge im Kader dürften wohl kaum gleich in deren Schuhe schlüpfen. Ralf Kilper, der von der SKV Rutesheim (Bezirksklasse Enz-Murr) kam, zog sich kaum in Mühlacker angekommen eine Kapselverletzung am Daumen zu. Möglicherweise kann er erst in sechs bis acht Wochen wieder spielen, schätzt der Trainer. Doch die gesamte Vorbereitung hat Kilper verpasst. Vom HC Neuenbürg ist Elias Kugel zu Blau-Gelb Mühlacker zurückgekehrt, doch er war in der vergangenen Saison noch A-Junior. Die spielweise eines erfahrenen Kämpen ist von ihm ebensowenig zu erwarten wie von David Laurinyecz, einem Neuzugang aus Ungarn. Der zwei Meter große Rückraumspieler muss nach längerer Handballpause erst wieder Spielpraxis sammeln. Stefan Haag ist aus der zweiten Mannschaft zum Landesligakader gestoßen, Phillipp Jung aus der eigenen Jugend.

Rückkehr von Jörg Bidlingmaier steht noch in den Sternen

Zudem verheilt die im April operierte Schulter von Jörg Bidlingmaier langsamer als gehofft. Der treffsicherste Mühlackerer der vergangenen Saison hat zwar wieder mit leichtem Training begonnen, hat aber noch immer Schmerzen. „Vielleicht kann er in vier Wochen spielen, vielleicht in drei Monaten, womöglich erst in einem halben Jahr“, wagt Ufrecht keine konkrete Prognose. „Wenn Jörg tatsächlich noch bis Weihnachten ausfällt, darf eigentlich mit keinem anderen Spieler etwas passieren. Eigentlich haben wir drei bis vier Mann zu wenig, und in der zweiten Mannschaft ist es das gleiche Problem.“ Dort soll Spielertrainer Edin Pivac die jungen Spieler aufbauen, unterstützt von drei Routiniers: Späth, Meinhardt und Torhüter Hille, die aber momentan ebenfalls allesamt verletzt sind. So muss der HC Blau-Gelb auch in der 2. Kreisliga versuchen, mit einem ganz unerfahrenen Team die Klasse zu halten.

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