Der Dialekt der Dachtraufschwoba

Erstellt: 30. August 2006, 00:00 Uhr
Der Dialekt der Dachtraufschwoba Auf Sendung: Oskar Steinacker, OB Arno Schütterle, Moderator Jürgen Essig, Adelheid Teschner, Rundfunkpfarrer Broch, Gerd Schäfer und Wolfgang Rieger (v.l.).

SWR4 Badenradio sendet live aus Mühlacker – Einblicke in die Geschichte und Befindlichkeiten der Stadt.

Mühlacker – Rund 130000 Radiohörer haben gestern Morgen in einer Live-Sendung vom Kelterplatz kurzweilige Einblicke in die Mühlacker Geschichte, aber auch in die Eigenheiten und Befindlichkeiten der „Dachtraufschwoba“ erhalten. Das SWR4-Badenradio machte auf seiner Sommererlebnistour Station unter dem SWR-Sender.

VON THOMAS EIER

Ach, so sieht der aus! Stadträtin Erika Gerlach hätte sich Jürgen Essig ganz anders vorgestellt. Etwas reifer und gesetzter. Der Moderator, den sie bislang nur vom Hörensagen kannte, hat im Frühstücksmagazin live vom Kelterplatz plötzlich ein Gesicht bekommen. Ein viel jüngeres.

 Die pure Neugierde hat gestern viele der Gäste angelockt, die sich von der Morgenstunde und den herbstlichen Temperaturen nicht schrecken ließen. Wie wird Radio gemacht – und wie sehen die Leute hinter den Stimmen aus? Rundfunkpfarrer Michael Broch aus Leonberg zum Beispiel. „Den hab’ ich heute Morgen noch gehört“, freut sich Zaungast Adolf Reutter aus Großglattbach. Der katholische Seelsorger ist sozusagen als geistlicher Beistand mit auf Tour – und, wie Jürgen Essig am Mikrophon witzelt, „fürs Wetter zuständig“.

 Nun, zumindest hat es in Mühlacker während der Liveschaltungen von 8 bis 9 Uhr nicht geregnet. Seit dem Auftakt zum „Sommererlebnis“, einer Tour durch 24 Gemeinden im Sendegebiet, haben Jürgen Essig und Kollegen noch nicht viel Sommer erlebt. Auch zur mittäglichen „Wunschmelodie“ in Mühlacker lieferte der Regen die Begleitmelodie. „Die Begeisterung ist trotzdem da“, lässt sich Redaktionsleiter Erich Hohn die gute Laune nicht nehmen.

 Oberbürgermeister Arno Schütterle, der in seinen Wortmeldungen die Vorzüge der Stadt Mühlacker als Industriestandort, als Verkehrsknotenpunkt und als sehenwertes Mittelzentrum preist, hat vorsichtshalber den Schirm mitgebracht. „Nur zur Demonstration“, bekräftigt er, „der bleibt nämlich zu.“ Offen geben sich stattdessen im Gespräch Adelheid Teschner als Leiterin des Heimatmuseums, Gerd Schäfer als Chef der Löffelstelz-Sanierung, Wolfgang Rieger vom Historisch-Archäologischen Verein und Oskar Steinacker vom Verschönerungsverein, ein Mühlacker Original und profunder Kenner der Heimatgeschichte. „Sie waren“, stellt Jürgen Essig mit Blick auf seine Unterlagen fest, „schön häufiger in SWR-Sendungen zu Gast?“ Der Routinier schmunzelt – und entwirft in gewohnt amüsanter Art ein Bild von der Herkunft und Tradition der Mühlacker „Hondsbeitel“. Hochdeutsch ist hier Fremdsprache.

 „Der Dialekt“, lobt Erich Hohn die Authentizität der Gesprächspartner, „steht für die Region. Die Leute sollen bei uns so reden, wie sie sonst auch reden.“ Schließlich ist auch der jeweilige Zungenschlag ein Stück Heimatkunde, und genau dies will das Badenradio mit seiner vierwöchigen Tour durch Baden und Württemberg bieten: mit Musik garnierte Heimatkunde. „Dürrmenzerisch“, macht eben Oskar Steinacker gegenüber dem Moderator aus dem fernen Heidelberg klar, „kann bei uns keine Sau mehr.“ Wolfgang Rieger spannt derweil den Bogen vom Fund eines Rentiergeweihs aus der Altsteinzeit über die Kelten und Merowinger bis hin zu den Römern und ihren jüngeren Nachfolgern. „Es waren also alle da“, fasst Jürgen Essig die 10000 Jahre alte Mühlacker Besiedlungsgeschichte kurzerhand zusammen, um sich im Gespräch mit Gerd Schäfer der Burg Löffelstelz, ihren Ursprüngen und ihrer Sanierung zuzuwenden. „Ich hörte, Sie saßen dort früher mit der Gitarre, und jetzt haben sie beschlossen, sie zu retten . . .“

 Professionell, locker, sympathisch. Der Moderator beherrscht sein Handwerk. „Es kommen immer mehr!“, ruft Essig auch zu einer Zeit, als die Besucher noch spärlich tröpfeln. Immer wieder wirbt er lautstark für das Quiz, für die späteren Stadtrundgänge und für das Frühstücksbuffet des Eine-Welt-Ladens, der mit dem Hotel-Restaurant „Scharfes Eck“ die Bewirtung übernommen hat. „Schön, diese Gratiswerbung im Rundfunk“, freut sich Susanne Rieger als Mitstreiterin im Eine-Welt-Laden über die Mehrfach-Erwähnung.

 Adelheid Teschner erzählt, wie Privatleute Platz in ihrer Garage machten und deshalb Überreste des einstigen Holzsenders („Der war früher braun – in jeder Hinsicht“) in ihrem Museum ablieferten. „Mühlacker und der SWR“, betont OB Schütterle nochmals, bevor Adelheid Teschner, Wolfgang Rieger und Gerd Schäfer mit etwa 100 Teilnehmern in vier Gruppen zur Besichtigung von Museum, Dürrmenz und Burganlage aufbrechen, „sind eng verbandelt.“ Weshalb ein Abstecher an den Senderstandort Mühlacker für das Badenradio, wie Redaktionsleiter Hohn bestätigt, „eine Selbstverständlichkeit“ war.

Am Freitag, wiederum ab 8 Uhr, macht das SWR4-Badenradio-Sommererlebnis noch Station in Knittlingen, bevor der Tross dann weiterzieht in Richtung Pforzheim.

Weiterlesen
Ein Kilo Nudeln auf einmal schadet nicht

Ein Kilo Nudeln auf einmal schadet nicht

Die Ausdauersportler Christine Schleifer und Sebastian Kienle verbrennen Kalorien im Nu. Mühlacker – Bei Christine Schleifer und Sebastian Kienle sind die Rollen klar verteilt: Der Triathlet kocht gern und gut… »