Der Jupp Heynckes von Knittlingen

Erstellt: 2. Januar 2010, 00:00 Uhr
Der Jupp Heynckes von Knittlingen Roland Szabo strukturiert die Arbeit im Verein am liebsten von unten nach oben. Foto: p

Für seinen alten Freund Werner Vetter kehrt Roland Szabo aus dem Trainer-Ruhestand zurück und übernimmt den TSV

Eigentlich hatte Roland Szabo seine Trainerkarriere schon beendet, doch dann rief sein alter Freund Werner Vetter aus Knittlingen an. Nun will der 58-Jährige die TSV-Handballer vor dem Abstieg aus der Landesliga retten.

Von Steffen-Michael Eigner

Knittlingen. Es war wohl ein wenig wie vor einem Dreivierteljahr beim FC Bayern, als Manager Uli Hoeneß zum Hörer griff und seinen alten Spezl Jupp Heynckes aus der Trainer-Rente holte. Werner Vetter, der Leiter der Handballabteilung beim TSV Knittlingen, und der neue Knittlinger Trainer Roland Szabo sind ebenfalls alte Freunde. „Wir kennen uns seit 40 Jahren. Damals haben wir in Stuttgart-Rot zusammen Handball gespielt“, sagt Szabo, der bis zum vergangenen Frühjahr die A-Junioren des GSV Hemmingen trainierte. Trotzdem sagt Vetter, er habe „eigentlich gar nicht damit gerechnet, dass Roland ja sagt.“ Doch Roland Szabo sagte ja und leitete einen Tag vor Heiligabend erstmals das Training beim TSV Knittlingen. „Ihr könnt Jupp Heynckes zu mir sagen“, begrüßte der studierte Sportlehrer seine neue Mannschaft mit Humor. „Oder meinetwegen auch Hans Meyer.“

 Sein Eindruck von der Knittlinger Truppe sei durchweg positiv, sagte Szabo diese Woche gegenüber unserer Zeitung: „Das sind alles sehr sympathische Kerle.“ Was ihm gefallen hat: „Die Jungs haben sofort gesagt, der Klassenerhalt sei ihr Ziel. Das zeigt, dass sie wollen, dass sie mitziehen, und Handball für sie nicht nur Jux ist.“
 Den Schwerpunkt seiner Arbeit will Szabo zunächst einmal auf die Abwehr legen. „Wenn man in einem Spiel 32 Tore schießt, aber 37 kassiert, lässt es darauf schließen, dass es daran hakt“, begründet er diesen Schritt. Außerdem wolle er eine Spielkonzeption mit dem Team entwickeln, Offensivaktionen wie Defensive sollen sich automatisieren, den Spielern in Fleisch und Blut übergehen. „Auslösehandlungen müssen sich einschleifen, die Mannschaft soll in sich stimmiger agieren. Gute Grundlagen sind auf alle Fälle da“, erläutert der neue TSV-Trainer, der beste Referenzen hat.

Glückwünsche kommen auch aus Wiernsheim

 „Mit Roland hat Knittlingen einen wirklich guten Mann bekommen“, sagt auch Horst Zelewski. Der jetzige Trainer der Wiernsheimer Handball-Frauen war Jugendtrainer, später Trainer der Männer in Hemmingen, als auch Szabo dort arbeitete. „Wir hatten in Hemmingen zusammen zwölf wirklich erfolgreiche Jahre, waren mit den Junioren Württembergischer Meister und Süddeutscher Vizemeister“, so Zelewski. Der Handball-Abteilungsleiter in Hemmingen zu dieser Zeit: Werner Vetter.

 „Mein System war schon immer, die Arbeit in einem Verein von unten nach oben zu strukturieren“, bestätigt Szabo. So entstammen der Hemminger Jugendarbeit drei aktuelle Bundesligaspieler, die kurioserweise alle zwischen den Pfosten stehen: Maike März, die in der B-Jugend in Hemmingen spielte, fünf Jahre bei den Trierer Miezen in der 1. Bundesliga das Tor hütete, nun beim Erstligisten Thüringer HC. Marcus Rominger, der beim Erstligisten TV Großwallstadt den Kasten sauber hält, zuvor bei der SG Wallau-Massenheim spielte. Und Benjamin Krotz vom Zweitligisten TV Bittenfeld, wo Roland Szabo selbst einige Zeit als Trainer gearbeitet hat.

Zweitliga-Keeper Benjamin Krotz gehörte zu Szabos Schülern

 Allerdings schränkt Szabo ein: „Maike März und Marcus Rominger haben nur ganz kurz bei mir trainiert. Aber Benjamin Krotz war von den Minis bis zur C-Jugend mein Schüler.“ Tatsächlich nannte der Bittenfelder Goalie vor einiger Zeit den jetzigen Knittlinger Coach als wichtigen Lehrmeister: „Wir hatten mit Roland Szabo einen sehr guten Trainer, der mir sehr geholfen hat. Denn er hat schon in diesen jungen Jahren auf ein gutes Torwarttraining Wert gelegt“, wurde Benjamin Krotz vor einigen Monaten in einem Zeitungsartikel zitiert. Profitiert haben wohl alle drei genannten Torhüter von den engen Kontakten, die Szabo und Zelewski mit einigen deutschen Topclubs pflegen.

 Jetzt aber muss Roland Szabo Kärrnerarbeit leisten, um den TSV Knittlingen vor dem Abstieg zu bewahren. „Da werden wir ja sehen, ob ich wirklich der Jupp Heynckes von Knittlingen werde.“

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