Der Mönch neben Abt Heino

Erstellt: 30. Oktober 2008, 00:00 Uhr
Der Mönch neben Abt Heino Die Hälfte seines Lebens – wartet der Mönch vergebens: Die Komparsen schlagen bis zum Drehstart die Zeit tot. Foto: Ochs

Mitarbeiter des Mühlacker Tagblatt spielt im Kinofilm über Hildegard von Bingen mit

Ja ist denn schon Fasching?“, fragt ein unbeteiligter Passant belustigt, als die Schar von Mönchen von der Maulbronner Stadthalle kommende in Richtung Nordflügel des Klosters marschiert.

 Schön geordnet in Reih und Glied sollen wir den Drehort im historischen Herrenrefektorium betreten, mahnt die Regieassistentin. Damit am Set alles glatt läuft, sind wir in A- und B-Mönche eingeteilt: Letztere sitzen im Speisesaal auf der rechten Seite bei Schauspieler Alexander Held, während die A-Gruppe links bei Heino Ferch alias „Abt Kuno“ Platz nehmen darf.

 Welch glückliche Fügung: Ich bin ein A-Mönch und teile also mit Fernsehstar Ferch, dem Schwarm aller Frauen, das Scheinwerferlicht – wenn auch nur für eine kurze Szene und in der Befürchtung, ich könnte später im fertigen Film gar nicht zu sehen sein, sondern in der Masse der 60 speisenden Mönche untergehen. „Was für ein Aufwand, für ein paar Sekunden Film“, raunt der A-Mönch neben mir ungläubig.

 Weiß Gott . . . Um 5 Uhr morgens bin ich in der Maulbronner Stadthalle angekommen und habe zugesehen, wie die Maskenbildnerinnen den anderen Komparsen ihre Tonsuren schneiden. Bei mir werden nur die Koteletten abgesäbelt, weil ich später eine Kapuze trage. Die bekomme ich schließlich in der Abt-Entenfuß-Halle aufgesetzt, wo die Kostüme hängen. Ich schlüpfe in die dunkelgraue Wollkutte. „Die Benediktiner waren, was die Kleider angeht, die Armanis unter den Mönchen“, erzählt die Kostümbildnerin Lisa, während sie an mir herumzupft. Zehn Minuten hat sie jeweils eingeplant, um moderne Menschen in mittelalterliche Mönche zu verwandeln. Bei mir werden es 30 Minuten: Die Fledermausärmel müssen aufgetrennt und der Kapuzenkragen neu vernäht werden. Außerdem brauche ich neue Stiefel, weil meine nicht alt genug aussehen.

 Zurück in der Stadthalle, geht es ans „Patinieren“: Schwarzer „Dreck“ wird unter die Fingernägel gemalt und ein gesundes Rot ins Gesicht, schließlich haben die Benediktiner kein allzu entbehrungsreiches Leben geführt, wie die Visagistin weiß. Inzwischen sind fast alle Komparsen geschoren, bemalt und eingekleidet. Einige staunen geradezu über die Würde, die ihnen ihr Abtkostüm verleiht und stolzieren in schwarzen Roben durch die Stadthalle. Andere stellen entgeistert fest, dass die Dreharbeiten vor allem eines bedeuten: warten, warten und nochmals warten. Fünf Mönche plaudern also über Computer-Programme, Übertragungsraten und die aktuelle Finanzkrise der globalisierten Welt.

 Mit einer Krise anderer Art kämpfen die echten Benediktiner, die wir im Speisesaal darstellen: Hildegard von Bingen, die Namensgeberin des Kinoprojekts, ist mit ihren Nonnen kurz zuvor aus dem Kloster ausgezogen. Wir sollen daher grimmig und zugleich andächtig gucken, während ein junger Mönch in Latein aus der Heiligen Schrift rezitiert. „Und . . . bitte!“, kommt das Startkommando der Regisseurin Margarete von Trotta. Zweimal wird die 20-Sekunden-Szene geprobt, dann wird sie zweimal gedreht. Dann ein kurzer Umbau und nochmals zwei Proben und zwei Drehs.

 Nach zwei Stunden auf der Holzbank mutet der Geruch des Dinkelbreis vor mir langsam aufdringlich an. Außerdem ist die Kälte, die im mittelalterlichen Herrenrefektorium herrscht, in meine dünnen Filmstiefelchen gekrochen. Bevor eine Nahaufnahme mit Heino Ferch gedreht wird, entlässt die Assistentin die A-Mönche.
 Gerade, als wir im geordneten Gänsemarsch hinter dem Star vorbeizuckeln, lässt der Beleuchter für einen Test den Schweinwerfer aufleuchten. Ein letzter gemeinsamer Moment im Scheinwerferlicht.

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